BND Afghanischer Minister überwacht
Der BND hat Journalisten bespitzelt, offenbar um vor allem den afghanischen Handelsminister Farhang zu observieren. Der Geheimdienst war deshalb schon 2006 kritisiert worden, BND-Chef Uhrlau steht jetzt unter Druck
Die observierte "Spiegel"-Journalistin war wahrscheinlich nur ein "Nebenprodukt der Observation". Aus Kreisen des afghanischen Geheimdienstes NDS war am Donnerstag in Kabul zu erfahren, Farhang habe im Verdacht gestanden, Verbindungen zu den Taliban zu unterhalten. Farhang hatte sich zuletzt auch in die Befreiung des im Dezember in Afghanistan entführten deutschen Schreinermeisters Harald K. eingeschaltet.
BND-Präsident Ernst Uhrlau muss sich an diesem Donnerstag abermals den Fragen des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste (PKG) stellen. Er soll offenlegen, wann und warum der Bundesnachrichtendienst Journalisten überwacht hat.
Am Donnerstagmorgen hatte die Berliner Zeitung berichtet, dass deutsche Journalisten in Afghanistan möglicherweise auch noch 2007 von deutschen Geheimdiensten ausgespäht worden sind. Damit weitet sich der Fall über die bekannt gewordene Ausspähung einer Spiegel -Reporterin hinaus aus.
Das Blatt zitierte den früheren ZDF-Korrespondenten Ulrich Tilgner. Er berichtet, ein hoher deutscher Diplomat habe ihm im vergangenen Jahr in Kabul gesagt: "Sie müssen verstehen, dass Sie abgehört werden." Der Grund für die Lauschaktion seien telefonische Kontakte gewesen, die Tilgner damals mit dem in Afghanistan entführten deutschen Ingenieur Rudolf Blechschmidt gehabt habe.
- Datum 25.04.2008 - 13:20 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Wenn Thomas Oppermann sagt "Wir werden darauf dringen, dass Journalisten nicht beobachtet werden", dann kann ich nur sagen: "Wie wäre es denn, wenn das PKG den BND so kontrollieren würde, dass der sich einfach deutsche Gesetze hält" - was unsere Verfassung vielleicht auch mit einschließen sollte!?!Nur am Rande wundere ich mich auch, wie selbstverständlich davon gesprochen wird, dass Minister anderer Länder vorsätzlich mit Computerschädlingen infiziert werden. Denn noch laut klingt das Geschrei in meinen Ohren, als vor nicht allzu langer Zeit den Chinesen lautstarkt vorgeworfen wurde, dass sie Viren-Attacken gegen Regierungsstellen fahren würden. Nicht, dass das schon damals sehr nach einem politischen Manöver gegen China aussah - aber jetzt wird die ganze Lächerlichkeit des Medienspektakels evident.Wir leben doch echt in einer Bananenrepublik!F. Mayer
hätte mich auch gewundert, wenn der BND von den Oberen an die Kandare genommen wäre. Ach, wie schön ist es möglichst viele Informationen zu besitzen da spielt es keine Rolle ob es erlaubt ist. Der BND macht es doch seit Jahrzehnten so. Politiker kommen und gehen. Der BND mit seinen Beamten aber bleibt. Wer traut sich den Sumpf des BND zu entwässern um die Mücken der Bespitzelung auszutrocknen. Unsere Staatsschützer lesen auch diese Leserbriefe? Trotzdem wir leben in einem Rechtsstaat und diese Mückenstiche schwellen schnell ab.
alle gehen hinalle mittel sind erlaubtund gewünscht.das wissen auch journalisten.
Abgelaufen seine Uhr / lau seine Aus-Reden.Junge, mach 'ne lange Kur / erwischen tut es jeden!
Brauchen wir etwa einen zweiten Geheimdienst? Das Ganze ist von Orwellschen Dimensionen...
es verwundert nicht dass, trotz permanent anderslautender Beteuerungen aus dem politischen Spektrum die Realität eine andere, weitaus grässlichere ist, wie politisch darzustellen versucht. Hier, in diesem Falle haben wir es mit dem wiederholten und sicher nicht letzten Versuch zu tun, durch Fakten Tatsachen zu schaffen, welche nur in dem Fall einer Reporterin des SPIEGEL oder anderer Medien die öffentliche Aufmerksamkeit erregt.
Es ist zu vermuten das die unerlaubten Handlungen, Amtshandlungen in weitaus größerem Maßstab vollzogen werden, wie durch diesen erneuten Einzelfall belegt; es mag all jenen als Hinweis dienen, welche der wortgetreuen Befolgung der Gesetze durch Angestellte und Beamte des Bundes, der Länder und ihrer Behörden Glauben schenken; es mag auch als Beleg dafür dienen welchem Risiko, neben den artikulierten verfassungsrechtlichen Bedenken wir gegenüber stehen, wenn wir die im Sinne eines "Ermächtigungsgesetzes" den Behörden (BKA) nun zufallenden Kompetenzen zu bewerten haben und verdeutlichen, wie ungehemmt, unkontrolliert und verselbständigt sich diese Behörden (und wahrscheinliche viele andere auch) innerhalb des uns Alle betreffenden Gesetzeswerkes bewegen.
Es ist zudem erstaunlich feststellen zu müssen, dass Herr Urlau nur die parlamentarische Konsequenz ggf. zu ertragen hat, wo das zugrundeliegende Verhalten eine Straftat i.S: StGB beinhaltet - in diesem Falle also erneut konsequenzlos bleiben soll. Dies gilt sowohl für den Fall dass er nichts wusste, wie auch für den Fall dass er es wusste - es zeigt aber auch die Nachsichtigkeit und Einseitigkeit, mit der Gesetze, Verordnungen etc. Anwendung finden, also Recht und Sanktion im Angesicht der jeweiligen Position und Person (un)gesprochen wird und bleibt.
Diese Phase glaubten wir überwunden, nach Kohl, Kanter etc. - aber nein, die Gesetzmäßigkeit des Amtshandelns richtet sich nur gegen die Regierten, Untertanen und Steuerzahler - sie erfasst die Kaste der Politiker nicht, welche sich als Elite wähnen - und bei einer solchen Rechtsanwendung auch sicher weiterhin wähnen dürfen.
Ein weiteres Kapitel, warum Deutsche sich von der erlebbaren Politik abwenden, und zugleich Beleg für die Existenz einer weiteren "Bananenrepublik" nicht nur auf der anderen Seite des Ozeans, wo sie ja ansonsten allzugern vermutet werden.
Das ist dennoch kein Beleg für eine verbrauchte Demokratie oder ihre Unbrauchbarkeit überhaupt, denn ich bin der Meinung nur das Demokratieverständnis der Menschen hier wächst, während die Wahrnehmung demokratischer Pflichten von den Gewährsträgern dieser Demokratie nicht ernst genommen werden, weil zum Teil nicht erkannt, zum Teil bewusst verkannt.
Der elitäre Staat, die Summe seiner Bediensteten im weitesten Sinne hat auch die politische Kaste erfasst - welche sich nachhaltig und täglich erlebbar von diesem Staat, seinen Menschen und Problemen entfernt um Platz zu schaffen für jakobinische Gelüste einerseits und feudale Ansprüchen andererseits; anders ausgedrückt, wir finden dort nun erneut zwar andere Kleider aber den gleichen ewig gestrigen und egoistischen geistigen Inhalt in den Köpfen derer, welche gewählt wurden mit dem Anspruch der Wähler, durch sie die wortgenaue Umsetzung der uns bindenden Gesetzesregeln zu erlauben und zu garantieren.
DAs ist nicht korrekt, bedürfte einer Korrektur, welche in einem Lande wie diesem und der politischen Machtstruktur nicht erreichbar ist.
Non omne quod licet honestum est.
Ja und? Jetzt hat´s mal ein paar Journalisten getroffen... und schon soll die Welt untergehen? Nö. Der Sachverhalt ist kein Stück dramatisch und wird jetzt aus Medien-Eigeninteresse hochgekocht bis zum Erbrechen. Möchte man ein paar Politikern wieder einmal zeigen, wer im Staat - nämlich die Medien - die Hosen anhat?
Wohlgemerkt, die überbordenen Schnüffelei durch staatliche Organe im Inneren ist nicht hinnehmbar. Im Ausland ein paar Berichte von Journalisten abzugreifen erscheint mir dagegen weniger tragisch. In Afgahnistan stehen wir ja nicht gerade in einer langfristigen Auseinandersetzung mit Kaffeklatschtanten.
der bnd hat die aufgabe informationen zu sammeln. schön. mir erklärt sich aber nicht warum er nicht einfach einmal eigene quellen erarbeitet und endlich aufhört schlicht von hartnäckiger, vertrauensbildender arbeit engagierter journalisten gratis zu profitieren. ob herr uhrlau jetzt gehen muss oder nicht wird nichts am vorgehen des geheimdienstes ändern. dann bleibt eben der nächste chef uninformiert.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren