Olympia 2008 Dem Feuer geht die Luft aus

Der olympische Fackellauf dient dem Selbstdarstellungswahn Pekings - mit freundlicher Unterstützung seiner Sponsoren und des IOC. Teil neun der Olympia-Kolumne.

Jetzt ist aus. Die olympische Flamme ist erloschen, und auch die verzweifelte Schönrednerei der Pekinger Spiele muss nun ein Ende haben. Nachdem schon in London am Wochenende Demonstranten der Fackel und ihren Trägern mit Feuerlöscher und vollem Körpereinsatz nachstellten, haben nun französische Aktivisten den Lauf der aufwendig gestalteten Hightech-Fackel durch Paris erfolgreich gestört. Dabei ist die Flamme gleich mehrfach erloschen; zwar behauptet die Pariser Polizei, man habe das Feuer nur zu seiner eigenen Sicherheit und aufgrund technischer Probleme gelöscht, aber die Botschaft ist eindeutig: Diesem Feuer und allem, was es repräsentiert, geht die Luft aus.

Wir erinnern uns: Erfunden haben den olympischen Fackellauf die Nazis für die Spiele in Berlin 1936. Damals wie heute wurde das Feuer im antiken Olympia entzündet, dann trugen es 3331 Läufer die mehr als 3000 Kilometer in die deutsche Hauptstadt. Da seither jede neue Auflage der Spiele größer und besser sein musste als die zuvor, führt der Fackellauf diesmal über 130.000 Kilometer und bis hinauf auf den Mount Everest.

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Der Fackellauf repräsentiere die Ernsthaftigkeit und Aufregung, mit der die Welt die Spiele erwarte, schreibt das Pekinger Organisationskomitee auf der offiziellen Homepage der Fackel (so was gibt’s wirklich!), sie verkörpere den olympischen Geist. Was war der noch mal genau? Ordentlich Geld zu machen? Oder: Gib autoritären Staaten, die ein Imageproblem, aber jede Menge Geld haben, eine super Gelegenheit für eine Propaganda-Show?

Wenn es den neuzeitlichen Olympiern, den Funktionären um den IOC-Präsidenten Jacques Rogge, ernst wäre mit dem von ihnen so oft beschworenen Geist, müssten sie als Erstes China aus der olympischen Bewegung ausschließen. Denn, wie heißt es im fünften der „6 fundamentalen Prinzipien“ der olympischen Charta? „Jede Form der Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund seiner Rasse, Religion, Politik, seines Geschlechts oder anderer Gründe ist unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur olympischen Bewegung.“

Und wenn ich das richtig verstanden habe, geschieht doch genau das in Tibet: Dort werden chinesische Staatsbürger aufgrund ihrer Religion und politischen Überzeugung diskriminiert. Aber dass diese Charta, die auch den Athleten während der Spiele einen Maulkorb verpasst, ein gigantisches Manifest der Verlogenheit ist, ist auch keine Neuigkeit mehr.

Leser-Kommentare
  1. den Fackellauf ein für alle Mal zu beenden. Er begann 1936 mit einer Olympiade im faschistischen Deutschland und könnte ja nun, 2008, mit einer Olympiade im faschistoiden, pseudokommunistischen China enden.
     
    Schade ist das Ganze ja nur für die Sportler, die als vierjählich auszutauschende Staffage für die Funktionäscliquen und die Sponsoren herhalten müssen. All diese Mühe, um für die Selbstdarstellungsprobleme eines faschistoiden Landes herhalten zu müssen und um den Funktionären höchste Einkommen zu sichern und den Sponsoren Umsatzsteigerungen.
     
    Über diese Olympiade gerät das ganze System Olympiade ins Wanken. Betrogenene Sportler, polizeistaatliche Methoden auch im Westen, um Fackelläufe zu ermöglichen, untergrabene olympische Charta, unterdrückte Völker, das verstehen wir heute unter Olympiade. Baron de Coubertin hätte allerdings vielleicht ein Verständnis für die materiellen Aspekte der Sache, nahm er doch 1936 als verarmter Adliger 10.000.- RM aus Hitlers Hand (http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_de_Coubertin).

  2. Für alle Interessierten: Der Text der Olympischen Charta findet sich z.B. unter folgendem Link:http://www.olympischeerziehung.de/media/modul/m1_3_1.pdf

  3. ... weise ich auf einen Beitrag in der heutigen Sendung "Kulturzeit" in 3Sat hin.Wiederholung: Di, 8.4. um 9.05 UhrThema: Zeugenberichte, Flucht, Fluchthelfer

  4. -wenn Romantiker es so weit treiben, dass China die Lust verliert und zur Abwechselung auch mal einstimmt in das allgemeine Geschrei: Boykott!-Aus die Maus, abgesagt - dann darf Tibet noch mal 50 Jahre warten, sofern es gut läuft-Läuft es schlecht, dann schaffen es die Unken ja vielleicht 1936 herbeizureden, und es steht wieder jemand auf, der Minderheitsprobleme regelt so wie damals.-Der Dalai Lama weiß schon, warum er gegen solchen Unsinn ist. Wer Tibet unterstützen will sollte sich bei Olympia also wirklich besser an das halten, was der Dalai Lama dazu im Brief vom 6. April geschrieben hat:-' 8. The hosting of the Olympic games this year is a matter of great pride to the 1.2 billion Chinese people.  I have from the very beginning supported the holding of these Games in Beijing.  My position on this remains unchanged.  I feel the Tibetans should not cause any hindrance to the Games.  It is the legitimate right of every Tibetan to struggle for their freedoms and rights.  On the other hand, it will be futile and not helpful to anyone if we do something that will create hatred in the minds of the Chinese people.  On the contrary, we need to foster trust and respect in our hearts in order to create a harmonious society, as this cannot be built on the basis of force and intimidation.'-
    -
    Martin Berger

  5. @ Martin BergerSetzen sie bitte nicht auf den Dalai Lama. Das was er sagt oder schreibt, klingt immer nett und supertoll. Wenn man dann auf die weiteren Details eingeht, stellen sich dann die aber die Haare auf. Würde der Dalai Lama wirklich zu dem oben gesagten stehen, müsste er spätestens jetzt (eigentlich schon vor 2 Wochen) aufstehen und ein Machtwort reden. Statt dessen spielt er weiter das arme Opferlamm und versucht Hass gegen die Chinesen zu schüren. Ich glaube den Dalai Lama erst wieder, wenn er seine dubiosen Spielchen und grotesken Forderungen (nicht die stark verkürzt, gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach "nur" mehr Autonomie) aufgibt und um Gespräche bei der Regierung in Peking ansucht.

  6. @5 - xiaomangeJa, wo haben Sie denn Ihr Wissen her. Ist ja fast wie von einem anderen Stern. -' ... ansucht'. - Haben Sie das Wort selbst geschrieben, oder ist das eine Google-Übersetzung für die Bewegung eines Lakaien, der huldvoll versucht unter der Türritze durchzukriechen um die hohen Herrschaften nicht mit seinem Anblick nicht zu beleidigen.-Ich hoffe, Sie können Englisch lesen, dann gebe ich Ihnen jetzt mal ein paar Zitate, wann bereits bei der göttlichen Regierung in Peking 'angesucht' wurde:-Appeal to world leaders 2. April 2008: ' calling for meaningful dialogue to resolve the issue.'-Appeal to the chinese people 28. March 2008: 'Chinese brothers and sisters – wherever you may be – with deep concern I appeal to you to help dispel the misunderstandings between our two communities. Moreover, I appeal to you to help us find a peaceful, lasting solution to the problem of Tibet through dialogue in the spirit of understanding and accommodation.'-Press Release 18. March 2008: 'On our part, we remain committed to taking the Middle Way approach and pursuing a process of dialogue in order to find a mutually beneficial solution to the Tibetan issue.'-Wenn Sie noch fünf 'Ansuchen' mehr wollen, kann ich Ihnen die auch liefern, sofern Sie mir versprechen, dass Sie Ihrer Regierung in Peking dann mal Dampf machen, dass die in die Gänge kommt, und anfängt mit dem Verhandeln-Martin Berger

  7. Mit Vergnügen und auch Respekt verfolge ich immer wieder Ihre Kmmentare. Nun nehme ich doch einmal kurz auch Stellung. Appeasment und auch wirtschaftliche Beziehungen waren schon einmal ein sehr ungünstiger Weg im Umgang mit einer Diktatur. Kurze Response?
    Grüße und Gute Nacht. 

  8. http://torchrelay.beijing2008.cn/en/ Bitte mal den Abschnitt Paris als Video anschauen.

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