Die erste Nacht nach Fitna , dem Film, verlief ruhig in Holland. Keine Zwischenfälle, keine Anschläge, keine Unruhen. Erleichterung in den Morgenzeitungen, Nachrichtensendungen und Online-Diensten. Der Film, dessen vieldeutiger Titel dem Koran entnommen ist und unter anderem soviel wie Herausforderung oder auch Heimsuchung bedeutet, ist – wie erwartet – ein aggressiver Aufruf zum Widerstand gegen „die Islamisierung“ Europas.

Die niederländische Regierung hat sich von dem Werk des rechtspopulistischen Abgeordneten und Parteiführers Geert Wilders bereits distanziert, kurz nachdem der Film am Donnerstag ohne Vorankündigung im Internet aufgetaucht war. Die liberalen Zeitungen haben Fitna als übertrieben und pamphletistisch kritisiert. Ein Anwalt hat Wilders in den Morgenstunden bei der Polizei angezeigt, weil er mit seinem Film die nichtmoslemischen Holländer gegen die moslemischen Mitbürger aufhetze.

Gemäßigte niederländische Moslems haben versichert, dass der Film zwar schlimm und falsch sei, aber keine Beleidigung der islamischen Religion sein könne. Man könnte also sagen: Die Lage ist normal. Bisher.

Gemessen an der seit vielen Wochen andauernden Aufregung um einen Film, über den das ganze Land debattierte, ohne dass ihn jemand gesehen hatte, ist das ein Fortschritt. Doch jetzt wartet man auf die Reaktion aus der islamischen Welt. Denn was den inzwischen einiges gewohnten Holländern und ihren wohlwollenden europäischen Nachbarn als Ausdruck der abendländischen Meinungsfreiheit vergleichsweise harmlos vorkommen mag, dürfte man dort, wo antiwestliche Kampagnen wie die gegen Dänemark betrieben und gesteuert werden, ganz anders bewerten und benützten.

Vor allen wird man ein Detail nicht übersehen, das Wilders wie ein Leitmotiv einsetzt: Die dänische Karikatur, die den Kopf des Propheten als Bombe mit glimmender Lunte darstellt. Sie ist am Beginn des 15 Minuten langen Films zu sehen, es beginnt ein Countdown, am Ende explodiert die Bombe. So gesehen kein Happyend für den Westen, aber das müsste die islamistischen Propagandakrieger und ihre Öl fördernden „prowestlichen“ Finanziers nicht hindern, darin eine weitere Beleidigung des Religionsstifters zu sehen.

Übrigens hat der Autor jener Karikatur, die den Dänen so viel ungewollte Publicity eingetragen hat, bereits in der Nacht zum Donnerstag dagegen protestiert, dass Wilders dieses Motiv benützt habe, ohne ihn zu fragen. Das sei „Diebstahl“, wurde er von holländischen Medien zitiert. Er wolle den Film deshalb verbieten lassen (wie auch immer er das anstellen will). Die Islamisten wird das nicht irritieren.