Gymnasium

„Lehrpläne gehören auf den Müll!“

Hat der Streit um G 8, das um ein Jahr verkürzte Gymnasium am Ende eine reinigende Wirkung auf unsere Schulen? Bildungsministerin Annette Schavan meint: Weniger ist in der Bildung häufig mehr.

Es gibt Leitzordner-orientierte Lehrer, LOL genannt, und die Fächer-orientierten (FOL). Dann gibt es noch eine Gruppe: SOL. Das Wort klingt bei Ursula Duppler-Breth fast wie Soul. Es sind die Schüler-orientierten Lehrer. Frau Duppler-Breth ist eine Veteranin aus dem Landeselternbeirat Baden-Württemberg. Sie beobachtet über die Jahre die Tendenz weg vom Aktenordner hin zum Schüler, langsam und stetig. Aber ist das bereits die Hauptströmung an den Schulen? Eher noch nicht. Neben den Sündern in der Politik und in der Verwaltung macht die Mutter die vielen LOL-Lehrer für die Probleme mit G 8 verantwortlich. „Wenn Sie denen ihre Ordner wegnehmen, dann gibt es einen Aufschrei, den man bis zur Nordsee hört.“

Solches und manch anderes Geschrei übertönt den eigentlich viel spannenderen Diskurs über Schulen, die gelingen. Um über diese stille Revolution zu sprechen, lud das von Ursula Duppler-Breth, Wolfgang Kuert und anderen Elternvertretern aus Gymnasien gründete „Elternforum Bildung“ unlängst nach Bad Honnef. Das Thema: „Wie gestaltet man die Schulzeitverkürzung erfolgreich?“ Zum Vortrag eingeladen waren der für die Pisa-Studie in Deutschland federführende Bildungsforscher Manfred Prenzel und Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Es wurde eine der spannendsten Schuldebatten seit Langem.

Bildungskolumne
Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

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Zunächst allerdings versuchte es ein Herr vom Philologenverband noch mal mit dem schwarzen Mann. Die Kritik an G 8 sei nur ein Vorwand, die „Festung Gymnasium“ sturmreif zu schießen. Wenn sie gefallen sei, käme die große Planierung, die Einheitsschule. Das klingt wie Einheitspartei und nach pädagogischer Kolchose.

Aber solche Sprüche rufen inzwischen auch in den eigenen Reihen hauptsächlich Kopfschütteln hervor. Zum Beispiel von Wolfgang Schimpf, Schulleiter eines Traditionsgymnasiums in Göttingen, das mit Latein und Griechisch immer die Schule für Professorenkinder war. „Aber heute“, sagt Schimpf „gehen in Göttingen 75 Prozent zum Gymnasium.“ Er will die gymnasiale Bildungstradition in eine offenere Schule einbringen und weiterentwickeln. Aber die Leistung? Wo bleibt sie, fragt mancher sofort, wenn fast alle zum Gymnasium gehen? Schimpf bleibt cool. „Im niedersächsischen Abiturranking waren drei der Göttinger Gymnasien an der Spitze.“ Es stimme einfach nicht, dass die Öffnung der vormaligen Eliteschule mit Leistungseinbußen einhergehen müsse.

Bildungsministerin Annette Schavan erinnerte daran, dass schon in den fünfziger Jahren beklagt wurde, zu viele falsche Schüler drängten in die richtige Schule. Damals gingen aber kaum mehr als 5 Prozent eines Jahrgangs zur höheren Schule. Woher, fragte sie, kommt das? Eine Antwort gab sie nicht.

Mit dem Aufhäufen von Spezialwissen stehe sich das Gymnasium selbst im Wege. „Aus einem gebildeten Menschen kann man einen Spezialisten machen, aber aus einem Spezialisten keinen gebildeten Menschen.“ Sie verhehlte nicht, dass sie mit der Unterscheidung in Grund- und Leistungskurse nie einverstanden gewesen sei, weil dies der Paukerei von schnell vergessenem Prüfungswissen Vorschub leiste. Nicht alles, wonach bei Jauch gefragt würde, müsse man gelernt haben. „Nein“, fuhr die Ministerin fort, „in den Schulen muss man von Dingen hören, denen man anderswo nicht begegnet!“ Schüler sollten dem Wissen kennenlernen, aus dem sich weiteres Wissen erschließt, und sie müssten vor allem von der Leidenschaft am Wissen, Forschen und Verstehen, angesteckt werden.

Ohne die Schulen und schon gar das Gymnasium direkt anzugreifen, entwickelte Schavan ihre Idee von Bildung. Es gehe vor allem um Urteilskraft. Urteilskraft ermögliche der Konformität zu widerstehen. Bildung müsse zugleich Selbstbildung sein, zitierte sie den Philosophen Hans-Georg Gadamer und fügte hinzu: „Das ist ein Emanzipationsprozess.“

Annette Schavan kam in Fahrt und beglaubigte mit ihrer Person, dass Bildung ohne Leidenschaft keine ist. Und Leidenschaft wiederum ist ohne Leiden nicht zu haben. Wer alles o. k. findet, kann nicht mehr wünschen. Auch eine ordentliche Prise Subversion gehört dazu. „Wir Rheinländer“, sagte sie, „sind etwas anarchisch.“ Was das in diesem Falle heißt, folgte auf dem Fuße.

„Lehrpläne gehören auf den Müll, wir brauchen Bildungspläne.“ 1950 habe der Lehrplan auf 57 Seiten Patz gehabt, und zwar DIN A5. Daraus wurden im Laufe der Jahre 1000 Seiten auf DIN A4. „Mit dieser Vervielfachung ging aber keine Qualitätsverbesserung einher.“ Als Kultusministerin in Baden-Württemberg veranlasste sie die Reduktion auf die Hälfte. „Das war eine kleine Revolution.“ Jetzt geht sie einen Schritt weiter und verlangt, dass statt detaillierter Lehrpläne vielmehr „Bildungspläne“ verfasst werden. Der Unterschied? Sie addieren nicht den Stoff. Sie beschreiben die Ziele der Schule, modellieren die Kultur der Einrichtung und setzen Standards. Sie beschäftigen sich nicht mehr nur mit dem Was des Lehrens und Lernens, sondern auch mit dem Wie.

Weniger kann mehr sein. So wollte sie eigentlich auch die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre verstanden wissen. Als Kultusministerin in Stuttgart war sie dabei die treibende Kraft. „Ist das Abitur mit 17 oder18 Jahren nicht besser als mit 19 oder 20?“ Sie verzichtete an diesem Vormittag in Bad Honnef auf die üblichen Argumente: Zeitpunkt des Eintritts in den Arbeitsmarkt, Globalisierung und so weiter. Sie appelliert an das Empfinden. Da stimmt doch was nicht, wenn Volljährige, „morgens noch Schüler sind und am Nachmittag schon Erwachsene.“ Das gewonnene Jahr sollte nicht unbedingt dem früheren Eintritt ins Studium oder in den Beruf dienen. „Ist es nicht schön, zwischen Schule und Hochschule ein Jahr lang zum Orientieren zu haben, zum Beispiel für eine Weltreise?“ Es braucht eben auch unverplante Zeit. Beides, Struktur und Freiraum, Lust und auch Anstrengung, Selbst- und Weltverwirklichung seien die Pole von Bildung. „In der guten Schule lernt man seine Stärken und seine Schwächen kennen.“

Annette Schavan plädiert „für eine neue Tonlage in der Bildungsdebatte“ und hat in dieser Rede damit begonnen. „Schulen sollten ihre Schulbiografie selbst schreiben.“ * Im Mittelpunkt stünden die Kinder und die Jugendlichen, nicht die Organisationsfragen des Systems. Jede Schule müsse selbst herausfinden, wie sie zu den besten Ergebnissen komme. Viele Akteure in den Schulen schrieben an diesem Skript mit. Allerdings müsse auch „eine Philosophie der Selbstständigkeit von Schulen“ erst noch geschrieben werden. Die Rede von Selbstständigkeit oder Autonomie der Schulen sei bisher häufig nur eine Ausrede gewesen, die Alltagsbürokratie von oben nach unten zu delegieren.

Schavan verlangt Standards, die definieren, was Schüler können und wissen sollen. Aber dabei denkt sie nicht an den Zitronensäurezyklus, der in manchen Lehrplänen steht, sondern zum Beispiel an die Fähigkeit, Bücher zu lesen und zu verstehen.

Beunruhigt ist Schavan von den Abstiegsängsten in der Mittelschicht. Das Versprechen „Aufstieg durch Bildung“ habe seit den sechziger Jahren bei vielen Einzelnen und der ganzen Gesellschaft zu einem Lernschub geführt. Hingegen führe die heute grassierende Angst vor dem Abstieg zu Verkrampfungen. Wie könnten Abwärtsspiralen wieder zu Aufwärtsspiralen werden? Keine Antwort liegt auf der Hand. Bildung, Soziales und Wirtschaft werden sich jedenfalls nicht mehr trennen lassen. Bildung müsse den Menschen Teilhabe an der Gesellschaft verschaffen, sagt Schavan, „dazu gibt es überhaupt keine Alternative“.

Was kann eine Bundesbildungsministerin dabei ausrichten? Zum Beispiel: „Wie wäre es, wir hätten ein halbes Duzend von Universitäten voller Leidenschaft für die Schule?“ Es war ein Fehler, sagt sie, dass mit Ausnahme von Baden-Württemberg die Pädagogischen Hochschulen aufgelöst und in die Universitäten integriert wurden. „Das war keine Aufwertung, besser wäre es gewesen, sie zu eigenständigen Universitäten zu machen.“

Und was meint die Bundesministerin zu den jetzt zu entscheidenden G-8-Fragen? Sie warnt davor, panisch Unterrichtsstunden im dem verkürzten Gymnasium zu streichen, schon weil das den Schulen Geld und Lehrerstellen raubt. Aber sie plädiert für mehr unverplante Zeit in der Schule. Dann könnten sich die Fehler und Irritationen um G 8 am Ende für die Schulen als reinigende Phase in ihrer Entwicklung herausstellen.

Wie sich die Bildungsdebatte in der neuen von Schavan verlangten und von ihr bereits angeschlagenen Tonlage anhören könnte, zeigt auch der zweite Vortrag in Bad Honnef von Manfred Prenzel. Der Hochschullehrer und Direktor des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel sprach über die „Qualität der Lernzeit“. Er konnte zunächst zeigen, wie nachlässig viele Schulen mit „der Lebenszeit der Kinder“ umgehen. So verlängert sich die Schulzeit durch Sitzenbleiben oder Zurückstellungen in Schleswig-Holstein bei 44,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen um ein Jahr und mehr, aber nur bei 22,7 Prozent in Thüringen.

Noch irritierender ist diese Zahl: Bei 42 Prozent der 15-Jährigen ließ sich nach einem Schuljahr kein Zuwachs in ihren Kompetenzen messen. Wie ist das möglich? „Lehrer wissen oft nicht, was ihre Schüler wirklich können.“ Für Manfred Prenzel drückt sich darin ein Grundproblem in Deutschland aus: „Es wird zu viel gelehrt und zu wenig gelernt.“ Lehrer und Bildungsverwaltung wiegen sich in der Illusion, dass das Gelehrte wie eine Flüssigkeit eingefüllt und dann auch gespeichert würde. Um diese Illusion aufrecht zu halten, wird „durch das kollektive Arrangement, kurzfristig Wissen abzufragen“, viel Zeit und Energie verschleudert. Man kümmert sich zu wenig darum, was tatsächlich bleibt. Also sollte der Stoff erst nach einer zeitlichen Verzögerung geprüft werden.

Prenzel empfiehlt Kanada als Vorbild. Dort arbeitet man seit 20 Jahren erfolgreich am Übergang vom Lehren zum Lernen. Dieser Blickwechsel sei hierzulande noch zu schwach ausgeprägt. Prenzel erlebte erst jüngst, wie die von Lehrern formulierten Aufgaben für Vergleichsarbeiten durch die Bank viel zu schwer waren. „Viele Lehrer sind befangen in ihren Lehrplanwelten.“ Als nachhaltig erweisen sich dann häufig die trivialen Vorstellungen. Der Stromkreis zum Beispiel wird im Laufe der Schulzeit mehrfach behandelt. „Aber am Ende“, so Prenzel, „bleibt oft nur das Verständnis des Grundschülers.“

Zum Schluss seines Vortrags zitierte Prenzel einen, der es schon 1657 auf den Punkt gebracht hat. Johann Amos Comenius wollte einen Unterricht, „bei welchem die Lehrer weniger lehren und die Schüler dennoch mehr lernen und in der Schule weniger Überdruss und mehr Freiheit und Vergnügen“ sei.

*Schavan merkte an, dass sie den Satz „Schulen schreiben ihre Biografien“ von Reinhard Kahl hat.

 
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Leser-Kommentare

    • 10.04.2008 um 21:13 Uhr
    • 12kuma

    Hier rühmt sich Frau Schavan, die Lehrpläne abgeschafft zu haben und durch die Bildungspläne ersetzt zu haben. Sie sind dadurch nicht weggefallen. Die Aufgabe, Inhalte zu konkretisieren, haben jetzt die Verlage übernommen. Ob das ein Fortschritt ist?

  1. So so, „Schulen sollten ihre Schulbiografie selbst schreiben“. Und wo nehmen die Schulen die Zeit her im Zeitalter überbordenden Bürokratismus' aka Evaluationswahn? Wenn man mal in die Schulen schaut, gibt es eigentlich keinen Kollegen mehr, der nicht permanent dabei ist, irgendwelche Vergleichsarbeiten zu korrigieren, in Steuergruppen oder Schulvorständen zu ackern, die Ergebnisse von SEIS oder anderen QM-Programmen umzusetzen und sich beinahe halbjährlich ändernde Erlasse in Schuleigene Curricula umzuarbeiten usw. usf. Die Kernaufgaben, Unterricht und Erziehung, sind mittlerweile vielfach Nebensache geworden. Schließlich gilt es gegenüber der Öffentlichkeit, dem Ministerium und der LSchB ein schönes Bild der eigenen Schule zu vermitteln. Der Schein ist wichtiger als das Sein, auch wenn das wohl alles mal etwas anders gemeint war...

  2. Wenn man Reinhard Kahl so liest - weniger Text von ihm wäre mehr - dann könnte man meinen, er wisse, wovon er schreibt. Teilweise ist das auch so. Überwiegend jedoch nicht und schon gar nicht, wenn es in Lobhudelei auf eine ehemalige Landesbildungsministerin ausartet, die als Bundesministerin eigentlich gar nichts zu sagen hat, da "Bildung Ländersache" ist. Sie hat es gerade rechtzeitig geschafft, sich aus dem "Ländle" nach Berlin abzumelden. Es gibt viele Möglichkeiten zu erkunden, was sie hinterlassen hat.Ihr Nachfolger schafft es z. B., in der "Rheinschiene" F als erste Fremdsprache durchzusetzen, was ihm das Verwaltungsgericht dann aber untersagt. Er schafft es aber auch, seinem Ministerpräsidenten entgegenzuhalten, dass eine Kürzung wegen Ärger mit Eltern über G8 im naturwissenschaftlichen Bereich nicht sinnvoll ist. Die Widersprüchlichkeiten, mit denen sich ein Reinhard Kahl natürlich nicht auseinandersetzen muss, gehen aber beliebig weiter.Sein ganzer Text erinnert mich an eine ehemalige Schülerin im zarten Alter von 10 Jahren mir ihrem sehr sebstbewussten Spruch:"Vor Bedienung des Mundwerks Gehirnkasten einschalten".Ehe ich drauflos schreibe, erkundige ich mich erst einmal, wovon ich schreibe, Herr Kahl.Das Internet liefert alle Informationen und als Journalist weiß ich, wem ich vertrauen kann und wem nicht, ich Ihnen jedenfalls nicht. Das schreibt jemand, der schon "unter" dem sechsten Minister "dient".

  3. Mir missfaellt auch, dass Frau Schavan in Der Zeit soviel gelobt wird. Wofuer denn eigentlich? Im Radio, auf Foren, ueberall spricht Frau Schavan enthusiastisch ueber Bildung, am Ende bewirkt sie nichts. Dies ist keine allgemeine Politikerschelte, Frau Buhlman zum Beispiel konnte zwar ihre Ideen nicht gut verkaufen, aber sie hatte welche.

  4. Lehrpläne sind nur soviel wert wie sie die Schüler erreichen. Idealerweise muss ein Lehrplan auf den Schüler ausgerichtet sein. Zu ende gedacht heisst das, für jeden Schüler ein Lehrplan.
    Ich rede hier über eine Bildungsstruktur, die in unserer Gesellschaft "noch" nicht möglich ist. Wir sind zu sehr auf Wettkampf, Vergleich und Werte-Hierarchie ausgerichtet.
    In einer Wertschätzungsgesellschaft, wie ich sie erarbeite, gibt es die Schule als Institution nicht. Dort lernt jeder Schüler wann und was und wieviel er oder sie will. Der Lehrplan passt sich dem einzelnen Schüler und seinen Begabungen an, und nicht umgekehrt wie bei uns.
    Wertschätzungsgesellschaft: www.sikantis.org

    • 11.04.2008 um 10:17 Uhr
    • Auto66

    Ich vermisse das vernetzte Denken an oberster Stelle.
    Theoretisches Wissen um das gute Gelingen verschiedenster Schulen gibt es zur Genüge. Seit Jahren und weltweit. Politische Lippenbekenntnisse, die mir dann als solche erscheinen müssen, da sie nicht aktiv vernetzen, was bekannt ist, leider auch. Vieles klingt gut, verpufft aber ohne nachhaltigen Effekt. Einzelne Aspekte gelangen in eifrige in unterschiedlicher Qualität geführte Diskussionen. Eine Menge Energie wird freigesetzt. Und dann....................
    Letztendlich regiert wie immer das Geld, Reformen werden unter dem Deckmantel der Qualitätsverbesserung, z. B. in Schleswig-Holstein die "Profiloberstufe", umgesetzt, sind aber tatsächlich, fast objektiv betrachtet , nichts anderes als schnöde Sparmaßnahme.
    Bildung kostet. Zeit und Geld. Solange das System ist, wie es ist suche ich für meine Kinder das Bestmögliche und finde es häufig in privaten Schulen und Kindergärten. Auch da ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber im Idealfall spüren Eltern, dass es hier wirklich um das Kind geht und alles getan wird, damit sich dieses Individium gut und wunderbar entwickeln kann.
    Schade, dass Eltern zur Zeit das Gefühl haben müssen, dass sie Kinder zu einem falschen Zeitpunkt geboren haben, da klar ist, dass eine Schulreform, die obwohl unabdingbar nötig, noch nichtmal wirklich in Sicht ist, vor allem erst so spät greifen wird, dass erst nachfolgende Generationen davon profitieren würden. Vorausgesetzt wir haben Glück und die Basis allen Denkens ist das Kind.
    Ich wünsche mir eine Lobby fürs Kind unter Beteiligung aller, die mit ihm zu tun haben. Traum oder vielleicht doch Theorie!

  5. Sehr schön ist auch diese abschließende Geste der Eitelkeit, mit der Kahl sich nicht entblödet zu vermerken dass Schavan !! diesen tollen Spruch (wie hieß er doch gleich), von ihm !!!, Kahl!!!!! zu zitieren!!!!!! geruhte. Und das auch noch mit Quellenvermerk.

  6. Die Geschichte amtlicher Schulentwicklung ist fast immer eine Geschichte kurzatmiger, selten über einen Meter fünfzig vorausgedachter, in der Freude des "Ewigen-Musterschüler-Entdeckerglücks" für genial gehaltener "Einfälle".
    Wenn man bei der üblichen Schludrigkeit wenigstens einen Blick ins Herkunftswörterbuch geworfen hätte, sollte man doch bemerkt haben, dass Lehren + Lernen derselben Wurzel entspringen und es daher nicht hilfreich ist, die natürliche Gemeinsamkeit gegeneinander zu kehren. LEHREN ist in diesen Unterrichtsvollzugsanstalten so not-wendig wie noch nie. Lehren heißt nämlich: auf einer interessanten Fährte des Lebens mit mitreißendem Vorbild vorauszugehen. Dann würde endlich so etwas wie SOG entstehen in dieser DRUCKereianstalt, die wir - ganz irreführend - immer noch "Schule" nennen. Diese Du-musst-Schule arbeitet mit Druck und, wenn es nicht klappt, mit noch mehr Druck. Druck komprimiert und blockiert WACHSTUM. Wenn die ErDRÜCKungsversuche endlich wieder in ErZIEHung zurückgeführt würden, könnte sich LEBEN entwickeln. Wachstum braucht SOG-Wirkung, das zeigt die neue Ich-kann-Schule schon 30 Jahre.
    Solange wir die Grundprinzipien des Lebens in der Schule nicht verstanden haben, ergeben sich aus feierlichsten Worten nur noch perfektioniertere künstliche Konstruktionen; da würde ich lieber mit B.Sterns schlüssigem Hintergrundsbuch "Schluss mit Schule!" sagen. Schon dass Schule nicht weiter das Gegenteil dessen ist, was das Wort bedeutet. Ich grüße herzlich.
    Franz Josef Neffe

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