Der Chef der Bundesbank, Axel Weber, bringt es auf den Punkt: „Der Rückenwind der Globalisierung ist in Gegenwind umgeschlagen.“ Die Kritik am freien Welthandel mit seinem unerbittlichen Wettbewerb wächst allenthalben. Aber wer meint, es gäbe angesichts von internationaler Finanzkrise oder der wachsenden Gefahr von Hungeraufständen in den Armenvierteln der Welt ein Entrinnen aus der Globalisierung, hat nichts verstanden.

Kommunikation, Kapital und Kommerz lassen sich nicht mehr hinter nationalen Zäunen einsperren, der globale Wettbewerb von Ideen und Menschen nicht mehr stoppen. Auch die Globalisierung der Unsicherheit wird nicht verschwinden: die gefährliche Sogwirkung staatlichen Verfalls in instabilen Regionen, die Grenzenlosigkeit internationaler Kriminalität, Seuchen oder Terroristen. Globalisierung ist und bleibt die Lebensbedingung unserer modernen Welt.

In den letzten zehn Jahren hatte sie kräftig Rückenwind. Zwar brachte sie auch massive ökonomische und soziale Verwerfungen mit sich; es gab nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Aber die Vorteile überwogen die Nachteile klar.

Die Globalisierung bescherte den reichen Ländern globale Absatzgebiete, den ärmeren gab sie die Chance, Anschluss an die Weltwirtschaft zu finden. Nicht staatliche Entwicklungspolitik, Weltbank oder Währungsfonds, sondern der Markt verhalfen hunderten von Millionen Menschen nicht nur in China und Indien zu eigener Lebensgestaltung. Der Welthandel wuchs rasant. Die Börsen brummten. Geld war billig, niedrige Zinsen ermöglichten Investitionen für Unternehmen und Bürger. Die alte Spaltung in eine reiche und eine "Dritte Welt", in einen wohlhabenden Norden und einen dahinsiechenden Süden galt nicht mehr. Mit wachsendem Wohlstand wurden politische Krisen lösbar, junge demokratische Gesellschaften konnten gestärkt heranwachsen.

Jetzt aber bläst kräftig der Gegenwind. Der Internationale Währungsfonds, sonst wahrlich kein Unheil-Prophet, warnt, die Bankenmisere habe sich zum schlimmsten finanziellen Schock seit der "Großen Depression" Ende der zwanziger Jahre entwickelt. Und guter Rat ist teuer. Lange haben die Unternehmer gemeint, der Markt werde schon alles richten. Und die Regierungen haben so getan, als könnten sie wie bisher ihre Souveränität verteidigen und ihre jeweiligen Interessen weiter so definieren, als wären die anderer Staaten nebensächlich.

Damit haben beide Bedeutung und Wirkung der Globalisierung verkannt. Denn sie bedeutet nicht das Erhalten, sondern das Teilen von Märkten und Macht. Die Zahl der Wettbewerber um ökonomischen und politischen Einfluss hat dramatisch zugenommen, die Auswirkungen von Geschehnissen anderswo auf das eigene Wohlbefinden ebenso. Das jüngste Beispiel spricht Bände. Wer hätte vor wenigen Jahren ahnen können, dass die Schwierigkeiten amerikanischer Hausbesitzer, ihre Hypotheken zu bedienen, das ganze internationale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds bringen könnte!