Dem interessierten Publikum daheim am PC wird heute mal das wahre Leben geboten. Martina Pickhardt steht in Hagen-Hohenlimburg am Rand des Ruhrgebiets vor dem Osterfeuer. Die Flammen lodern - und die Welt kann live dabei sein. Denn Martina überträgt das Geschehen mittels Handy live ins Web, auf die Plattform von Qik.

Neue Onlinevideoplattformen wie Qik sind in den vergangenen Monaten wie Pilze aus dem Boden geschossen. Sie wollen erfüllen, was der 2006 von Google gekaufte Videoanbieter YouTube versprach – "Broadcast Yourself!". Diese Aufforderung nehmen Mogulus, Qik und Ustream jetzt wörtlich. Ob live von unterwegs übers Mobiltelefon oder direkt aus dem Wohnzimmer: Die neuen Anbieter haben die technischen Voraussetzungen für Echtzeit-TV im YouTube-Format geschaffen. Die Google-Tochter gerät dabei erst mal ins Hintertreffen.

Die meisten Computer und fast alle Handys werden heute schließlich mit eingebauter Kamera geliefert. Damit lassen sich qualitativ mäßige, aber immerhin erkennbare Videos aufzeichnen. Genau darauf bauen die neuen Dienste. Die Kameras der digitalen Endgeräte werden dazu benutzt, Bilder direkt und ungefiltert ins Netz zu übertragen.

Das Prinzip ist nicht einmal neu: Webcams galten vor wenigen Jahren noch als letzter Schrei. Doch die Bilder waren zu schlecht und die Internetleitungen zu langsam. In Zeiten schneller DSL-Verbindungen und potenter Kleinstkameras, zum Beispiel in Mobiltelefonen, macht das Live-Senden und Anschauen entschieden mehr Spaß.

Theoretisch zumindest. "Ist das nicht eigentlich alles gerade Schrott? Das interessiert doch niemanden", muss sich Martina Pickhardt am Osterfeuer in Hohenlimburg von anderen Menschen fragen lassen. Sie streamt mittels Mobiltelefon und Qik. Die um sie Herumstehenden finden das etwas befremdlich. Doch die 39-jährige Wirtschaftsinformatikerin ist Unverständnis für ihre Experimentierfreude gewohnt. "Technologien wie E-Mail, E-Commerce, Telefonieren und Handy werden massenhaft genutzt", sagt sie, "da denkt keiner mehr drüber nach. Alles, was darüber hinausgeht, interessiert zumindest in Deutschland nur einen relativ kleinen Zirkel." Bläulich-gelblich schimmert ihr Video auf dem Monitor – die Kamera ist nicht lichtempfindlich genug, um die Farben im Feuerschein korrekt wiederzugeben.

Qik setzt vor allem auf die mobilen Anwender. Mit einer kleinen Software wird das Handy zu Kamera und Übertragungswagen in einem. Was fürs Fernsehen Regiepult und Sendemast machen, leistet hier der Server. Und der Zuschauer öffnet zum Glotzen einfach ein Browserfenster.