Autoindustrie Eine mutige Übernahme

Der indische Autobauer Tata kauft Jaguar und Land Rover. Den Weltmarkt werden die Inder nicht aufrollen. Aber sie könnten dem Westen vorführen, wie man Synergien hebt.

Tata Motors, ein indischer Automobilbauer, kauft die beiden britischen Traditionsmarken Jaguar und Land Rover. Ein Unternehmen aus der einstigen Kolonie holt sich ein Stück vom Tafelsilber des einstigen Kolonialherren. Schon wird vom Beginn einer neuen Ära gesprochen.

Aber ist es das wirklich? Die neue Ära hat schon sehr viel früher begonnen. So wie einst die Japaner und dann die Südkoreaner haben auch Chinesen und Inder schon seit Jahren von ihren Vorbildern gelernt: in Joint Ventures, Kooperationen, durch das Engagement von Zulieferern aus Europa, Amerika und Japan.

Anzeige

Aber ja, man muss die neuen Spieler ernst nehmen. Entgegen den Prognosen, die noch vor einigen Jahren en vogue waren, wird es in der Weltautomobilindustrie in der Zukunft eher mehr als weniger ernsthafte Mitspieler geben. Sie kommen aus China, Indien und vielleicht auch Russland. Denn gerade diese Staaten haben selbst großes Interesse, eine eigenständige Automobilindustrie in ihrem Territorium zu fördern.

Die Furcht, dass Tata Motors und Konsorten kurzfristig den Weltmarkt aufrollen werden, ist dennoch übertrieben. Noch ist Tata ein Winzling im Vergleich zu Branchenriesen wie Toyota, Volkswagen oder auch Hyundai aus Südkorea. Für ihr jüngst vorgestelltes Billigstauto, den Tata Nano, gebührt den Indern alle Achtung. Aber dieses 1700-Euro-Vehikel soll nicht den Westen erobern, sondern erst mal vielen Indern den Umstieg vom Motorrad aufs Auto ermöglichen. So wie das VW Käfer, Goggomobil, Fiat 500 oder Opel Kadett einst in Europa taten.

Ob sich die Inder mit dem Kauf von Jaguar und Land Rover einen großen Gefallen tun, ist noch offen. Der bisherige Eigner, Ford, hat dort seit 1989 beziehungsweise 2000 viele Milliarden Dollar vergraben, ohne je glücklich mit den britischen Nobelmarken zu werden.

Werden sich die Inder geschickter anstellen? Mutig ist der Deal auf jeden Fall. Als Eroberer mit großspurigen Ankündigungen, wie einst Jürgen Schrempp bei Chrysler, tritt Tata-Chairman Ratan Tata, der neben dem Autobauer ein großes Firmenimperium in Indien kontrolliert, nicht auf. Das ist positiv.

Freilich zeigt das Beispiel Daimler und Chrysler auch, dass Synergien beim Bau von Massenautos und Luxusgefährten, wenn überhaupt, nur in begrenztem Umfang zu heben sind. Umso höher wäre es einzuschätzen, wenn den Indern beim ehemaligen Kolonialherren tatsächlich eine positive Überraschung gelingt.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service