Entwicklungshilfe Globaler HungerSeite 2/2

Eine interaktive Karte zum Stand der Nahrungskrise – klicken Sie auf die Grafik

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Was tun? Die Entwicklungshilfe verstärken und damit die heimische Selbstversorgung in den betroffenen Ländern verbessern? Richtig, aber das wusste man längst und hat sich doch, siehe Barrosos Klage, sehenden Auges in eine ganz andere Richtung bewegt. Zudem sind längst Zweifel aufgekommen, ob Hilfe aus Staatshand allein die Not lindern kann. Darum hatte der damalige französische Präsident Jacques Chirac 2006 den Vorschlag gemacht, auf jedes Flugticket freiwillig einen Aufschlag von zwei Dollar zu entrichten. Das gesammelte Geld sollte Unitaid zufließen, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen. Die kauft davon Medikamente für Entwicklungsländer.

Unmöglich, begehrten anfangs die Fluggesellschaften auf: Bei steigenden Spritpreisen, sinkenden Wachstumsraten und verschärftem Wettbewerb sei das ein untragbarer Malus. Zu teuer, schimpften zunächst die Verbraucher und Fluggäste. Und heute? Unitaid sammelte allein vergangenes Jahr rund 300 Millionen Dollar, für dieses Jahr rechnet man mit 500 Millionen. Der Chef von Air France gesteht, er habe sich getäuscht, die Anstrengung habe sich gelohnt.

Rund eine halbe Milliarde Dollar ist nicht viel, wenn man das mit jenen 6,3 Milliarden Euro vergleicht, die allein Frankreich, auf jener Liste der Geberländer als schwarzes Schaf geführt, im vergangenen Jahr an Unterstützung für die bedürftigen Länder geleistet hat. Private Hilfe kann staatliche nicht ersetzen, aber auf konkrete Weise ergänzen. Ein Unitaid für Nahrung tut Not. Damit Europa die große Krise ernst nimmt.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum sollte man in Europa den Hunger wahr nehmen?

    Hier wird doch für die Zukunft produziert ( und wenn nicht hier, dann in China ) hier wird konsumiert das die Schwarte kracht und die Stimmung ist wunderbar dank Vollbeschäftigung und Riesterrente.

    Oder doch nicht?

    Wer wirklich glaubt, gegen den Filz von Politik, Lobbyismus und Grosskonzerne nur annähernd etwas bewegen zu können, hat meinen vollsten Respekt. Schaut man sich einmal die Wege des Essens an, blickt kurz auf die Börse, wo mit Lebensmitteln gehandelt wird das einem schlecht wird, versteht man genau, warum Menschen in der Welt hungern müssen. Es geht nur darum, für ein Gut den BESTEN Preis zu bekommen und der kann nicht hoch genug sein.

    Wir haben uns schon so an Gewinne in Milliardenhöhe gewöhnt, dass wir gar nicht mehr fragen, wer denn diese Gewinne bezahlt? ( Zumindest solange die Dividende hoch genug ist )

    Und wo soll ein Bewusstsein für den Hunger in der Welt entstehen?

    • QUOTE
    • 16.04.2008 um 14:09 Uhr

    ...der Bertelsmann-Konzern möchte auch diese Krise wieder auf dem Rücken der Bevölkerung lösen."...Nur unwesentlich weniger verdiente sein Kollege John Simons mit 2,8
    Milliarden Dollar.
    Wie andere Hedgefonds-Manager profitierte auch das
    Mathe-Ass von den steigenden Preisen
    für Öl, Weizen und Kupfer...Die Manager werden immer schneller immer reicher.Um auf die Liste der
    Top-25 zu gelangen, musste ein Manager 2007 mindestens 360 Millionen
    Dollar verdienen - das 18-fache des Betrags von vor fünf Jahren.

    Zusammen verdienten die ersten zehn im "Alpha"-Ranking die nahezu
    unglaubliche Summe von knapp 13 Milliarden Dollar."
    http://www.spiegel.de/wir...

  2. 3. Ack

    Ich kann Beitrag 2 von Quote nur zustimmen. Nachdem man alles liberalisiert, privatisiert und auf Teufel komm raus für freie Märkte gesorgt hat (Bertelsmann und damit indirekt auch der Autor sicher nicht ganz unschuldig), bejammert man jetzt diesen nicht mehr kontrollierbaren Zustand. Marktversagen nennt man diesen, glaube ich.ALS OB ES NICHT ABSEHBAR gewesen wäre, dass auch bei den Nahrungsmitteln ein Konkurrenzdruck entsteht, im Ggs. zur Steuer- und Jobkonkurrenz, diesmal aber zu Gunsten der reichen Industrieländer. Da es jetzt schwer und schmerzhaft wäre umzusteuern, bittet man lieber den Steuerzahler zur Kasse. Soll er doch für das Systemversagen gerade stehen und bitte mehr Almosen spenden.Dabei in alt bewährter Weise auf die Peanuts Entwicklungshilfe zu schielen, die oft genug nicht zum gewünschten Erfolg führen oder mehr oder weniger direkt als Wirtschaftsbeihilfe für den eigenen Export missbraucht werden, ist schlicht lächerlich. So als ob man erst die Schleusen eines Wasserdamms öffnet und dann versucht mit einer Eimerkette ein Austrocknen des Stausees zu verhindern...So wird das dauerhaft nicht funktionieren.

    • Neon
    • 16.04.2008 um 14:49 Uhr

    Die Finanzkriese war (kristallklar) vorhersehrbar, wie nun auch die Nahrungsmittelkrise. Die Regierungen und Zentralbanken haben Finanzprodukte geduldet die einem guten Spielkasino zur Ehre gereichen wuerden. Seit geraumer Zeit schwinden die weltweiten Reisreserven rapide und keiner hats gemerkt. Jeder der sich um die Produktion von Grundnahrungsmitteln im Wettbewerb zu Biodiesel sorgte, wurde als "Spinner" diffamiert. Saatgutkonzerne basteln an Mutter Natur herum, bis der letzte Hecktar Farmland zu Tode gekommen ist und wer sich aufregt wird aussortiert. Von Zentralasien naehert sich eine Getreideseuche um die sich in Europa bisher keiner kuemmert.Wie weit muss es eigentlich kommen, bis wir unsere Regierung nach Hause schicken und das bischen regieren in Berlin von Erwachsenen erledigen lassen.

    • QUOTE
    • 16.04.2008 um 15:05 Uhr

    Sogar (!) die ZEIT, Haus- und Hofpostille der neuen neoliberalen "Elite" kommt nicht mehr drum herum, es einzugestehen:"Spekulanten treiben die Rohstoffpreise in die Höhe, seit die
    Finanzkrise andere Anlagearten unsicher gemacht hat. Das trifft nicht
    nur Rohöl und Gold, sondern zunehmend auch Lebensmittel"
    http://www.zeit.de/online...Da haben Sie Ihr "Keiner hats gemerkt"...die Leute, die die Märkte vor sich her treiben WISSEN ganz genau, was sie tun, wie viele sie verarmen, verelenden und verHUNGERN lassen...und es ist ihnen EGAL, solange sie ihre 60-Meter Yacht in 2 Jahren gegen eine 100-Meter Yacht eintauschen können.

    • ali-ch
    • 16.04.2008 um 15:13 Uhr

     
    ... allein ist ja schon schlimm genug!
    Nicht, dass sich da jemand auch noch an den Patenten zu gentechnisch manipulierten Pflanzen vergreift! Oder die Profite unerträglich schmälert!
    „Fiat iustitia et pereat mundus“
     

    • QUOTE
    • 16.04.2008 um 15:27 Uhr

    ...auf die Charts der Warenterminbörse Chicago (Java-Applets, das kann eine Weile dauern).Weizen: http://cbotdataexchange.i...Mais: http://cbotdataexchange.i...Reis: http://cbotdataexchange.i...Anklicken und mal die historischen Daten der letzten 5 Jahre auswählen...man sieht sehr schön, wie die Preise umso mehr steigen, je mehr die Immobilien/Finanzkrise Fahrt aufnimmt!Mit anderen Worten: die Aktionäre wurden bereits Ende der 90er über den Tisch gezogen, die US-Immobilienkäufer bis 2007...jetzt geht all das Spekulations- und Blasenkapital der Reichen in Rohstoffe und Nahrungsmittelspekulation und nun muß der REST DER WELT BLUTEN, DAMIT DIE GEWINNERWARTUNGEN DES KAPITALS NICHT ENTTÄUSCHT WERDEN!

    • QUOTE
    • 16.04.2008 um 15:29 Uhr

    Falsch.Es muß heißen: "Fiat LUCRUM et pereat mundus!"

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