Datenschutz Das Netz soll auch vergessenSeite 3/3
ZEIT online: Mit Datenschutz im eigentlichen Sinn aber hat das nichts mehr zu tun...
Mayer-Schönberger: Nö. Es bedeutet eigene Aktivität. Die Betroffenen müssen selber tätig werden, und zwar nicht zu knapp. Was mich beispielsweise in Deutschland überrascht, ist, dass es gegen StudiVZ keine Bürgerbewegung gibt. In den USA gibt es eine Bewegung gegen Facebook, gegen Second Life..., es gibt Aktivierungspotenzial. Dieses Potenzial sehe ich hier nicht. Ich will nicht, dass StudiVZ vom Erdboden verschwindet. Mir war nur wichtig, auf diese Diskrepanz zu den rechtlichen Fortschritten beim Datenschutz hinzuweisen.
ZEIT online: Sie wünschen also mehr Verantwortung für den Einzelnen?
Mayer-Schönberger: Ja. Aber wir müssen, wenn es nötig ist, durch staatliche Regulierung es den Betroffenen auch möglich machen, ihre Rechte zu artikulieren. Es braucht massive gesellschaftliche Anreize, aktiv zu werden. Da würde ich als Staat auch Geld investieren. Auch durch die finanzielle Unterstützung von digitalen Bürgerbewegungen. Die sind wichtig, sie erzeugen Öffentlichkeit.
ZEIT online: Und wie schützt man sich mit solchen Systemen gegen die Datensammlungen eines Staates?
Mayer-Schönberger: Gegen den Staat wehrt man sich genauso, über Öffentlichkeit. Was wir jedoch vor allem brauchen, ist auf allen Seiten die Erkenntnis, dass die Betroffenen am besten in der Lage sind, zu entscheiden, wie lang eine Information relevant bleibt. Google kann so etwas sogar verkaufen, immerhin würden auch deren Ergebnisse besser durch ein Ablaufdatum und ein Veralten von Informationen. Innenminister Wolfgang Schäuble aber kann ich das nicht verkaufen. Er würde nicht wollen, dass Bürger ein Ablaufdatum bei ihren Daten eingeben können. Allerdings ist das, was er tut, nicht zu Ende gedacht. Langfristig unterminiert er mit der vollständigen Speicherung auf Vorrat das Fundament der demokratischen Grundordnung.
ZEIT online: Was raten Sie deutschen Bundesverfassungsrichtern?
Mayer-Schönberger: Mich hat das Urteil zum neuen IT-Grundrecht gefreut. Ich rate ihnen, noch aktiver zu werden, keine Angst zu haben. Sie haben sich gebremst, sie wollten die Politik nicht überholen – verstehe ich alles. Aber eigentlich würde ich dem Bundesverfassungsgericht sagen: Mut zur Tat!
ZEIT online: Dem User auch?
Mayer-Schönberger:
Dem User sowieso.
Der Österreicher
Viktor Mayer-Schönberger
lehrt an der amerikanischen Universität Harvard zu den rechtlichen und politischen Auswirkungen von Informations- und Kommunikationstechnologien. Er fordert, dass es im Internet ein digitales Vergessen geben müsse und das "Erinnern" mittels Suchmaschinen nicht so leicht sein dürfe.
Die Fragen stellte Kai Biermann.
- Datum 10.06.2009 - 15:59 Uhr
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- Serie Technologie
- Quelle ZEIT online 10.3.2009 - 17:45 Uhr
- Kommentare 9
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Prof. Mayer-Schoenbergers Annahme, dass der Buerger zu wenig ueber seine eigenen Freiheitsrechte weiss findet man auch des oefteren in akademischen Artikeln zum Thema Innere Sicherheit und Ueberwachung.
Ich bin mir aber nicht so sicher, ob diese Annahme so richtig ist. Klar, niemand liest sich so genau das Kleingedruckte beim Anmelden zu einem WebService (wie dem email oder Zeit-Kommentar Service) durch bzw. weiss welche Implikationen die Nutzung dieser Service fuer die individuellen Freiheitsrechte hat. Dennoch glaube ich, dass diese Negligence eher auf das Vertrauen des Nutzers gegenueber dem Informationsnetzwerk zurueck zu fuehren ist, als auf die Annahme des unwissenden Buergers. Wie haetten denn andernfalls die Buerger der DDR den Mangel an Freiheitsrechten - im Hinblick auf die Stasi-Bespitzelungen - bemaengeln koennen, wenn sie sich derer gar nicht bewusst waren??
Deshalb sollte man ruhigen Gewissens den Ball denjenigen zurueckspielen koennen, die diese Rechte unterwandern. Wozu haben wir denn sonst ein Grundrecht und Instanzen (Gerichte), die diese Rechte schuetzen sollen?
Weil es subtiler ist und die meisten Menschen sich nicht die Zeit nehmen über die Konsequenzen nachzudenken die ihr Handeln in diesen Bereichen hat. Der Grund dafür ist das sie gefragt werden ob sie wollen - die schaft eine Vertrauensbasis bei der scheinbar die meisten bereits aufhören fragen zu stellen. In der DDR hingegen wurde einem die Freiheit und die Informationen entrissen und deshalb waren die Mensche auch skeptischer.Man muss nur mal schauen wie wieder Menschen z.B. hier auf Zeit.de posten, obwohl sie wissen das die postings offen zugänglich sind und daher auch von Programmen gescannt werden können. Wenn man nun noch weiss das über die Daten aus den Postings auf Zeit.de mit großer Sicherheit auf Profile in anderen deutschsprachigen Seiten geschlossen werden kann, wird das ganze schon etwas unangenehmer. Bei diesem Beispiel handelt es sich zudem um eine Weiterverarbeitung von Daten die nicht über das "Kleingedruckte" geregelt ist, vollautomatish läuft und von hunderten Firmen verwendet wird. Es steht deshalb nicht im "Kleingedruckten" weil es sich hier um beliebige Firmen handelt (unter anderm google, yahoo, msn usw.)Ich bezweifle das es viele Menschen gibt die tatsächlich wissen wie leicht es ist anonyme Daten konkreten Personen zuzuornen.
Dem widerspreche ich auch nicht.
Aber: Den Gesetzestext der Freiheitsrechte nicht zu kennen, heisst nicht kein Anspruch auf die Wahrung dieses Rechtes zu haben. Und hierbei sollen nicht User agieren, sondern, wie eben Prof. Mayer-Schoenberger selbst sagte, die Hueter der Verfassung und der Grundrechte (i.e. Gerichte).
Was Google und Co. über uns Surfer wissen lässt sich durchaus steuern. Das Problem sind nicht die Unternehmen sondern die Unwissenheit der User. Wenn man den Usern mal beibringt welcher Dienst welche Folgen für die Privatsphäre hat wäre das Problem gelöst. Nicht auf den Firmen rumhaken sondern die User weiterbilden. Wenn die User die Informationen ignorieren ist das ihr Problem.
Bei jedem halbwegs aktuellen Browser kann man in den Einstellungen standardmäßig festlegen das nach jeder Benutzung des Programms, also wenn man das Fenster schließt, alle "Cookies" vom System gelöscht werden. Also jene kleine Notizen die viele Webseiten auf dem eigenen Rechner hinterlassen um z.B. beim nächsten Besuch das erneute Eingeben des Passworts zum Chat, der Mailbox etc. unnötig zu machen (wenn man z.B. ein Häkchen a lá "Passwort Speichern" setzt) oder eben wie bei Suchmaschinen das Erstellen eines Suchprofils unmöglich zu machen. Es mag sein das Google zwar weiß welche Suchbegriffe man eingegeben hat innerhalb von einer halben Stunde Internetsurfen, aber daraus lassen sich keinerlei "Profile" ableiten und wenn man nicht bei einem Google Dienst angemeldet ist weiß Google auch überhaupt nicht wer ich bin. Und man brauch nicht immer mit dem Finger auf Google zeigen. Niemand wird gezwungen zu "Googeln" und die Suchmaschine ist ja wirklich die schnellste und ungemein praktisch wenn man einigermaßen mit ihr umzugehen weiß. Es liegt also wie immer am Nutzer was er draus macht. Und ob man unbedingt eine Rabattkarte nutzen muss beim Einkaufen, ob man unbedingt an jedem Gewinnspiel teilnimmt, ob man sich nicht ein Email-Konto bei einem außereuropäischen Anbieter zulegt bei dem man keine Personalien hinterlassen muss und wo es auch keine Vorratsdatenspeicherung gibt (anstatt z.B. das deutsche Angebot von Yahoo nutzt man eben einfach das amerikanische unter Yahoo.com für sein Email-Konto und Fall erledigt. Natürlich ganz legal und legitim.) Also, nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird und jedem der Big Brother heraufziehen sieht kann man schon auch beruhigend sagen: die Politiker überschätzen die Kontrollmöglichkeiten im Internet maßlos. Die riesigen Maschen im Überwachungs"netz" (das diesen Namen sowieso nicht verdient, es sind eher ein paar Wäscheleinen im Hinterhof) lassen sich leicht, legal, bequem umgehen. Ich habe nichts zu verbergen außer meiner Intimsphäre und ob die interessant ist oder nicht ist nicht die Frage, zumindest nicht die Frage die ich mir von Behörden stellen lasse.
Zitat:"Es mag sein das Google zwar weiß welche Suchbegriffe man eingegeben hat
innerhalb von einer halben Stunde Internetsurfen, aber daraus lassen
sich keinerlei "Profile" ableiten und wenn man nicht bei einem Google
Dienst angemeldet ist weiß Google auch überhaupt nicht wer ich bin."Und eben das ist schon mal falsch. Das Suchverhalten, wie auch jedes andere menschliche Verhalten folgt einem gewissen persönlichen Schema das sich Einzelpersonen auch dann zuorndnen lässt wenn die Daten anonymisiert sind. Wenn du also Goole immer wieder nutzt und auch sonst im Netz aktiv bist kann man die Daten selbst dann deiner Person zuornen wenn du die Cookies von vornherein sperrst. Informationen werden an Google immerhin nicht nur über cookies gesendet.Was glaubst du warum der Staat so scharf auf Massenspeicherung der Daten ist? ;-)
Da gebe ich dir durchaus Recht. Problem bleibt allerdings das die meisten großen internetfirmen und besonders die halblegalen und illegalen Firmen nicht in Deutschland sitzen und daher auch nicht dem deutschen Gesetzt haftbar sind. Wenn dann der OberSpamMeister millionen von Beiträgen durchsucht um die gefundenen Daten und Profile für Millionen an Werbekunden zu verkaufen, wird ihn das deutsche Gesetzt recht wenig jucken.
So lasset uns beginnen und für jeden Menschen auf der Erde neben der realen eine virtuelle Identität anlegen. Das wäre die Lösung aller Probleme: Onkel Schäuble hätte ein paar Namen und Daten, die er auswerten und publizieren kann, und der normale Bürger kann unbesorgt das Internet nutzen.
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