Nahrungskrise "Wir brauchen eine zweite Grüne Revolution!"Seite 4/4

ZEIT online: Sie glauben also, dass die Unruhen und die Angst der Politiker vor dem Machtverlust jetzt die Umsetzung der Maßnahmen beschleunigen wird?

Diouf: Ich hoffe doch, dass nunmehr jedem klar ist, dass sich solche Unruhen sehr leicht ausbreiten und ernsthafte Konsequenzen für Frieden und Stabilität in der Welt mit sich bringen könnten.

ZEIT online: Wenn wir uns die langfristigen Lösungen anschauen, gibt es grundsätzlich zwei Meinungen. Die einen sagen, das sind technologische Probleme; wir müssen die landwirtschaftlichen Erträge durch Saat, Bewässerung, Erntemaschinen und Straßen verbessern. Die anderen sagen, es geht mehr um Verteilung und den Zugang der Leute zu Märkten.

Diouf: Wir haben 191 Länder mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen, mit unterschiedlichen Importen und Exporten, unterschiedlicher Preispolitik und einer unterschiedlichen Produktionsvielfalt. Es ist unrealistisch nun zu sagen, geht diesen oder jenen Weg.

ZEIT online: Erhoffen Sie sich eine erneute Grüne Revolution?

Diouf: Ja, warum nicht! Eigentlich ist es seit mehr als 20 Jahren unser Job, den Weg für eine zweite Revolution zu ebnen. Aber diese Revolution muss anders sein als die erste. Wir müssen uns zum Beispiel vorrangig mit dem Wasserproblem beschäftigen. Afrikas Problem ist die kontrollierte Bewässerung der Felder und die Wasserversorgung für die Menschen. Und selbst in Asien müssen wir uns mit dem Wasserproblem beschäftigen, insbesondere in Bezug auf die effektive Nutzung des Wassers. 40 Prozent des Wassers, das auf die Felder gelangen soll, geht durch Verdunstung und Versickerung verloren! Das muss sich ganz grundlegend ändern.

Jacques Diouf, geboren 1938 im Senegal, ist Chef der Organisation für Nahrung und Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen.

Die Fragen stellte Thomas Fischermann . Textdokumentation und Übersetzung: Angela Holz

 
Leser-Kommentare
    • ClausM
    • 16.04.2008 um 11:48 Uhr

    Man sollte nicht mehr Kinder haben als man ernähren kann!

    In unseren von Eigeninteressen getriebenen Diskussionen um Rentnerschwemmen und Renten, vergessen wir das nicht die Alten sondern die Kinder das Problem sind. Kinder deren Eltern nicht ausreichend in der Lage sind sich um diese zu kümmern.
    Auch wir in Deutschland hätten sehr schnell ein Problem, wenn wir 5 bis 10 Kinder pro Familie hätten, auch hinsichtlich der Tatsache das der Mensch nicht vom Brot  alleine lebt.
    Da die hohen Geburtenraten oft der Alterssicherung dienen sollen, muss man eine Rente für alle Menschen auf diesem Planeten schaffen.
    Wir müssen die Agrarwirtschaft reformieren, aber wenn die Geburtenrate nicht zurück, wird auch eine gelungene Reform nur die Ouvertüre zu einer noch größeren Katastrophe sein.
     
     
     

  1. @ClausMDies darf man aber im Rahmer der Political Correctness nicht ansprechen. Lokale Traditionen (wie Frauenversklavung), Religion und Geburtenregulierung sind die ganz großen Tabus. Dabei wäre in vielen Ländern die Armutsbekämpfung viel leichter (und sogar billiger!) wenn man dort ansetzen würde. Viele Menschen dort wünschen sich gar nicht 8 Kinder, und die Vision 2 Kinder zu haben die auf eine schöne Schule gehen ist für die meisten sehr attraktiv.

  2. So oder so ähnlich heisst es ja wohl.

    Und schon tauchen wieder die guten Ratschläge auf, die merkwürdigerweise immer lauten : Gebt uns mehr Geld!

    Wenn man sich dann anschaut, was damit geschieht und in welch dunklen Kanälen alles versickert, so ist die Idee des Ich-will-mehr-Geld verlockend, aber wie wäre es mit .

    Weniger Kinder in die Welt setzen
    Verhütungsmittel frei verfügbar machen
    Bildung statt Waffen

    Alles alte Kamellen und obwohl es diese Erkenntnisse schon spätetens seit den 70er für alle gibt, werden diese simplen Vorschläge mit einer Vehemenz ignoriert, dass man nur so staunen kann.

    Aber wer sich wundert, der mag einmal schauen, wer denn die Geschicke seines Volkes in den Händen hält. Machtgeile Politiker, die den Menschen im Lande Dünnbier predigen und selber den besten Chateau schlürfen. ( Und da ist es egal, auf welches Land man schaut, da tun sich alle nichts )

    Und so warten wir dann hier in unseren Niedrigenergiehäuschen auf die nächsten Revolten.

    • karl20
    • 16.04.2008 um 12:32 Uhr

    Am besten beginnt man mit der Geburtenkontrolle dann in Deutschland.Mit 231 Einwohnern pro km2 ist Deutschland unter 194 Staaten auf Platz 35!Zum Vergleich, China hat 136 Einwohner pro km2 und ist auf Platz 54.Europa ist nicht weniger ueberbevoelkert als so mancher asiatischer Staat.Quelle: http://de.wikipedia.org/w...

  3. Das beste Insturment zur Geburtenkontrolle ist Bildung - und diese Einsicht ist ein alter Schuh. Je höher die Zahl der Analphabeten ist, desto höher ist die Geburtenkontrolle. Beispielhaft hierfür ist der vergleich der städtischen und der peripheren Regionen in der Türkei. Aber auch in Deutschland kann man diesbezüglich so seine Beobachtungen machen: unlängst wurd beklagt, in D bekämen die Falschen die Kinder - nämlich diejenigen mit geringem Bildungsstand, wohingegen Hochqualifizierte sich immer häufiger gegen Kinder entschieden.Was können wir aus diesen Thesen ableiten? Der Bildungsgrad darf nicht von der sozialen Herkunft und vom Geldbeutel abhängig sein.

    • lef
    • 16.04.2008 um 12:39 Uhr

    nur noch mehr Hilfe wird gefordert,dabei ist gerade im Heimatland des Jacques Diouf, Senegal, und ringsherum (z.B. Gambia) gut zu sehen, wie mehr Hilfe nur zu noch mehr Apathie und Überbevölkerung führte.Sehr viel realistischer war Kenias Minister (Shikvati?) , der schon vor Jahren forderte, alle Hilfe SOFORT einzustellen, damit die Menschen (Zentral-)Afrikas  endlich lernen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen - auch wenn es zunächst schmerzliche Strukturänderungen geben wird.Das ist nun zu spät - die Struktur (nicht nur) in Zentralafrika (auch z.B. Afghanistan) ist unglaublich archaisch geblieben, die Bevölkerung explodiert - übrigens auch dank mildtätiger Gaben (Medikamente, Malarianetze) der Industriestaaten. Menschenleben retten ist eben billig und beruhigt Gewissen enorm - wovon die dann erwachsenen süßen Babykinder leben sollen, ist dann nicht mehr unser Problem??Die Drohung in diesem Interview ist unübersehbar:Füttert uns oder wir kommen selbst nach Europa.Wie es aussieht, können die Industriestaaten nicht mehr füttern, nur die USA (dank Defizit) und Deutschland (dank kurzfristigem Exportüberschuss) zahlen ETWAS mehr.Dann werden wir uns mit einem Massenansturm wohl abfinden müssen - und gehen dann gemeinsam unter........Schuld an diesem Debakel sind übrigens nicht nur die Industriestaaten, sondernauch die Energiebesitzer (Arabien, Rußland, Iran ff) - DIE haben die Energiepreise so hochgeschraubt, dass zur Zeit sogar Nahrungsmittel verheizt werden (bis die natürlich wegen der Energiepreise auch weit teurer werden, im nächsten Erntejahr eben)!____________Nachtrag: Im Senegal des Jacques Diouf  gab es ein groß angelegtes Projekt, die Ausbreitung der Sahara zu stoppen - mit einem von der EU finanzierten Waldgürtel.Der Wald wuchs und wurde von Senegalesen dann als Brennholz verheizt.Danach rief die Regierung Senegals Europa auf, den Wald neu zu pflanzen - ein paar hundert Kilometer landeinwärts natürlich, denn die Sahara hatte sich nach dem Abholzen natürlich wieder ausgebreitet....

    • lef
    • 16.04.2008 um 12:58 Uhr

    Ich emphle einen Kurztrip nach Westafrika (ist nicht teuer!):dann werden Sie lernen, dass nicht Bevölkerungsdichte wichtig ist, sondern die klimatischen Bedingungen:In Europa mit mildem Klima reicht relativ wenig Agrarfläche aus, um Menschen zu ernähren,in Westafrika (kurze heftige Regenzeit und 9 Monate kein einziger Tropfen Regen), ist das Land eben weitgehend nutzlos ohne (teure) Bewässerung.Ähnliches z.B. in Afghanistan, Iran ff: Bevölkerungsexplosion, aber überwiegend karstige Berglandschaft, nur winzige Feldflächen. (einen Kurztrip nach Afghanistan oder Iran würde ich aber eher per google-earth empehlen)Umgekehrt herrscht (ich nehme an, das beruhigt Sie) genau so viel Unkenntnis:In Westafrika meinen auch intelligente Leute auch, dass der Wohlstand von dser Kinderzahl abhängt - Gambia z.B. hat bereits die Bevölkerungsdichte wie Frankreich.Und genau wie Sie verstehen die einfach nicht, warum sie nicht so reich wie Frankreich werden...........

    • ClausM
    • 16.04.2008 um 14:13 Uhr

    Danke für das Echo! zur Geburtenregulierung usw. Geburtenkontrolle
    Aber was ist mit der Rente. Ein wichtiger Grund für den Kinderreichtum, ist  die Angst vor Altersarmut.
    Deshalb: eine Globale Rente!!!!!!

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