Italien Berlusconi, schon wieder
Bitteres Wahlergebnis in Italien: Der konservative Silvio Berlusconi wird ein drittes Mal Miniterpräsident werden. Kein gutes Omen. Ein Kommentar
Silvio Berlusconi und sein “Volk der Freiheit” (PdL) haben die Parlamentswahlen in Italien gewonnen. Daran gibt es kaum noch einen Zweifel nach den ersten Hochrechnungen, die den Senat betreffen, aber für die Kammer kaum divergieren werden. Berlusconis Vorsprung vor Walter Veltroni und den “Demokraten” (PD) wächst sogar von Stunde zu Stunde.
Es handelt sich, den letzten Umfragen und ersten Wahlnachfragen zum Trotz, um einen deutlichen Sieg. Eine klare Mehrheit der Italiener wünscht, dass der 71-Jährige Großunternehmer aus Mailand zum dritten Mal Ministerpräsident wird. In seinem Anhang hat Berlusconi die Nationale Allianz von Gianfranco Fini und eine christdemokratische Ein-Prozent-Partei. Unterstützt wird er von der Lega Nord, die sich in ihren Stammgebieten in Norditalien behaupten konnte und landesweit auf knapp sechs Prozent kam.
Bossi und Berlusconi, zwei Männer um die 70, werden also Italien regieren. Und das voraussichtlich die nächsten fünf Jahre, denn sie haben eine stabile Mehrheit. Man kann von ihnen wenig Neues erwarten – Berlusconi ist seit 14 Jahren auf der politischen Bühne, Bossi noch ein wenig länger. Und das verspricht nichts Gutes.
Für Italien ist dieses Wahlergebnis ein großer Rückschritt. Es wird die Distanz zum übrigen Europa noch weiter vergrößern – Berlusconi und seine Verbündeten haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von Europa rein gar nichts halten. Für Bossi ist die EU ein Konstrukt von “Kommunisten und Freimaurern.” Und Berlusconi tut sowieso so, als müsse sich Italien von Brüssel überhaupt nichts sagen lassen. Im einst so europafreundlichen Italien gibt es seit Jahren eine europafeindliche Stimmung. Dieses Wahlergebnis ist ein eindeutiges Signal.
In seinem Wahlkampf hat Berlusconi außer der Abschaffung der Kfz-Steuer wenig Konkretes versprochen. Umweltpolitik? Fehlanzeige. Schulpolitik angesichts der desaströsen Pisa-Ergebnisse italienischer Schüler? Kein Interesse. Familienpolitik im Land mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt? Überflüssig, genau wie Rezepte gegen die horrend hohe Jugendarbeitslosigkeit. Stattdessen verlieh er einem Mafia-Boss das Prädikat “heldenhaft”, kündigte regelmäßige Psycho-Tests für alle Richter und Staatsanwälte an, behauptete, in seiner Partei die schönsten Frauen zu haben und empfahl einer Italienerin ohne Berufsperspektive, sie solle doch seinen Sohn heiraten. Es war der Berlusconi, wie ihn Italien und die Welt seit Jahren kennt – populistisch, egomanisch, folkloristisch – und hart an der Grenze des ethisch, politisch und juristisch Zulässigen. Kollege Bossi überschritt auch diese Linie und kündigte an, im Falle eines Wahlbetrugs werde das “Volk des Nordens” zu den Gewehren greifen.
Die Italiener wollen all’ das. Sie finden es gut und richtig. Sie setzen weiterhin ihre Hoffnungen in einen Mann, der dem internationalen Ansehen ihres Landes immensen Schaden zugefügt hat und dem die Sanierung der Staatsfinanzen ebenso Schnuppe ist wie die Bekämpfung des organisierten Verbrechens. In seiner letzten Amtszeit als Premier hat Berlusconi vor allem eine Reihe von ad-Personam-Gesetzen erlassen, um die Strafermittler von sich fernzuhalten und sein Vermögen zu mehren.
Trotzdem oder gerade deswegen will eine klare Mehrheit wieder von ihm regiert werden. Die Leute vertrauen Berlusconi – oder haben ihn vielleicht auch nur gewählt, weil sie sicher sein können, dass er sie in Ruhe lässt. Dass er ihnen nichts abverlangt. Dass alles so bleibt wie es ist. Dass man ihnen nicht mit schmerzhaften Reformen kommt, ihnen keine Anstrengung abverlangt. Er verkauft den Italienern erfolgreich ein Bild von sich und ihrem Land, das mit der bitteren Realität nichts zu tun hat.
Berlusconis Kontrahent Walter Veltroni hat seine neue Partei “Demokraten” in einem mühsamen Wahlkampf in der politischen Landschaft konsolidieren können. Mehr nicht. Er hat versucht, neue, leisere, weniger hasserfüllte Töne in den Wahlkampf zu bringen. Das ist ihm über weite Strecken gelungen – aber damit konnte er nicht genügend Wähler mobilisieren. Veltroni hat außerdem die Linke, mit der sein Vorgänger Prodi noch zu regieren versucht hatte, an den Rand gedrängt, weil er auf ein Wahlbündnis mit ihnen verzichtet hat.
Vermutlich werden erstmals in der Nachkriegszeit die Kommunisten nicht in den Senat einziehen. Selbst in den Stammgebieten wie der Emilia Romagna blieb das linke “Regenbogen-Bündnis” weit hinter den Erwartungen zurück. In Kampanien erlitt die PD einen wahren Einbruch. Dafür trägt Veltroni einen Großteil der Verantwortung: Er hätte die Parteifreunde von der Regionalregierung, die für die Müllkrise politisch verantwortlich sind, zum Rücktritt zwingen müssen.
Veltroni hat also verloren, aber immerhin ist es ihm gelungen, eine neue, starke Partei der linken Mitte zu etablieren. Ihm und den Demokraten könnte die Zukunft gehören. Fragt sich nur, wann. Und man fragt sich, welche Zukunft Italien bis dahin haben wird.
- Datum 14.04.2008 - 09:56 Uhr
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Es spielt wohl keine Rolle mehr wer da gewinnt und die meisten Leut' bleiben mit recht zu Hause. Bald brauchen die einen guten General, der auch gleich die Mafia und andere geheime Logen durch die Knastgitter filtert.Da wird es dann bestimmt ganz traurige Artikel in den großen Zeitungen geben?Demokratien die sich nicht weiterentwickeln sterben ganz einfach ab. Diesen Zustand mag man dann Putsch oder Revolution nennen?blog.freigeldpraktiker.de Marktwirtschaft ohne Kapitalismus in Radixdemokratie
Jeder einzelne Italiener sollte sich zutiefst für diese Katastrophe
schämen und sich fragen, warum er sie nicht verhindern konnte.
Berluscazz (entschuldigen Sie den Ausdruck, aber ich kann nicht anders,
so wütend bin ich) wird sich zum König machen, er wird sich jetzt
unbesiegbar fühlen.
Italien entfernt sich immer weiter von den anderen westlichen
Demokratien in der Europäischen Union. Die EU muss sich fragen, ob sie
ein Mitglied in ihren Reihen wünscht, dessen Regierungschef sich allen
Ernstes für einen Jesus hält. +please help Italy+
Schon kurios: Deutsche Kommentatoren machen sich mehr Gedanken über Italiens Zukunft als die Italiener, die in ihrer unergründlichen Beschränktheit dann aber doch die einzige Lösung für Italiens Probleme forcieren. In fünf Jahren schaffen es B&B locker, das Land komplett gegen die Wand zu fahren, und dann kommt die "Große Lösung": zurück ins 18. Jahrhundert. Spanien übernimmt den Süden (die wissen wenigstens, wie man nachhaltig mit EU-Geldern umgeht) und Österreich kriegt das dumpfe Padanien. Piemont wird wieder ein eigener Staat (die haben es immerhin geschafft, die Olympischen Spiele zu organisieren).
Es ist einfach unglaublich, beschämend, traurig, furchtbar. Demokratie in Italien ist schon lange gestorben....
Da sieht man wohin Medienmacht führt. Frau Merkel wird uns heute auch in fast allen Zeitungen als Busenwunder verkauft.
schon mal dran gedacht, daß Berlusconi deshalb bei den Italienern punktet, weil die einfach die SCHNAUTZE GESTRICHEN VOLL HABEN VON DEN LINKEN?Hat irgend einer der Kommentatoren vielleicht mal den Wahlkampf beobachtet, und vor allem das peinlich-beschämende "Verhalten" der sich selbst so gerne nennenden Intelligenzia in Italien?Einfach ma drüber nachdenken....
... und Ratzinger kriegt seinen Kirchenstaat.
Bitteres Wahlergebnis in Italien: Der konservative Silvio Berlusconi
wird ein drittes Mal Ministerpräsident werden. Kein gutes Omen.Bei soviel Pessimismus kommen ein fast Tränen. Da gewinnt ein Italiener mit den Namen Silvio Berlisconi die Wahlen in Italien auf demokratischer weise und wird dafür beleidigt. Keine guten Umgangsformen, in einem harten Wettbewerb. Wenn aber ein Mullahregime in Iran gewinnt, dann werden keine so hohen Maßstäbe angesetzt wie bei Berlisconi! Warum wohl?
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