Olympia 2008 Dem Feuer geht die Luft ausSeite 2/2

Light the passion, share the dream heißt das Motto des Fackellaufs, eine „Reise der Harmonie“ über fünf Kontinente sollte er werden. Dagegen ist ja im Prinzip gar nichts zu sagen, wer träumt nicht von Harmonie all over the world ? Aber wie konnte man je auf die Idee kommen, das ausgerechnet China die Welt retten würde? Und so ist aus dem Fackellauf ein Spießrutenlauf der Peinlichkeiten geworden, bei dem Autokraten wie der Präsident von Kasachstan und Demokraten wie Englands Premierminister lächelnd die Statisten abgeben und Tausende westlicher Polizisten mit Steuergeldern den Selbstdarstellungswahn eines autoritären Regimes beschützen müssen. Denn ein Fackellauf dieser Dimension ist längst keine Aktion des IOC mehr, sondern ein chinesischer Staatsakt, mit freundlicher Unterstützung von Sponsoren, vulgo Geschäftemachern wie Coca-Cola und Samsung.

Das alles war vorherzusehen, und als Beitrag zu einer weltweiten Diskussion über Menschenrechte ist es vielleicht sogar zu begrüßen. Warum aber muss das IOC mit seinen offiziellen Bulletins immer noch mehr Öl ins Feuer der Empörung gießen? Von einer „goldmedaillenreifen Leistung“ war letzte Woche die Rede, als letztmalig der Stand der Vorbereitungen in Peking evaluiert wurde. Als gäbe es den ganzen Aufruhr, die Bilder von niedergeknüppelten Demonstranten in Lhasa, London und Paris gar nicht, berichtet der oberste Tester Hein Verbruggen davon, wie fein die Chinesen alles vorbereitet haben, vom Brandschutz bis zur ökologischen Nachhaltigkeit. Kein Wort darüber, dass ausländische Journalisten nicht nur nicht aus Tibet, sondern auch von der Ankunft des Feuers in Peking nur teilweise berichten durften.

Will das IOC die nächsten fünf Monate einfach aussitzen, die täglichen Proteste ignorieren, immer mehr Polizisten anfordern zum Schutz seiner Geschäftsinteressen? Denn niemand mag mehr glauben, dass die Spiele in erster Linie für die Athleten abgehalten werden, wie die Funktionäre nun erstaunlich oft beteuern. Sie selbst haben ein Sportfest zur größten Veranstaltung der Menschheitsgeschichte aufgepumpt. Nun müssen sie auch sehen, mit diesem Ungetüm zurande zu kommen – zunächst mal dadurch, dass sie der interessierten Weltöffentlichkeit über die Umtriebe ihres Geschöpfs Rede und Antwort stehen. Aber schon das kleine Feuer aus seinen Nüstern scheint sie im Moment zu überfordern.

 
Leser-Kommentare
  1. den Fackellauf ein für alle Mal zu beenden. Er begann 1936 mit einer Olympiade im faschistischen Deutschland und könnte ja nun, 2008, mit einer Olympiade im faschistoiden, pseudokommunistischen China enden.
     
    Schade ist das Ganze ja nur für die Sportler, die als vierjählich auszutauschende Staffage für die Funktionäscliquen und die Sponsoren herhalten müssen. All diese Mühe, um für die Selbstdarstellungsprobleme eines faschistoiden Landes herhalten zu müssen und um den Funktionären höchste Einkommen zu sichern und den Sponsoren Umsatzsteigerungen.
     
    Über diese Olympiade gerät das ganze System Olympiade ins Wanken. Betrogenene Sportler, polizeistaatliche Methoden auch im Westen, um Fackelläufe zu ermöglichen, untergrabene olympische Charta, unterdrückte Völker, das verstehen wir heute unter Olympiade. Baron de Coubertin hätte allerdings vielleicht ein Verständnis für die materiellen Aspekte der Sache, nahm er doch 1936 als verarmter Adliger 10.000.- RM aus Hitlers Hand (http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_de_Coubertin).

  2. Für alle Interessierten: Der Text der Olympischen Charta findet sich z.B. unter folgendem Link:http://www.olympischeerziehung.de/media/modul/m1_3_1.pdf

  3. ... weise ich auf einen Beitrag in der heutigen Sendung "Kulturzeit" in 3Sat hin.Wiederholung: Di, 8.4. um 9.05 UhrThema: Zeugenberichte, Flucht, Fluchthelfer

  4. -wenn Romantiker es so weit treiben, dass China die Lust verliert und zur Abwechselung auch mal einstimmt in das allgemeine Geschrei: Boykott!-Aus die Maus, abgesagt - dann darf Tibet noch mal 50 Jahre warten, sofern es gut läuft-Läuft es schlecht, dann schaffen es die Unken ja vielleicht 1936 herbeizureden, und es steht wieder jemand auf, der Minderheitsprobleme regelt so wie damals.-Der Dalai Lama weiß schon, warum er gegen solchen Unsinn ist. Wer Tibet unterstützen will sollte sich bei Olympia also wirklich besser an das halten, was der Dalai Lama dazu im Brief vom 6. April geschrieben hat:-' 8. The hosting of the Olympic games this year is a matter of great pride to the 1.2 billion Chinese people.  I have from the very beginning supported the holding of these Games in Beijing.  My position on this remains unchanged.  I feel the Tibetans should not cause any hindrance to the Games.  It is the legitimate right of every Tibetan to struggle for their freedoms and rights.  On the other hand, it will be futile and not helpful to anyone if we do something that will create hatred in the minds of the Chinese people.  On the contrary, we need to foster trust and respect in our hearts in order to create a harmonious society, as this cannot be built on the basis of force and intimidation.'-
    -
    Martin Berger

  5. @ Martin BergerSetzen sie bitte nicht auf den Dalai Lama. Das was er sagt oder schreibt, klingt immer nett und supertoll. Wenn man dann auf die weiteren Details eingeht, stellen sich dann die aber die Haare auf. Würde der Dalai Lama wirklich zu dem oben gesagten stehen, müsste er spätestens jetzt (eigentlich schon vor 2 Wochen) aufstehen und ein Machtwort reden. Statt dessen spielt er weiter das arme Opferlamm und versucht Hass gegen die Chinesen zu schüren. Ich glaube den Dalai Lama erst wieder, wenn er seine dubiosen Spielchen und grotesken Forderungen (nicht die stark verkürzt, gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach "nur" mehr Autonomie) aufgibt und um Gespräche bei der Regierung in Peking ansucht.

  6. @5 - xiaomangeJa, wo haben Sie denn Ihr Wissen her. Ist ja fast wie von einem anderen Stern. -' ... ansucht'. - Haben Sie das Wort selbst geschrieben, oder ist das eine Google-Übersetzung für die Bewegung eines Lakaien, der huldvoll versucht unter der Türritze durchzukriechen um die hohen Herrschaften nicht mit seinem Anblick nicht zu beleidigen.-Ich hoffe, Sie können Englisch lesen, dann gebe ich Ihnen jetzt mal ein paar Zitate, wann bereits bei der göttlichen Regierung in Peking 'angesucht' wurde:-Appeal to world leaders 2. April 2008: ' calling for meaningful dialogue to resolve the issue.'-Appeal to the chinese people 28. March 2008: 'Chinese brothers and sisters – wherever you may be – with deep concern I appeal to you to help dispel the misunderstandings between our two communities. Moreover, I appeal to you to help us find a peaceful, lasting solution to the problem of Tibet through dialogue in the spirit of understanding and accommodation.'-Press Release 18. March 2008: 'On our part, we remain committed to taking the Middle Way approach and pursuing a process of dialogue in order to find a mutually beneficial solution to the Tibetan issue.'-Wenn Sie noch fünf 'Ansuchen' mehr wollen, kann ich Ihnen die auch liefern, sofern Sie mir versprechen, dass Sie Ihrer Regierung in Peking dann mal Dampf machen, dass die in die Gänge kommt, und anfängt mit dem Verhandeln-Martin Berger

  7. Mit Vergnügen und auch Respekt verfolge ich immer wieder Ihre Kmmentare. Nun nehme ich doch einmal kurz auch Stellung. Appeasment und auch wirtschaftliche Beziehungen waren schon einmal ein sehr ungünstiger Weg im Umgang mit einer Diktatur. Kurze Response?
    Grüße und Gute Nacht. 

  8. http://torchrelay.beijing2008.cn/en/ Bitte mal den Abschnitt Paris als Video anschauen.

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