OECD-Wirtschaftsbericht Keine Konjunktur ohne Bildung
Die OECD hat ihren Wirtschaftsbericht 2008 vorgestellt: Die Wirtschaftsnationen fordern von Deutschland tief greifende Bildungsreformen.
Das deutsche Bildungssystem ist ungerecht. Wenn es überhaupt durchlässig ist, dann nur nach unten, Deutschland verschenkt sein Bildungspotenzial - was die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zuverlässig einmal jährlich in ihrem
Bildungsbericht
feststellt, steht nun auch im OECD-Wirtschaftsbericht. Neben den üblichen Themen Steuer- und Arbeitsmarktpolitik liegt der Schwerpunkt des Berichts in diesem Jahr auf der Bildung. Zwar erlebe Deutschland zurzeit einen konjunkturellen Aufschwung, heißt es in dem Papier, doch könne das Wirtschaftswachstum nur gesichert werden, wenn Deutschland sein Bildungssystem umfassend reformiere.
Die Empfehlungen der 29 weiteren Mitgliedsstaaten sind zahlreich: Um mehr Chancengleichheit herzustellen, solle Deutschland die frühe Aufteilung der Kinder auf verschiedene Schulformen auf einen späteren Zeitpunkt verlegen, Haupt- und Realschulen zu einer Schulart zusammenlegen und gemeinsame Finanzierungsstandards für sämtliche Kinderbetreuungsangebote entwicklen. Pilotprogramme sollen Mängel im häuslichen Umfeld der betroffenen Kinder ausgleichen.
Die OECD fordert weiter eine umfassende Qualitätsoffensive in der Kinderbetreuung, in Schulen und Hochschulen. So sollen Erzieher auf Hochschulniveau ausgebildet werden, in der Lehrerausbildung didaktische Fähigkeiten stärker berücksichtigt sowie finanzielle Anreize für Lehrer für gute Unterrichtsleistungen geschaffen werden - in Verbindung mit einer angemessenen Evaluation. Um die Qualität der Hochschulbildung zu verbessern, sieht die OECD Studiengebühren als das richtige Mittel an - vorausgesetzt, die Studiengebühren werden durch Studiendarlehen mit einkommensabhängiger Tilgung ergänzt, um sozial Schlechtergestellten den Weg an die Hochschulen nicht zu versperren.
Neben den Bildungsreformen mahnt die OECD an, die "bisherige Reformdynamik auf dem Arbeitsmarkt" beizubehalten. In erster Linie solle die geringe Zahl der Arbeitsstunden erhöht werden, insbesondere bei den Frauen - durch steuerliche Anreize und bessere Kinderbetreuungsangebote.
- Datum 09.04.2008 - 07:50 Uhr
- Quelle ZEIT online
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offensichtlich sieht es jeder außerhalb der deutschen Grenzen, aber die Konservativen hierzulande verteidigen ihr antiquiertes Schüleraufteilen nach vier Grundschuljahren mit Krallen und Klauen. Es ist traurig und absolut nicht nachvollziehbar, dass hierzulande bis zu 30 Jahre ohne nennenswertes Ergebnis immer und immer wieder ausdiskutiert werden muss, was anderswo längst Früchte trägt. Ich stimme mit der OECD überein und möchte nicht wissen, wieviel Begabungspotential durch diese ungerechtfertigt frühe Aufteilung der Schüler in Deutschland schon den Bach hinuntergegangen ist. Es ist zum Heulen.
Im Alter von 10 Jahren ist es einem Kind absolut unmöglich, berufliche Entscheidungen zu treffen. Selbst im Alter von 18 Jahren fällt es den meisten von uns sowieso noch schwer genug. Und gar auf akademischer Ebene bedarf es mehrere Jahre an Vorstudien, ehe man sich überhaupt erst für eine bestimmte Spezialisierung entscheiden kann. Die Idee, dass jemand im Alter von 10 Jahren (bzw. dessen Eltern) Entscheidungen für seine berufliche Zukunft treffen kann, ist absurd.
Ich finde nach 6 Jahren Schule zu entscheiden wer wo hinkommt, ist auch nur ein bisschen besser. Warum entscheiden die Schüler nicht selbst (mit Beratung natürlich) welchen Abschluss sie machen wollen? Mir gehen die Forderungen der OECD in diesem Punkt nicht weit genug. Wer alle Talente fördern will darf nicht aussieben. Wer weniger Gewalt in Deutschland will, muss jedes Kind fördern. Warum führen wir nicht eine Oberschule für alle ein, sowie es in den meisten Ländern auf der Welt der Fall ist.Warum Studiengebühren cool sein sollen verstehe ich auch nicht? Es ist doch viel unbürokratischer, wenn man das einfach über die Steuern reinholt. Akademiker die nach der Uni viel verdienen zahlen so alles zurück. Dann muss man halt in diesem Bereich die Steuern etwas erhöhen und diese Mehreinnahmen der Bildung zu gute kommen lassen.MfGFlo
Es ist nämlich mitnichten so, dass Eltern immer nur das Wohl ihrer Kinder im Blick. Bei vielen Eltern, und das kann ich aus jahrelanger praktischer Beobachtung und aufgrund vieler Gespräche m.E. recht gut einschätzen, steht das Verwirklichen eigener Träume und Wünsche auf dem Zettel. Das Kind soll es ja schließlich einmal besser haben als man selbst. Das geschieht leider nicht immer im Interesse der Kinder. Auch deren Wünsche decken sich übrigens nicht immer mit dem eigentlich sinnvollen Bildungsgang. Da wird die Schulform dann doch lieber nach Freundeskreis als nach realistischer Selbsteinschätzung gewählt. Aber kann man das Zwölfjährigen zum Vorwurf machen? Nein. Deswegen: Gemeinschaftsschule bis 16, da sollte jeder vernunftbegabte Entscheidungen über seine eigene Zukunft treffen dürfen. Schließlich hat man in diesem Alter auch schon das Kommunalwahlrecht. Dass Entscheidungen immer wieder revidierbar sein müssen, versteht sich von selbst. Das ist ja auch heute möglich, aber viel zu wenig im Bewusstsein der Schüler, Eltern und leider auch vieler Lehrer verankert. Wenn ich Schullaufbahnberatungen (Realschule) mache, staunen viele Eltern und Schüler Bauklötze, welche Wege ihnen zum Studium offenstehen. Deswegen muss ich über viele Aspekte der derzeitigen Schuldebatte auch immer ein wenig lächeln. Der Hochschulzugang steht, zumindest hier in Niedersachsen, wirklich jedem offen. Es muss nicht immer der direkte Weg sein. Das ändert natürlich nichts an der Notwendigkeit, das zu früh selektierende und somit frustfördernde Schulsystem zu reformieren.
Wenn man durchaus über einzelne Punkte, wie dreigliederiges Schulsystem, Ganztagsschule und Schüleraufteilung nach 4 Grundschuljahren, streiten kann, muss man sich doch zuerst fragen, wie erfolgreich ein Bildungssystem für die Gesellschaft ist. Nur 2 Beispiele: Wie ist Deutschland Exportweltmeister geworden, wenn das Bildungssystem so schlecht ist? Wie ist es zu erklären, dass Länder bei denen alles besser ist, massiv Mediziner in deutschland anwerben? Wieso schafft deren System es nicht genügend Mediziner auszubilden, obwohl die Arbeistbedingungen und Verdienstmöglichkeiten so viel besser sein sollen? So wie die OECD sehen wohl die meisten von uns die Vorteile des deutschen Bildungs- und Ausbildungssystems nicht( siehe praenki - Schullaufbahnberatung, d.h. Vermittlung von Wissen, das in den 70er-Jahren noch Allgemeingut war). Folge des Nichtvesrstehens ist beispielsweise die unsinnige, auch von der OECD geforderte, Einführung von Studiengebühren. Nach der neoliberalen Lesart der OECD macht das natürlich in den Ländern Sinn, in denen fast jeder Schüler zur "Hochschulreife" geführt wird. Es haben dann zwar alle Abitur, aber nur die Wohlhabenden eine Ausbildung.
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Die Mängel im deutschen Schulsystem sind schon seit langer Zeit so offensichtlich, dass es einer erneuten OECD-Anklage nicht bedurft hätte. Die überwiegenden Maßnahmen unserer Schulminister/-innen kann man aber nur als Flickschusterei oder Verschlimmbesserung bezeichnen. Jüngstes Beispiel ist die unausgegorene Entscheidung, die gymnasiale Schulzeit um ein Jahr zu kürzen. Hier wäre die Gelegenheit gewesen, dies mit einer Reform hin zur Ganztagsschule ohne die viel zu frühe Selektion zu verbinden. Andere Länder sind diesen Weg schon vor 30 Jahren gegangen und haben gezeigt, dass dies zu einem gerechteren und besseren Schulsystem führt. Von den konservativen Politikern wird diese Schule in ignoranter und arroganter Weise als Einheitsschule diffamiert. Offensichtlich ist denen nicht bekannt, dass unsere Bundeskanzlerin eine solche Schule besucht hat. Angela Merkel sollte sich deshalb einmal zur Schulpoltik ihrer Partei äußern.
Um die Glaubwürdigkeit der nordrheinwestfälischen Landtagsabgeordneten zu prüfen, habe ich diese befragt, wer sein Kind zur Hauptschule schickt. Die Antwort war Fehlanzeige. Dies passt auch gut zusammen mit der Forderung des Philologenverbandes, die Hauptschule zu erhalten. Dahinter steckt allein die Absicht, die Gymnasiallehrer vor "lernunwilligen" Schülern zu schützen. Weshalb es "lernunwillige" Schüler gibt, interessiert diese Interessenvertreter nicht, denn sie schicken ebesowenig ihre Kinder in die Hauptschule.
Wie lange werden wir aber noch auf eine vernünftige Schulreform warten müssen, wenn die konservative Mehrheit dazu nicht bereit ist ?
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Das
mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland erinnert an das im
Mittelalter angewandte Ständesystem mit Bauern/Tagelöhnern,
Bürgern/Händlern und Adligen. Für jede vermeintliche
soziale Schicht gibt es heutzutage anscheinend eine Schule. Dieses
System ist natürlich im kleinen Maße für Aufsteiger
durchlässig sowie auch das Ständesystem damals. Sind wir
aber heutzutage nicht schon etwas weiter? Sind wir heute nicht der
Meinung, dass alle Menschen egal wie sie geschaffen sind und wo sie
herkommen die gleichen Bildungschancen verdient haben? Mal ganz davon
abgesehen, dass es in unserem Grundgesetz den Artikel 3 Absatz (3)
gibt, der solche Benachteiligungen eigentlich verbietet.
Der
heutigen Zeit wird somit eigentlich nur ein ungegliedertes
Schulsystem gerecht. Eine Schule für alle Kinder nach
schwedischem und finnischem Vorbild in der alle gleich viel wert sind
und man möglichst allen ermöglichen möchte das Beste
aus sich zu machen und heraus zu holen. In Deutschland gilt eher das
Motto: Wer es bis zum Abitur schafft, der schafft es halt und wer
nicht der hat Pech gehabt. Förderung der Kinder und ihrer
Talente gibt es nur an sehr wenigen Schulen. Bei Menschen die es bis
zum Abitur geschafft haben, kann man eigentlich auch zynisch sagen:
Sie haben es trotz dieses Schul- und Lernsystems geschafft und nicht
deswegen.MfGFlo
"lernunwillig"
Naja, "lernunwillig" waren und sind Haupt- und Realschüler in ihrer allergroßen Mehrheit sicher nicht. Dieser Ausdruck ist bestimmt nur deshalb in den Mund von Gymnasiallehrern gerutscht, weil sie das Wort: "lernunfähig" aus Angst vor dem Menschenfeindknüppel nicht gebrauchen woll(t)en. Zudem hätten sie, um der Ehrlichkeit zu dienen, statt sich euphemistisch-diplomatisch aus dem Vokabular des pädagogischen Fachsyntax zu bedienen, mal besser volkstümlich das Wort: "dumm" benutzt, denn das meinen sie ja in Wirklichkeit. Man könnte daher auch sagen: "Dahinter steckt allein die Absicht, die Gymnasiallehrer vor "dummen" Schülern zu schützen." Das ist zwar politisch inkorrekt, aber gerade deshalb die Wahrheit, denn politische Korrektheiten sind zu 99,99999% nichts anders als mildtätige Lügen.
Im Übrigen jeder, aber auch wirklich JEDER Schüler kann, auch gegen die Empfehlungen der GrundschullehrerInnen, von seinen Eltern an einem Gymnasium angemeldet werden. Insofern besteht ja die Möglickeit alle Schüler "gleich" zu behandeln. Nur sie wird von den Eltern nicht genutzt; -Intelligenter Weise nicht genutzt. Denn Eltern von Kindern mit Realschul- und Hauptschulempfehlungen fragen sich vor der Anmeldung auf's Gymnasium dann doch schon vorher, wie lange ihr Sprößling auf diesem Schultyp überleben kann, wenn es ) nicht das intellektuelle Potential, oder B) nicht die Möglichkeiten zu entsprechenden Nachförderung hat, wenn es denn kein Superhirn ist, das alle schulischen Anforderungen mit links erledigt.
Zudem gilt, die wahre Ungerechtigkeit liegt nicht in der Tatsache, dass nicht alle Menschen ein Musikinstrument brilliant spielen können, sondern die wahre Ungerechtigkeit läge darin, dass diejenigen ohne musikalischen Talente keine Möglichkeiten hätten, sich Musik auf CD's zu kaufen.
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