Banken Aufsichtschef fordert striktere RegelnSeite 2/2

Sanio sagt, der Staat könne es sich nicht erlauben, eine internationale Großbank Pleite gehen zu lassen, weil ansonsten die Stabilität des Systems in Gefahr sei. „Eine offene Insolvenz aber, so disziplinierend sie auch auf andere wirken mag, kann schnell eine nationale Vertrauenskrise auslösen, die verheerende Folgen hätte“, sagt er. „Deshalb musste auch die US-Investmentbank Bear Stearns gerettet werden.“ Er verteidigt die Rettungsaktion für die deutsche Bank IKB: „Als die Märkte am Freitag, den 27. Juli 2007, schlossen, war die IKB eine hochangesehene, von den Ratingagenturen mit Topnoten bewertete Bank. Wäre sie übergangslos am Wochenende in die Insolvenz gegangen, hätte am Montag das gesamte deutsche Bankensystem dafür gebüßt – denn es wäre der Eindruck entstanden, dass bei uns die Dinge außer Kontrolle geraten seien.“  

Der BaFin-Chef spricht sich für eine staatliche Stützung des amerikanischen Immobilienmarkts aus. „Es würde die internationalen Finanzmärkte beruhigen, wenn der Preisverfall am amerikanischen Häusermarkt bald gestoppt würde. Staatshilfen für US-Häuslebauer wären also nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten segensreich“, sagt er.  

Schließlich fordert Sanio eine Lockerung der internationalen Bilanzierungsstandards. „Wir haben es hier mit einem Brandbeschleuniger zu tun, um den wir uns dringend kümmern müssen“, sagt er. Der internationale Bilanzierungsstandard IAS 39, der auch in Deutschland angewendet wird, schreibe für Finanzinstrumente eine Bewertung zum Zeitwert vor. Das sei problematisch, weil die Märkte zusammengebrochen seien und deshalb oft keine Preise existierten.

Die internationalen Banken haben unterdessen an diesem Mittwoch in Frankfurt einen Verhaltenskodex vorgestellt, der für mehr Ruhe auf den Finanzmärkten sorgen soll. Erarbeitet wurde der Plan vom Präsidenten des Internationalen Bankenverbands IIF, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Demnach schlagen die Banken vor, ihr Risikomanagement zu verbessern, mehr Transparenz bei kompliziert strukturierten Produkten und ein übergeordnetes Überwachungsgremium einzuführen. Bis zum Sommer will das Institute of International Finance in Washington seine Handlungsempfehlungen zu einem Verhaltenskodex weiterentwickeln.

Der Bankenverband fordert alle Institute auf, ihr Risiko- und Liquiditätsmanagement auf höchster Ebene im Unternehmen anzusiedeln und in die Geschäftsstrategie einzubinden. Die Vergütung von Managern solle sich stärker an längerfristigen Unternehmenszielen ausrichten. Die Rating-Agenturen mahnte der IIF, Bewertungsmodelle zu überarbeiten und von unabhängigen Experten prüfen zu lassen. Das vom IIF erwogene übergeordnete Expertengremium ("Market Monitoring Group") mit 10 bis 20 Finanzfachleuten soll die Märkte überwachen und den Banken Hinweise auf aktuelle und künftige Schwierigkeiten geben.

Mit diesen Empfehlungen wollen die Banken auch einer strikteren Regulierung durch die Aufsichtsbehörden zuvorkommen. "Wir sind der Meinung, dass es jetzt absolut falsch wäre, verfrüht nach regulatorischen Maßnahmen zu rufen", sagte Ackermann. "Deshalb haben wir die Initiative ergriffen, um zu zeigen, dass wir in der Branche einen besseren Job machen können." Ackermann räumte allerdings ein, die im vergangenen Sommer vom US-Immobilienmarkt ausgelöste Krise habe durchaus auch Fälle ans Tageslicht gebracht, "wo etwas mehr Aufsicht nötig gewesen wäre".

Lesen Sie das komplette Interview mit Jochen Sanio in der aktuellen Ausgabe der ZEIT.

 
Leser-Kommentare
  1. Was macht die BAFIN denn den ganzen Tag ? Prueft kleine Provinzinstitute ?Die Grossen laesst man gewaehren, die sind ja "hoch angesehen" und habenpolitischen Rueckhalt. Sanio sollte seinen Hut nehmen. Er hat viel mehr Grund dazu als die KFW Chefin.

  2. Dass Herr Sanio behauptet, er hätte die Krise vor ihrem Ausbruch nicht vorhersehen können (Die Zeit 10.4.08), wäre das Eingeständnis seine Unfähigkeit, dass er aber darüber hinaus noch behauptet, er hätte es überhaupt nicht sehen können, weil die amerikanischen Banken im (ihm) Verborgenen handeln würden, kommt einer Entblößung gleich. Die Subprimekredite sind von einer Vielzahl von Banken zu Millionen für jeden sichtbar offen an den Bankschaltern vergeben worden. Jeder Normalbürger musste sich Augen, Ohren, Nase und allen anderen Körperöffnungen zuhalten, um das nicht mitzubekommen. Aber es wurde von allen Bankern solange der Deckel draufgehalten und beschwichtigt, um kräftig abzukassieren, bis der Kessel geplatzt ist.
    Jetzt wird die Zwangsolidarität aller Steuerzahler eingefordert, um die nächte Runde des Abkassierens einzuläuten. Jetzt waren es ungedeckte Immobilienkredite, davor IT-Luftschlösser. Mal sehen, welche Sau als nächtes durchs Dorf getrieben wird.

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