Gymnasium „Lehrpläne gehören auf den Müll!“Seite 4/4
Zum Schluss seines Vortrags zitierte Prenzel einen, der es schon 1657 auf den Punkt gebracht hat. Johann Amos Comenius wollte einen Unterricht, „bei welchem die Lehrer weniger lehren und die Schüler dennoch mehr lernen und in der Schule weniger Überdruss und mehr Freiheit und Vergnügen“ sei.
*Schavan merkte an, dass sie den Satz „Schulen schreiben ihre Biografien“ von Reinhard Kahl hat.
- Datum 14.04.2008 - 12:33 Uhr
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- Serie Bildungskolumne
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Hier rühmt sich Frau Schavan, die Lehrpläne abgeschafft zu haben und durch die Bildungspläne ersetzt zu haben. Sie sind dadurch nicht weggefallen. Die Aufgabe, Inhalte zu konkretisieren, haben jetzt die Verlage übernommen. Ob das ein Fortschritt ist?
So so, „Schulen sollten ihre Schulbiografie selbst schreiben“. Und wo nehmen die Schulen die Zeit her im Zeitalter überbordenden Bürokratismus' aka Evaluationswahn? Wenn man mal in die Schulen schaut, gibt es eigentlich keinen Kollegen mehr, der nicht permanent dabei ist, irgendwelche Vergleichsarbeiten zu korrigieren, in Steuergruppen oder Schulvorständen zu ackern, die Ergebnisse von SEIS oder anderen QM-Programmen umzusetzen und sich beinahe halbjährlich ändernde Erlasse in Schuleigene Curricula umzuarbeiten usw. usf. Die Kernaufgaben, Unterricht und Erziehung, sind mittlerweile vielfach Nebensache geworden. Schließlich gilt es gegenüber der Öffentlichkeit, dem Ministerium und der LSchB ein schönes Bild der eigenen Schule zu vermitteln. Der Schein ist wichtiger als das Sein, auch wenn das wohl alles mal etwas anders gemeint war...
Wenn man Reinhard Kahl so liest - weniger Text von ihm wäre mehr - dann könnte man meinen, er wisse, wovon er schreibt. Teilweise ist das auch so. Überwiegend jedoch nicht und schon gar nicht, wenn es in Lobhudelei auf eine ehemalige Landesbildungsministerin ausartet, die als Bundesministerin eigentlich gar nichts zu sagen hat, da "Bildung Ländersache" ist. Sie hat es gerade rechtzeitig geschafft, sich aus dem "Ländle" nach Berlin abzumelden. Es gibt viele Möglichkeiten zu erkunden, was sie hinterlassen hat.Ihr Nachfolger schafft es z. B., in der "Rheinschiene" F als erste Fremdsprache durchzusetzen, was ihm das Verwaltungsgericht dann aber untersagt. Er schafft es aber auch, seinem Ministerpräsidenten entgegenzuhalten, dass eine Kürzung wegen Ärger mit Eltern über G8 im naturwissenschaftlichen Bereich nicht sinnvoll ist. Die Widersprüchlichkeiten, mit denen sich ein Reinhard Kahl natürlich nicht auseinandersetzen muss, gehen aber beliebig weiter.Sein ganzer Text erinnert mich an eine ehemalige Schülerin im zarten Alter von 10 Jahren mir ihrem sehr sebstbewussten Spruch:"Vor Bedienung des Mundwerks Gehirnkasten einschalten".Ehe ich drauflos schreibe, erkundige ich mich erst einmal, wovon ich schreibe, Herr Kahl.Das Internet liefert alle Informationen und als Journalist weiß ich, wem ich vertrauen kann und wem nicht, ich Ihnen jedenfalls nicht. Das schreibt jemand, der schon "unter" dem sechsten Minister "dient".
Mir missfaellt auch, dass Frau Schavan in Der Zeit soviel gelobt wird. Wofuer denn eigentlich? Im Radio, auf Foren, ueberall spricht Frau Schavan enthusiastisch ueber Bildung, am Ende bewirkt sie nichts. Dies ist keine allgemeine Politikerschelte, Frau Buhlman zum Beispiel konnte zwar ihre Ideen nicht gut verkaufen, aber sie hatte welche.
Lehrpläne sind nur soviel wert wie sie die Schüler erreichen. Idealerweise muss ein Lehrplan auf den Schüler ausgerichtet sein. Zu ende gedacht heisst das, für jeden Schüler ein Lehrplan.
Ich rede hier über eine Bildungsstruktur, die in unserer Gesellschaft "noch" nicht möglich ist. Wir sind zu sehr auf Wettkampf, Vergleich und Werte-Hierarchie ausgerichtet.
In einer Wertschätzungsgesellschaft, wie ich sie erarbeite, gibt es die Schule als Institution nicht. Dort lernt jeder Schüler wann und was und wieviel er oder sie will. Der Lehrplan passt sich dem einzelnen Schüler und seinen Begabungen an, und nicht umgekehrt wie bei uns.
Wertschätzungsgesellschaft: www.sikantis.org
Ich vermisse das vernetzte Denken an oberster Stelle.
Theoretisches Wissen um das gute Gelingen verschiedenster Schulen gibt es zur Genüge. Seit Jahren und weltweit. Politische Lippenbekenntnisse, die mir dann als solche erscheinen müssen, da sie nicht aktiv vernetzen, was bekannt ist, leider auch. Vieles klingt gut, verpufft aber ohne nachhaltigen Effekt. Einzelne Aspekte gelangen in eifrige in unterschiedlicher Qualität geführte Diskussionen. Eine Menge Energie wird freigesetzt. Und dann....................
Letztendlich regiert wie immer das Geld, Reformen werden unter dem Deckmantel der Qualitätsverbesserung, z. B. in Schleswig-Holstein die "Profiloberstufe", umgesetzt, sind aber tatsächlich, fast objektiv betrachtet , nichts anderes als schnöde Sparmaßnahme.
Bildung kostet. Zeit und Geld. Solange das System ist, wie es ist suche ich für meine Kinder das Bestmögliche und finde es häufig in privaten Schulen und Kindergärten. Auch da ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber im Idealfall spüren Eltern, dass es hier wirklich um das Kind geht und alles getan wird, damit sich dieses Individium gut und wunderbar entwickeln kann.
Schade, dass Eltern zur Zeit das Gefühl haben müssen, dass sie Kinder zu einem falschen Zeitpunkt geboren haben, da klar ist, dass eine Schulreform, die obwohl unabdingbar nötig, noch nichtmal wirklich in Sicht ist, vor allem erst so spät greifen wird, dass erst nachfolgende Generationen davon profitieren würden. Vorausgesetzt wir haben Glück und die Basis allen Denkens ist das Kind.
Ich wünsche mir eine Lobby fürs Kind unter Beteiligung aller, die mit ihm zu tun haben. Traum oder vielleicht doch Theorie!
Sehr schön ist auch diese abschließende Geste der Eitelkeit, mit der Kahl sich nicht entblödet zu vermerken dass Schavan !! diesen tollen Spruch (wie hieß er doch gleich), von ihm !!!, Kahl!!!!! zu zitieren!!!!!! geruhte. Und das auch noch mit Quellenvermerk.
Die Geschichte amtlicher Schulentwicklung ist fast immer eine Geschichte kurzatmiger, selten über einen Meter fünfzig vorausgedachter, in der Freude des "Ewigen-Musterschüler-Entdeckerglücks" für genial gehaltener "Einfälle".
Wenn man bei der üblichen Schludrigkeit wenigstens einen Blick ins Herkunftswörterbuch geworfen hätte, sollte man doch bemerkt haben, dass Lehren + Lernen derselben Wurzel entspringen und es daher nicht hilfreich ist, die natürliche Gemeinsamkeit gegeneinander zu kehren. LEHREN ist in diesen Unterrichtsvollzugsanstalten so not-wendig wie noch nie. Lehren heißt nämlich: auf einer interessanten Fährte des Lebens mit mitreißendem Vorbild vorauszugehen. Dann würde endlich so etwas wie SOG entstehen in dieser DRUCKereianstalt, die wir - ganz irreführend - immer noch "Schule" nennen. Diese Du-musst-Schule arbeitet mit Druck und, wenn es nicht klappt, mit noch mehr Druck. Druck komprimiert und blockiert WACHSTUM. Wenn die ErDRÜCKungsversuche endlich wieder in ErZIEHung zurückgeführt würden, könnte sich LEBEN entwickeln. Wachstum braucht SOG-Wirkung, das zeigt die neue Ich-kann-Schule schon 30 Jahre.
Solange wir die Grundprinzipien des Lebens in der Schule nicht verstanden haben, ergeben sich aus feierlichsten Worten nur noch perfektioniertere künstliche Konstruktionen; da würde ich lieber mit B.Sterns schlüssigem Hintergrundsbuch "Schluss mit Schule!" sagen. Schon dass Schule nicht weiter das Gegenteil dessen ist, was das Wort bedeutet. Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
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