Bibliotheken Die Regale sind leer!

Lesen im virtuellen Raum: Deutschland entdeckt langsam die digitale Bücherwelt. Doch die Verlage machen noch nicht richtig mit.

Wenn in den nächsten Monaten die Berliner Büchereien mit ihrer „Onleihe“ beginnen, sind fast zehn Millionen Menschen im Einzugsbereich einer virtuellen Bücherei. Aber nur wenigen ist es aufgefallen. Fast unbeachtet baut sich eine tragfähige Infrastruktur für E-Books, E-Papers und andere E-Medien auf. Der Durchbruch virtueller Medien in Deutschland— - ebenso häufig angekündigt wie ausgeblieben - rückt damit in Reichweite. Zumindest potenziell.

Aufsehen erregt hingegen in den USA zurzeit der Amazon Kindle . Ende 2007 kam das Lesegerät für E-Medien auf den Markt und war innerhalb einiger Tage ausverkauft. Nun starren New Yorker Pendler bei ihrer morgendlichen Zeitungslektüre häufig nicht mehr auf Papier, sondern auf kleine weiße Geräte. Denn der Kindle Reader kann direkt und drahtlos aus dem Internet verschiedene Tageszeitungen abrufen, z.B. die New York Times . Wann das 400 Dollar teure Gerät nach Europa kommt, ist noch nicht bekannt.

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Was gerade von europäischen Kommentatoren der Kindle-Begeisterung übersehen wird, ist die technische Voraussetzung: die gute Versorgung des US-amerikanischen Raums mit E-Books. Nicht nur Internet-Shops versorgen den Markt, auch die meisten öffentlichen Büchereien bieten ein großes Sortiment an E-Medien an, die jeder Büchereikartenbesitzer ohne Aufpreis herunterladen kann. So können neue technische Formate zu sehr geringen Kosten getestet werden. Die Erfahrungen mit DVDs und Hörbüchern zeigen: Was ausgeliehen wird, wird auch gekauft - inklusive der Wiedergabegeräte.

Die Büchereien richten diesen virtuellen Raum selten selbst ein. Sie greifen auf spezialisierte Unternehmen zurück, die sich sowohl um die Internet-Seiten als auch den Lizenzerwerb kümmern. Seit 2006 hat die Geschäftsidee von Overdrive.com auch in Deutschland Freunde gefunden. Unter dem Namen DiViBib beliefert eine Tochtergesellschaft der EKZ, der Versorgergesellschaft deutscher Bibliotheken, interessierte Büchereien. Heute leisten sich 15 Einrichtungen eine virtuelle Bibliothek, bis Ende 2008 sollen laut DiViBib-Geschäftsführer Holger Behrens 35 weitere hinzukommen.

Das DiViBib-Angebot funktioniert so wie das von Overdrive.com: Der Dienstleister hält eine Auswahl an E-Medien vor, kümmert sich um die Erweiterung des Angebots und stellt eine IT-Lösung bereit, die ohne großen Aufwand in das Internetangebot der Büchereien integriert werden kann. Durch dieses Arrangement ist der zusätzliche Arbeitsaufwand der Mitarbeiter gering. Begeisterung lösen die ersten Ergebnisse der virtuellen Bibliotheken hingegen noch nicht aus. Man sei durchaus zufrieden, sagt Sven Instinske, der das Online-Angebot der Bücherhallen Hamburg betreut, „aber es könnte auch mehr sein“. Und zwar sowohl die Zahl der Ausleihen als auch das Angebot. So verfügt die Hamburger Onleihe nur mehr als 10000 Titel. Das liegt weniger an zu kleinen Etats als an den Anbietern: Verlage und Medienkonzerne sind bislang kaum an digitalen Formaten interessiert. Von ihnen hat DiViBib bislang nur 30000 Hörbücher, E-Papers und E-Books erwerben können. Highlights gibt es darunter nur wenige.

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