Vier Tage nach der Wahl in Simbabwe bleibt die Lage undurchsichtig. Nachdem am Dienstag zunächst Gerüchte kursiert hatten, Präsident Robert Mugabe verhandle mit der Opposition über seinen Rücktritt, dementierte sein Herausforderer Morgan Tsvangirai von der Oppositionspartei Movement for Democratic Change (MDC) Gespräche dieser Art.

Auch das Informationsministerium teilte mit, Mugabe denke nicht an einen Rücktritt. Allerdings berichteten hochrangige Mitglieder der Regierungspartei Zanu-PF unter dem Schutz der Anonymität, dass es Verhandlungen über Mugabes Machtabgabe gegeben habe. Auch das US-Außenministerium und westliche Diplomaten wollten von solchen Gesprächen erfahren haben. Gerüchte über eine für Dienstagabend geplante Fernsehansprache Mugabes heizten die Spekulationen in dem krisengeschüttelten Land zusätzlich an. Der bisherige Präsident beherrscht der Land seit seiner Unabhängigkeit mit brutaler Macht.

Die Simbabwer hatten am vergangenen Samstag einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament gewählt. Ein offizielles Endergebnis aber gibt es bislang nicht. Gewerkschaftsführer Tsvangirai bezeichnete sich trotzdem als Sieger. Auch die von westlichen Hilfsorganisation unterstützte Bürgerinitiative Zimbabwean Electoral Support Network (ZESN) sieht Tsvangirai vorn. Demnach kommt er auf 49 Prozent der Stimmen, Mugabe auf 42 Prozent und der dritte Kandidat, der frühere Finanzminister Simba Makoni, auf acht Prozent.

ZESN hat eigene Berechnungen aufgrund der Ergebnisse angestellt, die an jedem Wahllokal angeschlagen werden müssen. Sollten sich die Zahlen bestätigen, müssten Tsvangirai und Mugabe sich laut Verfassung einer Stichwahl stellen, da keiner von beiden die nötige 50-Prozent-Mehrheit erreicht hätte.

Die Wahlkommission müsse die inoffiziellen Ergebnisse über einen Sieg der Opposition anerkennen, forderte die US-Regierung angesichts der schleppenden Auszählung. "Es ist klar, dass das Volk von Simbabwe für den Wandel gestimmt hat", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Gordon Johndroe. Die europäischen Staaten forderten, dass die simbabwische Wahlkommission endlich die Ergebnisse veröffentlichen und sich Mugabe an das Resultat halten müsse.

Die schleppende Auszählung gab Befürchtungen über massive Fälschungen weiteren Auftrieb. Sollten sich die Menschen durch das offizielle Wahlergebnis betrogen fühlen, sei die Sicherheit in Simbabwe nicht mehr zu garantieren, berichteten Bewohner Harares. Im Nachbarland Südafrika äußerten sich Politiker und Medien zunehmend besorgt über die Gefahr eines Gewaltausbruchs unter aufgebrachten Simbabwern, die unter der schlimmsten Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes leiden.