Lidl Im Visier der Datenschützer
Nachdem die Bespitzelung von Mitarbeitern bekannt geworden war, entschuldigt sich der Lebensmitteldiscounter bei den betroffenen Mitarbeitern. Datenschützer wollen den Fall nun untersuchen.
Lidl ist wegen des Vorwurfs der Mitarbeiterbespitzelung ins Visier von Datenschützern geraten. Es werde datenschutzrechtlich geprüft, ob die Beschäftigten in zahlreichen Filialen systematisch überwacht wurden, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums. Lidl räumte die Vorwürfe teilweise ein und entschuldigte sich bei den Betroffenen.
Das Mitglied der Geschäftsführung Jürgen Kisseberth sagte, die Kameras und Detektive seien eingesetzt worden, um durch Diebstahl verursachte Inventurverluste zu vermeiden. Dass dabei aber auch persönliche und private Details notiert wurden, sei nicht geplant gewesen und entspreche "in keinster Weise" dem Unternehmensstil. "Wir sind bestürzt über die Berichte und es tut uns leid. Wir können uns bei den betroffenen Mitarbeitern nur entschuldigen", sagte Kisseberth.
Nach Informationen des Magazins
Stern
war bei dem Lebensmitteldiscounter über zahlreiche Überwachungskameras registriert worden, wann und wie häufig Lidl-Mitarbeiter auf die Toilette gingen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hatte und wer nach Ansicht der Überwacher unfähig war oder einfach nur "introvertiert und naiv wirkt". Aufgeführt wurde laut
Stern
unter anderem auch, ob Mitarbeiter des Neckarsulmer Unternehmens tätowiert waren. Das Magazin beruft sich auf interne Lidl-Protokolle.
Kisseberth räumte ein, er könne nicht ausschließen, dass die Bespitzelungen stattgefunden haben. Er selbst habe einen Bericht über Tätowierungen einer Mitarbeiterin erhalten. Die Zusammenarbeit mit der betreffenden Detektei sei daraufhin beendet worden. Als Konsequenz aus dem nun bekannt gewordenen Bericht sei beschlossen worden, generell mit keiner Detektei mehr zusammenzuarbeiten. Komme es künftig zu Diebstählen, werde gemeinsam mit den Mitarbeitern über Gegenmaßnahmen entschieden.
Im Jahr 2006 seien Detektive in etwa 150 Filialen tätig gewesen, im vergangenen Jahr in rund 210. Laut
Stern
sollen die meisten Überwachungsberichte aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein kommen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sprach von einem Skandal und von einem Verstoß gegen das Grundgesetz. Wenn die Vorwürfe stimmten, "dann passt das in das System der permanenten Kontrolle und Unterdrückung in dem Unternehmen", erklärte der Handelsexperte der Gewerkschaft in Baden-Württemberg, Bernhard Franke. Die Gewerkschafter forderten die Mitarbeiter auf, gegen die Zustände vorzugehen und Betriebsräte zu wählen. "Die Mitarbeiter werden eingeschüchtert und verängstigt. Es gibt so gut wie keine Betriebsräte bei Lidl", sagte Franke.
Ein anderer ver.di -Gewerkschafter, Achim Neumann, sagte, er sei zwar einiges gewohnt von Lidl, von solch einer systematischen Mitarbeiterüberwachung aber habe er noch nie gehört. "Diese Dimension ist mir völlig neu." Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, erklärte, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: "Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekannt werden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet."
- Datum 27.03.2008 - 11:16 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa
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Vorbehaltlich weiterer Untersuchungen durch Datenschutzbehörde u.a. – und meiner Erfahrung, dass in Skandalen, die „frisch auf den Tisch“ kommen, oft noch immer nicht die ganze Wahrheit gesagt worden ist...
Lidl wirkt unglaubwürdig. Es ist jetzt natürlich easy, die Detektei verantwortlich zu machen nach dem Motto „so haben wir das gar nicht gewollt, gemeint, beauftragt“.
Nicht bei einem Unternehmen, das bekannt ist für seine Mitarbeiter-Drangsalierung, siehe „Schwarzbuch Lidl“.
Wenn Lidl wirklich und aufrichtig etwas zur Aufklärung des Sachverhalts und Glaubwürdigkeit der Aussagen jetzt beitragen will, sollen sie zum Beispiel den Vertrag mit der Detektei offen legen. Das war kaum keine 2-Tage-Aktion – und jetzt eben der Skandal.
Wann ging die Bespitzelung los, wann trafen die ersten Protokolle ein (die werden nicht gesammelt, um Wochen später den Auftraggeber zu informieren), wann gab’s die Kündigung?
Herrn Kissebeth glaube ich kein Wort, gleich nach dem ersten Bespitzelungs-Protokoll der Detektei gekündigt zu haben, allerdings würde ich das an seiner Stelle auch so hinstellen.
Dass Lidl sich entschuldigt, ist nichts weiter als Schadensbegrenzung. Da bleibt gar nichts anderes übrig, alles andere wäre geschäftliches Harakiri.
Die Information diese Artikels scheint mir darüber hinaus unvollständig. In anderen steht da eher etwas von „Fehlverhalten der Mitarbeiter überwachen“. Diebstahlsüberwachung wurde den Mitarbeitern suggeriert. Die bekommen schließlich mit, dass ein Haufen Kameras installiert werden und das muss man natürlich irgendwie erklären.
Und die Lidl Geschäftsführere wissen ganz genau, dass bei Videoüberwachung das gar nicht sauber zu trennen ist. Schön für sie, dann kann man sich auf das berufen, was gerade opportun ist.
Ich kann nur hoffen, dass der Laden jetzt erstmal auseinandergenommen wird..
Das Mondschaf spielt auf seiner Fiedel
das Lied "Konsumverzicht".
Es kauft ab heut nie mehr bei Lidl,
die sind dort nicht ganz dicht!
Mit "die" sind nur die Chefs gemeint,
die alles überwachen.
Die Schuld daran wird stets verneint
von diesen Spitzel-Drachen!
Kuba lebt jetzt ohne Fidel,
Tibet ohne Frieden.
Überwachung gibts bei Lidl -
hier wird nichts vermieden:
- Angestellte abgehört!
- Per Video überwacht!
Deutschland ist zutiefst empört -
wer hat denn so viel Macht?
Die Lidl-Chefs ins Dschungelcamp!
Dort tourt schon Sternchen Jürgen Schrempp...
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