Namen: Trend zur Tradition
Soziologen beklagten das Phänomen des "Kevinismus", heute tummeln sich in deutschen Kindergärten ganze Regimenter von jungen "Fritzen" und "Elfrieden". Was treibt uns bei der Namensfindung?
Meine Eltern haben bei der Namenswahl antizyklisch gehandelt. Carolin war 1975 ziemlich out, unbeliebter war mein Name nur noch in der Zeit zwischen 1927 und 1955. Zumindest wenn man dem "Namensdiagramm" folgt, das der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld auf seiner Seite www.beliebte-vornamen.de veröffentlicht. Wie bei einem Aktienkurs kann man dort verfolgen, wann ein Name beliebt oder unbeliebt war.
Warum ein Name trendig oder peinlich ist, entzieht sich auf den ersten Blick jeglicher Logik. Eltern, die sich nach monatelangem Bücherwälzen beglückt auf den Namen Leonie geeinigt haben, fallen aus allen Wolken, wenn sie hören, dass sie damit unter den deutschen Top Ten liegen.
Dass es bei Vornamen Trends wie in der Mode oder Musik gibt, ist unbestritten. Die Vorlieben ostdeutscher Eltern nach der Wende fassten Soziologen unter den Begriff des Kevinismus bzw. Chantalismus . Für die neue deutsche Bewegung, Säuglinge nach deutschen Kaisern oder Kinderbuch-Helden zu benennen, hat der Kolumnist Jan Weiler vor Kurzem den treffenden Ausdruck Emilismus eingeführt.
Statistisch gesehen ist es allerdings nicht so, dass die Spielplätze nur noch von Maries, Sophies, Lucas und Pauls bevölkert sind. Gerade Marie und Sophie kämen nur deshalb so häufig in den Listen der Standesämter vor, weil sie gerne als Zweit- und Drittnamen verwendet werden, erklärt die Namensforscherin Gabriele Rodriguez. Also gibt es gar kein Namens-Diktat in Deutschland? "In bestimmten Gegenden kommt es tatsächlich manchmal zu Häufungen", meint die Expertin von der Universität Leipzig, "aber der Trend geht zur Individualisierung". Trugen vor 15 bis 20 Jahren noch 10 bis 15 Prozent aller Neugeborenen denselben Namen, sind es heute höchstens noch zwei Prozent.
Es vergehe keine Woche, sagt Rodriguez, in der sie sich nicht mit einem Namen befasse, der in Deutschland noch nie vorgekommen sei. Neben der Gesellschaft für Deutsche Sprache ist die Personennamen Beratungsstelle der Uni Leipzig die einzige Instanz, die sich bundesweit mit Fragen der Namensgebung und -gültigkeit beschäftigt.





Immer wieder wundere ich mich, daß selbst in anspruchsvollen Medien, wie hier in der Zeit (Seite 2 dieses Artikels) oder auch im DLF, der höchstgradig umgangssprachliche Ausdruck "Oma und Opa" anstelle von "Großeltern" bzw. "Großmutter und -vater" Verwendung findet. In meinen Augen läßt sich dieser Sprachgebrauch nicht mit dem Niveauanspruch der entsprechenden Medien vereinbaren und irritiert mich erheblich im Lese- oder Hörvergnügen. Es ist mir unerklärlich wieso die Autoren zu der greulichen Kurzform, die im häuslichen Sprachgebrauch einem jeden freigestellt sei, greifen, wo doch unsere Sprache eine vollwertige Ausdrucksform bietet.
... über der deutschen Sprache seit langem schon ein 'Damocklesschwert' (mit Betonung auf der zweiten Silbe).Gerade im Hörfunk ist von jungen Sprechern und Sprecherinnen immer öfter zu vernehmen, daß sie Begriffe verwenden, deren Bedeutungen ihnen offensichtlich nicht mehr geläufig sind und die deswegen alleine schon durch falsche Betonungen den Eindruck von mangelnder Bildung hinterlassen. Die anglistische Attitüdenhaftigkeit läßt vermuten, daß demnächst aus Goethe auch 'Gosie' wird - ähnlich wie bei den Liweis-Botzen schon.O, schon 12:35 Uhr! S c h a n t a l l e, dat Mirakeli is fätisch!Es möge nützen!
Herzlichst Ihr
GEBE
...mal wieder: freaconomics. Sehr schöne statistische Untersuchung über die Aussagekraft von Vornamen in den USA, die genau zum Artikel paßt. Ergebnis: die "beliebten" Namen wandern von den höheren in die tieferen Sozialschichten. Levitt erklärt das so: jede Schicht orientiert sich daran, was in der jeweils höheren gerade üblich erscheint, sprich: welche Namen deren Kinder im Moment haben. Wenn die höchste Schicht das ihrerseits merkt, sucht sie nach neuen Namensvarianten, um sich abzuheben. Dort werden daher die neuen Trends gesetzt. Die zunehmend unter Akademikern belieben "traditionellen" Namen werden also in vielleicht 10 Jahren ganz oben auf der allgemeinen Beliebheitsskala stehen. Müßte man das Bildungsniveau eines Menschen allein nach dem Vornamen schätzen, dann würde nach dieser Theorie eine vernünftige Schätzung für einen 2008 geborenen Karl oder Otto überdurchschnittlich, für einen 2018 geborenen durchschnittlich und für einen 2028 geborenen Karl oder Otto unterdurchschnittlich ausfallen. Das Interessante ist, wie unbewußt diese Prozesse ablaufen. Insofern ist vielleicht mehr als bloßes Abschauen bei höheren Sozialschichten im Spiel. Vielmehr könnte der Mechanismus auch so aussehen: jeder sucht einen Namen, der (invl. der Namensgruppe, der er angehört) in der eigenen Bekanntschaft - d.h. Sozialschicht - nicht Massenware ist. Und natürlich erst recht bei Krethi und Plethi (womit wiederum jeder die jeweils schwächeren Sozialschichten meint). Es könnte also sein, daß jede Sozialschicht von sich aus parallele Auswahlmuster vollzieht - nur eben zeitversetzt. Die Mittelschichtmama schielt nicht zwingend auf die Namensgebung ihres Chefs, wenn sie ihr Kind künftig Emma statt Leonie nennt. Sondern sie kann auch unabhängig vom Chef auf dieselbe Idee kommen wie dieser, nämlich, daß Leonie inzwischen irgendwie jeder heißt. Nur daß diese Entwicklung im Bekanntenkreis des Chefs einfach 10 Jahre früher eingesetzt hat.
ein gutes Buch! Bin erst durch Sie darauf aufmerksam geworden.
Sehr gut und ueberzeugend geschrieben und so "schoen" politisch unkorrekt.
ein gutes Buch! Bin erst durch Sie darauf aufmerksam geworden.
Sehr gut und ueberzeugend geschrieben und so "schoen" politisch unkorrekt.
Kein Ossi-Bashing, versprochen, aber was die "mitteldeutsche" Praxis der
Namensgebung anbelangt, sei auf einen weiteren Aspekt verwiesen, der in
Frau Ströbeles Artikel noch keine Erwähnung fand. Es gibt hierzulande
Standesämter, die offenbar nichts dabei finden, von Eltern für ihre
Sprösslinge ausgewählte Vornamen französischer Provenienz in brachial
falscher Rechtschreibung zu akzeptieren. So sind mir Fälle bekannt, in
denen unschuldige Kinder in offiziellen Dokumenten (angefangen mit der
Geburtsurkunde) unter Namen wie "Andre'" (sic! Mit Apostroph hinter
dem e) oder "Michèl" (sic! als männlicher Vorname mit accent grave)
firmieren. Auch "Renè" (sic!) ist, mit Verlaub, barbarisch. Und Puristen
werden sich gewiss bei "Jaqueline" und "Charlott" nicht minder die
Nackenhaare sträuben. Welcher Tort wird hier jungen Menschen
zugefügt, die dadurch nämlich sehr wohl schnell in die Situation gebracht
werden können, sich allein aufgrund der absurden Orthographie ihres
Namens lächerlich zu machen!
[entfernt, bitte lassen Sie diese rassistischen Bemerkungen/ Redaktion; svb]
080409mi1822Aber Hallo, liebe Mit-Leut,unsere Tochter, die im Juni 24 Jahre alt wird, heißt Ricarda Berit WagnerUnd das kam sooooo....Für Kenner:"Der Maulbeerbaum"Da habe ich mich durchgesetzt, weil es so schön geklingt hat. "Die Welt ist Klang"Und ich ging eine ganze lange Zeit davon aus, daß das ein italienischer Vorname sei. Weil er so klingen tut. Dabei ist das die Weibsform von Richard - Wagner. Na sooo wat!!unddie Patentante heißt Brigittepsst: Unsere Tochter ist auf dem besten Wege eine echte Ricarda Berit Wagner zu werden, im ewigen Werden begriffen.Nomen est OmenMit herzlichem Gruß und
kühl-rauchendem Kopfe
Ihr Mit-Leben und Nachbar
Klaus WagnerDat KlaKoWawww.klausWagner-mg.deVor-, Quer-, Nach- und Durchdenken
Wenn, nach Ansicht der Autorin, die neuen Bundesländer "Mitteldeutschland" sein sollen, wo läge dann Ostdeutschland? In Polen?Der Begriff "Mitteldeutschland" für Ostdeutschland ist geogrf. und hist. falsch.Vorgreifend: Dass der MDR nicht ODR heißt, hat mit nur der Geschichte des dt. Rundfunks zu tun.
ein gutes Buch! Bin erst durch Sie darauf aufmerksam geworden.
Sehr gut und ueberzeugend geschrieben und so "schoen" politisch unkorrekt.
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