Die indonesischen Medien berichten es inzwischen regelmäßig: Tod durch Hunger. Fälle wie jener der schwangeren Frau, die zusammen mit ihrem zweijährigen Kleinkind einen qualvollen Hungertod sterben musste, oder - fast zeitgleich - die zwei durchdrehenden Mütter, die ihre Kleinkinder ertränkten, weil sie ihr Hungergeschrei nicht mehr hören konnten. Die verantwortlichen Behörden reagieren darauf wie immer: peinlich berührt zwar, aber nur mit lahmen Erklärungsversuchen.

Indonesien gilt inzwischen als Schwellenland, wie China, Indien oder Brasilien auch. Dennoch ist unbestreitbar, dass Hunger und Armut im Land zunehmen. Laut Angaben der Welternährungsorganisation WHO lebt fast die Hälfte der indonesischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Nach der indonesischen Statistik sind es "nur" 20 Prozent, das bedeutet 40 Millionen Menschen. Und als arm gelten da nur Leute, die sich die tägliche Reismahlzeit nicht mehr leisten können, sondern von Futtermais und Aking leben müssen. Aking sind getrocknete Reisabfälle von Hotels und Restaurants, die billig verkauft werden. 20 Prozent der Kleinkinder im Land sind unterernährt, und alle zwei Stunden stirbt eine Frau bei der Geburt ihres Kindes.

Die Gründe für dieses Elend sind vielfältiger Natur, es sind nicht nur die gestiegenen Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel. Es fängt an auf dem Land, wo die Bevölkerung durch Ungezieferbefall, Schlammlawinen und Überschwemmungen (besonders schlimm in diesem Jahr) vielfach ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Die geringen Hilfen der Regierung kommen jedoch korruptionsbedingt kaum oder überhaupt nicht bei der Landbevölkerung an.

Deshalb suchen viele ihr Heil in den Städten. Heute, wo erstmals weltweit die Mehrheit der Menschen in Städten wohnt, ist auch die Armut mit in die Städte gezogen. In Indonesien ist dabei besonders Jakarta betroffen, wo die Armut allein in den letzten zwei Jahren angeblich um 77 Prozent zugenommen haben soll.

Die Antwort der Regierung auf dieses Phänomen heißt "Transmigrasi". Das bedeutet, dass von Zeit zu Zeit Lastwagen morgens durch die Straßen Jakartas fahren und alle jene Menschen ohne gültigen Personalausweis für die Stadt einfangen und auf unbewohnte Inseln bringen. Dort gibt es dann oft keine Ärzte und keine Infrastruktur und die Überlebenschancen sind nicht sehr hoch. Für arme Leute gibt es subventionierten Reis. Sie reißen sich darum, obwohl der Reis oft voller Käfer ist und unangenehm riecht. Auch das subventionierte Bratöl ist manchmal bereits gebrauchtes Öl, das mit neuem Öl vermischt wurde.