Bundesliga-Kommentar „Juden-Jena“-Sprüche sind ein Skandal!Seite 2/2
Obwohl die Ausschreitungen in Frankfurt nicht hingenommen werden dürfen, sollten wir auf Verhältnismäßigkeit achten. Es ist lediglich wenige Wochen her, als im Spiel VfB Stuttgart gegen Karlsruher SC Leuchtraketen aufs Spielfeld gefeuert wurden. Beide Vereine erhielten hohe Geldstrafen.
Einen schwerwiegenderen, leider auch nicht einmaligen Skandal, gab es aber tatsächlich vor Kurzem im deutschen Fußball. Vor etwa einer Woche kam es in der Oberliga im Spiel zwischen dem Halleschen FC (HFC) und dem FC Carl Zeiss Jena II allerdings zu keinem Spielabbruch. HFC-Fans hatten immer wieder antisemitische Parolen gebrüllt. Die „Juden-Jena"-Rufe waren so laut, dass sie laut Zuschaueraussagen der Schiedsrichter und seine Assistenten unmöglich überhört haben konnten - im Spielberichtsbogen dokumentierte der Unparteiische die Randalen und Schmährufe der Hallenser Fans nicht.
Die Staatsanwaltschaft leitete kein Ermittlungsverfahren gegen den Verein ein. Der Tatbestand der Beleidigung oder Volksverhetzung sei nicht erfüllt. Der Ruf „Juden-Jena“ sei moralisch verwerflich, mit dem Strafrecht aber nicht zu fassen, sagte ein Sprecher.
Die Verantwortlichen des
ehemaligen Erfolgsklubs der DDR
äußerten sich zu den aufgezeichneten Schmähgesängen ihrer Fans nicht. Stattdessen heißt es auf der Vereins-Website: "Der Vorstand hat in Abstimmung mit dem Präsidenten des Verwaltungsrates entschieden, ab sofort jegliche Zusammenarbeit mit allen Medienvertretern bis auf Weiteres auszusetzen. Dies betrifft neben den Offiziellen auch alle Trainer und Sportler unseres Vereins, deren Konzentration vollumfänglich dem angestrebten Regionalligaaufstieg gelten soll."
Über den Teil der HFC-Fans, die mutmaßlich antisemitisch und rechtsradikal sind, soll nicht gesprochen werden. Bereits vor zwei Jahren hatten Fans des Klubs während des Meisterschaftsspiels gegen den FC Sachsen Leipzig zum wiederholten Male einen dunkelhäutigen Spieler beleidigt. Gegen das damalige Urteil des Fußballverbands hatte der Klub Einspruch eingelegt. Michael Schädlich, der Präsident des HFC, sagte damals, der Verein sei nicht in der Lage, Auswirkungen "gesamtgesellschaftlich bestehender Probleme zu unterbinden".
Der andere Präsident, Michale A. Roth, meldete sich direkt nach dem Spieltag wieder zu Wort. Er gab mehrere Interviews. Auf die Frage, ob er denn keine Angst gehabt hatte, als er vor den randalierenden Fans stand, antwortete er: "Nein, ich habe doch den größten Teil meines Lebens schon hinter mir.“ Über den Teppich-Michel kann man lachen. Die Situation um einige Fans des HFC ist zu skandalös für einen Witz.
ZEIT-Spiel. Die Bundesliga-Kolumne auf Zeit online. In jeder Bundesliga-Woche kommentieren fußballbegeisterte Autoren der ZEIT den Kampf um Tore und Punkte, Meisterschaft und Abstieg.
- Datum 02.09.2009 - 15:45 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online, 6.5.2008 - 05:27 Uhr
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





und die zeit kooperiert mit dem dfb im "kampf gegen rechts!". mähähä
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren