Olympia-Protest „Warum boykottiert uns die ganze Welt?“

Chinesische Medien verurteilen die Störungen des Fackellaufs. Sie verstehen ganz einfach nicht, warum der Westen gegen die Olympischen Spiele in ihrem Land demonstriert

Mit den massiven Störungen des olympischen Fackellaufs in Europa hat China nicht gerechnet. Die „Klarstellung“ von Jiang Yu, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, am Dienstag morgen wirkte fast verzweifelt. „Die Berichte westlicher Medien über ein erzwungenes Löschen der olympischen Flagge in Paris sind falsch“, so Jiang. Als ob Peking fürchtet, dass mit dem Erlöschen der olympischen Fackel auch der eigene Traum von Harmonie und Verständigung zu den Spielen im August zu Ende ist.

Dann wiederholte die Sprecherin die bereits bekannten Anschuldigungen Pekings gegen „einige wenige tibetische Separatisten“, welche mit den Störaktionen den Geist Olympias entweiht hätten. Die Forderungen des Dalai Lama nach Gewaltlosigkeit bezeichnete das Außenministerium erneut als Lüge. Am Montag hatte die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua die Proteste beim Fackellauf in der britischen Hauptstadt als „Sabotage“ und „abscheulich“ verurteilt.

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Trotz der Zwischenfälle in London und Paris will Peking an dem ursprünglichen Reiseplan des olympischen Feuers festhalten. „Der reibungslose Ablauf des Fackellaufes wird nicht gestoppt und er wird auf jeden Fall ein Erfolg“, sagte die Medienchefin des Olympischen Organisationskomitee Pekings (BOCOG), Wang Hui. China will das olympische Feuer auf die spektakulärste Reise in seiner Geschichte schicken: Etwa 22.000 Fackelträger sollen durch 134 Städte in 20 Staaten auf allen fünf Kontinenten das Feuer tragen. Mitte Juni soll die Fackel auch durch die autonome Region Tibet sowie die ebenfalls von Unruhen erschütterten Provinzen Qinghai und Gansu getragen werden.

Darüber hinaus hat ein hochrangiger IOC-Vertreter die Tradition des internationalen olympischen Fackellaufs infrage gestellt. Zwar sollte die 137.000 Kilometer lange Reise nach Peking wie geplant fortgesetzt werden, sagte IOC-Pressechef Kevan Gosper am Dienstag. Das IOC solle jedoch erwägen, die Flamme künftig aus dem griechischen Olympia direkt in das jeweilige Gastgeberland zu schicken. Gleichzeitig verurteilte er die jüngsten Proteste in London und Paris. Die Demonstranten seien professionelle Störer, die „voller Verbitterung und Hass“ seien, erklärte er.

Die chinesischen Medien verschwiegen die Proteste in Europa nicht. Sie waren um ein harmonisches Bild bemüht. Neben Fotos von jubelnden Landsleuten am Rande der Fackelstrecke betonte Chinas Presse die gute Zusammenarbeit mit den britischen und französischen Behörden bei dem Zurückdrängen der Aktivisten. Die französische und britische Bevölkerung fanden nicht nur als Unruhestifter, sondern auch mit differenzierten Stimmen Erwähnung.

China hat selbst mehr Fragen als Antworten bezüglich der Protestaktionen in London und Paris. „Was für eine Botschaft wollen die Aktivisten und die westlichen Medien den Chinesen vermitteln?“, fragte Qu Yingpu, Sprecher des olympischen Fackellaufs und Vize-Herausgeber der englischsprachigen Zeitung China-Daily in einem Kommentar von Mittwoch. Das Signal an die chinesische Regierung ist eindeutig: Ändert Eure Tibet-Politik. Aber auf die chinesische Bevölkerung wirken die Attacken auf das olympische Feuer wie Versuche, die Freude vieler Chinesen am sportlichen Großereignis ebenfalls auszulöschen.

Die ansonst so gesprächigen und kein Blatt vor den Mund nehmenden Pekinger schweigen oder senken den Kopf, wenn man sie auf den Straßen nach den Fackelprotesten fragt. Bezeichnend auch, dass die meist eindeutig nationalistische Internetgemeinde neben aggressiven Verteufelungen der Franzosen, Racheschwüren und Boykottaufrufen auch mit Ratlosigkeit reagiert. „Warum boykottiert uns die ganze Welt, kann mir das einer erklären?“, schreibt ein Blogger namens „Die 80er wegwischen“ im Diskussionsforum Tianya. „Sehr gut, fragt nach den Gründen und schimpft nicht nur“, antwortet der Nutzer „Dizzy 21“ und schickt hinterher, „aber ich kann es auch nicht richtig erklären“. „Warum, warum nur?“, schließen sich fünf weitere Blogger an.

Das BOCOG reagiert auf die anhaltenden Proteste im In- und Ausland mit einer ungewöhnlichen Maßnahme. Man werde Demonstrationszonen in der Nähe des „Olympic Green“ einrichten, gab Li Zhanjun von der Medienabteilung des Organisationskomitees bekannt. Auf dem rund 17 Hektar großen Areal im Norden Pekings befinden sich die meisten Wettkampfstätten, Quartiere der Sportler und das Pressezentrum. „Es ist noch nicht entschieden, ob es auch eine Zone für internationale Demonstranten geben wird“, sagte Li. So oder so ist dies eine kleine Revolution in einem Land, wo Proteste bis dato nur auf Antrag möglich sind und in der Regel nicht gestattet werden.

 
Leser-Kommentare
  1. -und blindlings 'FreeTibet' Leute unterstützt, welche Chinas Grenze in Frage stellen.-Friedliche Demonstrationen für mehr Autonomie in Tibet, die wären angebracht, nicht dagegen die Forderung nach einem FreienTibet, die nur in Kriegen enden kann.-Diese Freiheits-Romantiker sind sich offenbar nicht klar darüber, welchen Schaden sie Tibet zufügen, indem sie das Gegenteil von dem machen, was der Dalai Lama fordert:-'For the future of Tibet, I have decided to find a solution within the framework of the People's Republic of China.' - 'The hosting of the Olympic games this year is a matter of great pride to the 1.2 billion Chinese people.  I have from the very beginning supported the holding of these Games in Beijing. My position on this remains unchanged.  I feel the Tibetans should not cause any hindrance to the Games.' - Brief des Dalai Lama vom 6. April 2008.

  2. Hat der Reporter selber in Peking interviewt ?  Nein.Ist er auf den Pekinger Strassen gegangen und Leuten nach ihren Meinungen gefragt ?  Nein.Warum schrieb er, auf eine Seite die Pekinger schweigen,auf andere Seite die Medien in Peking schweigen nicht ? Wer hat Gewalt in Xizang gegen den Sklaven geübt ?  Dalai Lama Regime.Wer übt Gewalt heute am März 14 gegen den Bürger in Xizang ? Dalai Lama´s Studenten.

    • TimmyS
    • 08.04.2008 um 19:55 Uhr

    TiSe Ich kann die Chinesen vollkommen verstehen, aber um es nicht zu allgemein zu fassen. Ich verstehe den Ärger über Boykottversuche gegen Olympia'08 der Chinesen, die vom einfachen Volk sind und Olympia'08 als Zeichen einer offenen Welt sehen. Und als Chance betrachten ihr Land zu repräsentieren. Doch nichts desto trotz gibt es Chinesen und dazu gehören nicht unbedingt nur Tibeter, die von der chinesischen Regierung dafür bestraft werden, dass sie für mehr Menschenrechte und dessen Einhaltung kämpfen. Denn diese Menschen setzen sich für ein besseres und menschenachtendes Leben in China und gegen ein unterdrückendes propagandistisches Regime ein. Olympia öffnet für einen kurzen Zeitraum die Tore zu einem neuen Land, dass Millionen von Menschen nie bereist haben oder bereisen werden, aber so etwas davon kennen lernen. Doch Öffentlichkeit verlangt auch nach Aufklärung, Aufklärung über gesellschaftliche menschenverachtende Missstände. Der Boykottversuch ist nicht an das allgemeine chinesische Volk gerichtet, viel mehr an eine inakzeptable Situation. Nicht nur die brutale Niederstreckung von Demonstranten sondern auch das Unverständnis der Chinesen zeigt, dass dieses Land noch viel lernen muss. Der Umgang mit Kritik fehlt anscheinend ganz und gar. USA z.B. muss auch mit jeder Menge Kritik gegen ihre Politik klarkommen. Frankreich, Deutschland, GB etc. bekommen auch reichlich Kritik von innen wie außen. In China existiert das Bewusstsein für Kritikfähigkeit größtenteils nicht, bedingt wegen der Unterdrückung von Menschenrechten. Aber es gibt wohl auch einen weiteren Grund. Nicht alle Chinesen haben überhaupt die Möglichkeit sich zu beschweren über den Boykott, weil sie nicht schreiben können oder einfach kein Internet haben etc.. Ich wage die Vermutung, dass gerade die Chinesen, denen es schließlich gut geht, sich über den Boykottversuch beklagen, denn für sie ist die Welt in Ordnung und sie schwimmen sanft in ihrer Illusion und vernachlässigen die Landsleute, die zu den gesellschaftlichen Verlierern gehören. Und natürlich ist dies nicht nur ein chinesisches Phänomen. In jeder anderen Gesellschaft kommt es zu solchen Defiziten. Ich kann nur eines an die Chinesen richten, in jeder Form profitiert China von Erkenntnissen außerhalb seiner Grenzen und passt sich der westlichen Weltordnung langsam an. Man kann sich Globalisierung wie einen Metalleimer voll Wasser vorstellen, jeder kann davon schöpfen, nur kein reines destilliertes Wasser, denn im Wasser lagern sich feine Partikel vom Eimer ab und auch Partikel, die von den Schöpfeimern der anderen kommen. Und mit jeder Schöpfung nimmt man einen Teil der anderen mit auf.

  3. Wer ist Menschenrechtler ? Es gibt nur wenige auf der ganzen Welt: Gandhi  in IndienDr.Martin Luther King in the USMandela in South Africa Der Dalai Lama war und ist  kein Menschenrechtler,und er wird auch immer sein.  

    • cemart
    • 08.04.2008 um 20:20 Uhr

    "Der Dalai Lama war und ist kein Menschenrechtler,und er wird auch immer sein."Das kann man doch nur sagen, wenn man nichts über den Dalai Lama weiss oder wenn man nur die chinesischen Medienberichte kennt. Und denen kann man wirklich nicht vertrauen, ich dachte, dass ist inzwischen deutlich geworden.

  4. dass es in China eine Kultur der Kritikfähigkeit fehlt.Allerdings fragt sich jeder einfache Chinese, warum verdirbt man MIR die Freude, ein schönes olympisches Fest zu genießen, der ich doch gar nicht zu tun habe mit den ganzen Querelen in Tibet?Sie würden vielleicht sagen, dass das chinesische Volk endlich mal begreifen kann, dass es diese autoritäre Regierung nicht mehr mittragen darf. Nur, <em>die meisten einfachen Chinesen<em> denken gar nicht daran, diese Regierung umstürzen zu wollen. Die meisten glauben nämlich daran, dass das Land auf dem richtigen Weg ist. Klar, es gibt viele Probleme, Umwelt, die Schere zwischen Arm und Reich, und und und. Aber die meisten glauben daran, dass man die Probleme packen kann. Also, wie Sie sehen, die Menschen sehen Ihre Situation gar nicht schon schwarz, wie viele sich hier vorstellen. Wie soll ein einfacher Bürger in China all die Boykottrufe, die Störaktionen beim Fackellauf denn begreifen?

  5. warum nimmt man nicht statt einer Fackel einen Rugby-Ball.Und die Chicago Condors als Fackelläufer...Das Geld dürfte ja keine Rolle spielen.

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