Schulpolitik Sechs Jahre Grundschule schaden nicht

Überraschendes Ergebnis einer neuen Studie: Die sechsjährige Berliner Grundschule ist nicht schlechter als das Gymnasium. Bislang galt das Modell als gescheitert

Seit Tagen macht die Berliner Grundschulstudie „Element“ von sich reden, jetzt wurde sie endlich veröffentlicht – mit einem überraschenden Ergebnis. Salopp gesprochen: Die sechsjährige Grundschule fördert die Schüler nicht besser als das Gymnasium, aber auch nicht schlechter.

Das ist ein anderes Bild, als es in der bisherigen Berichterstattung gezeichnet wurde, auch in der ZEIT und auf ZEIT online . Sie basierte im Wesentlichen auf Äußerungen des Pädagogikprofessors Rainer Lehmann von der Humboldt-Universität, der die Studie im Auftrag des Berliner Senats durchgeführt hat. Der Tenor bislang: Die sechsjährige Grundschule, wie sie in Berlin im Unterschied zu den meisten anderen Bundesländern praktiziert wird, sei an ihren Ansprüchen gemessen gescheitert. Gute Schüler würden dort im Vergleich zum Gymnasium nicht ausreichend gefördert, sie schaffe zudem nicht mehr, sondern weniger Gerechtigkeit.

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Ein Blick in die Studie legt nun aber eine andere Interpretation nahe. Die Untersuchung misst die Leistungszuwächse der Schüler im Lesen und in der Mathematik vom Ende der vierten bis zum Ende der sechsten Klasse. Gemessen wird, was Kinder an den in Berlin üblichen sechsjährigen Grundschulen im Vergleich zu jenen Kindern können, die in der fünften und sechsten Klasse schon eines der wenigen „grundständigen“ Gymnasien besuchen.

Zwar zeigt die Studie, wie zu erwarten war, dass die Leistungen der Grundschüler schwächer sind als die der Gymnasiasten, sind doch die besten Schüler schon nach der vierten Klasse aufs Gymnasium gewechselt. Der Leistungszuwachs in Mathematik und Lesen aber, an dem man den Erfolg einer Schule messen kann, ist in den zwei Jahren an beiden Schularten nahezu identisch!

Leser-Kommentare
  1. Das gleiche Schulmodell ist gut und schlecht? Je nach dem welche Berwertung und Gewichtung angelegt wird, können die gewünschten Ergebnisse erreicht werden.
    Diese Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten sollten die Schüler für die Interpretation ihrer Abschlußzeugnisse auch bekommen. ;-)
    Die Bildungslandschaft wird flexibler werden. Die Unterschiede zwischen EU Ländern sind zu überbrücken, genauso wie der Umzug eines Sechs-klässlers von Berlin nach Bayern, oder von Hamburg nach Hessen.

  2. im Gegenteil, die ist sogar sehr gut. Noch besser sind jedoch die Gesamtschulen.Oder ganz allgemein: Sozialismus ist gut.Das hat die "Wissenschaft" tausendfach (als Ossi wurde ich 10 Jahre mit dieser "Wissenschaft" malträtiert) "bewiesen".Warum nur, warum verdammt noch mal, schneiden die Schüler in den reaktionären Schulsystemen der kapitalistischen Länder besser ab als in den progressiven der guten sozialistischen Länder?Egal, wenn die Praxis die Theorie widerlegt - Pech für die Praxis.

  3. Mir haben 6 Jahre Grundschule auch nicht geschadet. Im Gegenteil. Ich war damals dankbar, dass ich mich nicht schon in der 4. Klasse entscheiden musste, wie es weiter gehen soll.

  4. Ich verstehe diesen Zusammenhang, der vom Autor vorgetragen wirklich nicht. Vielleicht kann einer der Kommentatoren da helfen.Zwar zeigt die Studie, dass die Leistungen der
    Grundschüler schwächer sind als die der Gymnasiasten...Der Leistungszuwachs in Mathematik und Lesen aber, an dem man den
    Erfolg einer Schule messen kann, ist in den zwei Jahren an beiden
    Schularten nahezu identisch!Was denn nun? Sind die Leistungen der Grundschüler nun identisch oder schwächer?

  5. Absolut gesehen sind die Grundschüler schwächer. Das heißt wenn alle den gleichen Test schreiben würden wären die gymnasiasten besser. Das ist aber nicht verwunderlich weil eben nur die absolut besseren eines Jahrgangs schon nach der 4. Klasse aufs gymnasium gehen.Die Leistungszuwächse in den Klassen 5 und 6 waren aber gleich. Das heißt seit der 4. Klasse haben alle gleich viel dazugelernt. Egal ob sie aufs Gymnasium sind oder auf der Grundschule geblieben sind.

  6. Purzelwald. Sehr interessant.Wurden wir doch bisher zugeballert mit der Erkenntnis, dass nicht die Besten, sondern nur die angelich Privilegierten (Konzernchefkinder, in Deutschland leben ca. 13.000.000 Konzernchefs) auf´s Gymnasium gehen. Und jetzt, hast Du nicht gesehen, erfahren wir, dass die Kinder auf dem Gymnasium selbstverständlich besserer Ergebnisse erzielen, weil dort eben die Leistungsstärkeren sind.Sehr interessant, wirklich interessant.

  7. Ich glaube diese Studie müsste man mal im Original lesen. Es scheint schwer zu glauben, daß man auf der Grundschule den gleichen Lernfortschritt wie auf einem Gymnasium machen kann.

  8. wäre interessant, wie die gemessen wurden. Nicht, daß es sich um RELATIVE Zuwächse handelt. Auf beiden Schulen je 20% pro Jahr oder so... 

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