Tourismus Von der Welt geerbt
Im Sommer soll das Wattenmeer von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt werden. Das hoffen jedenfalls die Tourismustreibenden der Anrainerstaaten, denn das Gütesiegel spült Geld in die Kassen. Wie funktioniert der Mechanismus?
Eine Zeitreise: In gleichmäßigem Rhythmus stampfen die Füße der Soldaten auf die Erde. Es ist eine Erde fern der Heimat für die Männer. Weit weg von Rom. Der Kaiser hat sie ausgesandt, in Legionen und Kohorten, um die Grenzen des Römischen Reiches zu sichern und zu verteidigen die Grenzen eines Reiches, das in unterschiedlichen Formen gut 2000 Jahre Bestand haben sollte.
Noch heute finden sich viele Spuren der alten Römer fernab des italienischen Stiefels. Der Hadrianswall in Großbritannien ist eines der bekanntesten Beispiele. In Deutschland ist der Obergermanisch-rätische Limes gut zu verfolgen: Die Überreste römischer Kastelle, Bäder und Wachtürme zeigen den einstigen Verlauf der Grenzlinie. Hadrianswall und Limes haben aber noch mehr gemeinsam als die römische Geschichte: Beide gehören zum Welterbe der Unesco der Hadrianswall seit 1987, der Obergermanisch-rätische Limes seit 2005.
Professor Dr. Dieter Planck, Vorsitzender der Deutschen Limeskommission und Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Baden-Württemberg, freut sich über diese Auszeichnung: Die Gemeinden und Städte profitieren vom höheren Bekanntheitsgrad und der überregionalen Werbung touristisch. Und die Denkmalpflege hat bessere Möglichkeiten, das Objekt zu schützen. Die Eintragung in die Liste des Welterbes bringt zwar keine direkten ökonomischen Vorteile, ist aber von enormer politischer Bedeutung.
Warum ist das so? Schließlich bekommen Welterbestätten von der Unesco nur das Siegel, aber kein Geld. Die Unterzeichnerstaaten der Welterbekonvention also auch die Bundesrepublik verpflichten sich, Welterbestätten zu pflegen und in möglichst gutem Zustand zu erhalten. Das ist teuer. Um Geld in die Kassen zu bringen, wird mehr geworben natürlich mit dem Logo des Unesco-Welterbes. Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres Mittel: Je mehr Zeitungen und Fernsehsender über eine Welterbestätte möglichst positiv berichten, desto bekannter wird sie. Das wiederum lockt zahlende Touristen. Doch die wollen etwas geboten bekommen, wollen Geschichte und Natur erleben.
Am Obergermanisch-rätischen Limes kümmert sich der Verein Deutsche Limesstraße federführend um die touristische Erschließung. Der Verein hat sich in Zusammenarbeit mit Verantwortlichen in den Regionen, Städten und Gemeinden für Besucher vieles ausgedacht: Den in sechs Abschnitte eingeteilten Limes-Radweg etwa, Führungen, Römerfeste, Ferienprogramme für Kinder im einstigen Kastell Saalburg im hessischen Bad Homburg. Oder sogenannte Limes-Cicerones, in historische Gewänder gekleidete Fremdenführer, die in Baden-Württemberg Besuchern die interessantesten Orte des Limes zeigen.
Die Unesco hat strenge Regeln, was die Vergabe des Welterbe-Siegels angeht: Einzigartigkeit, historische Echtheit und Unversehrtheit gilt es zu belegen, ehe eine Stätte überhaupt die Chance hat, zum Weltkultur- oder -naturerbe erklärt zu werden. Am Limes etwa wurde der Antrag im März 2000 vorbereitet. Dazu wurden 550 Kilometer Limes zwischen Rhein und Donau sowie die dazu gehörenden rund 900 Wachposten und 120 größeren und kleineren Kastellplätze neu erfasst. Jedes Bundesland stellte dafür eigens einen Referenten ein. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in einer Datenbank gebündelt. Und es wurde ein Managementplan erarbeitet. Außerdem musste in einer umfangreichen Begründung formuliert werden, warum der Obergermanisch-rätische Limes so außergewöhnlich ist schließlich ist er nur ein Teil der einstigen Grenzen des römischen Reiches. Die Kosten für die Antragstellung beliefen sich auf etwa 300.000 Euro, sagt Dieter Planck. Im Januar 2003 wurde der Antrag auf Aufnahme des Obergermanisch-rätischen Limes ins Unesco-Welterbe schließlich eingereicht. Bis zur Entscheidung dauerte es gut zweieinhalb Jahre.
- Datum 08.04.2008 - 06:06 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 8.4.2008
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