Olympia Gegen Propaganda und KommerzSeite 2/2
Glauben Sie, dass Sie damit das chinesische Regime beeindrucken könnten?
Duplitzer:
Auf die Dauer wird dieses System nicht lebensfähig sein. Die Frage ist: Wie bereiten wir jeden Einzelnen in China darauf vor, was danach kommt? Wir können zeigen, dass wir mit vielen Dingen nicht einverstanden sind. Aber mit einem Lächeln, vielleicht als Bonbon verpackt. Oder drehen wir uns um und überlassen 1,3 Milliarden Menschen sich selbst? Wir Sportler können ein Zeichen setzen.
Und das Zeichen wäre: Einerseits zu Olympia kommen und damit den Dialog anschieben und andererseits nicht zur Eröffnungsfeier gehen?
Duplitzer:
Ja, weil ich zeigen will, dass ich nicht einverstanden bin, was hier für eine Propaganda aufgefahren wird. Ich stelle mir eine Eröffnungsfeier so vor: Ein kleines Kind läuft mit Kerze herein, wir Sportler hinterher, man macht das Ding an und Tschüss. Das kann man nur leider im Fernsehen keiner Firma verkaufen.
Was sagt denn Ihre Teamkollegin und Sinologin Britta Heidemann zu Ihrer Einstellung?
Duplitzer:
Wir haben einen regen Austausch. Wir waren gestern mit chinesischen Freunden von ihr essen, wir haben uns sehr lange unterhalten. Sie hört mir in vielen Sachen zu und ich lerne auch von ihr. So soll es ja auch sein. Man sollte voneinander lernen.
Der Chinaaufenthalt scheint auch Ihrer Form förderlich zu sein …
Duplitzer:
… Momentan geht es mir sehr gut, und das sieht man auch meinem Fechten an. Ich habe einen inneren Frieden gefunden, ich habe sechs buddhistische Bücher des Dalai Lama gelesen. Man geht danach ein bisschen unbeschwerter durchs Leben.
Werden Sie sich jetzt noch Peking ansehen?
Duplitzer:
Ich gehe jedenfalls nicht auf Schnäppchenjagd. Ich werde auch die Gastfreundschaft dieses Landes nicht so super lange beanspruchen. Ich komme in diesem Jahr drei Mal hierher, das ist lange genug. Es ist nett hier, aber ich glaube nicht, dass ich zu einem Parteifunktionär auf ein Tässchen Kaffee gehen würde.
Die Fragen stellte Benedikt Voigt für den Tagesspiegel.
- Datum 21.04.2008 - 03:35 Uhr
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Kleine Vorschau auf den folgenden Film gefällig? Demnächst in diesem Theater...:
"Duplitzer, wie viel Geld hast du von Dalai Lama bekommen?"
"Duplitzer hat 1,3 Milliarden Menschen beleidigt."
"Soll sie doch vor ihrer eigenen Tür kehren!"
"Italienische Mannschaft boykottiert Eröffnungsfeier - Berlusconi läuft die Runde allein!"
Mein Fernseher bleibt aus!
Wogegen eigentlich wollen die Leute protestieren.-Dagegen dass sich die Menschenrechtslage in Tibet in den letzten sieben Jahren erheblich verbessert hat und es dort praktisch keine Toten mehr gibt-oder gegen die etwa hundert Toten, welche der gewaltsame Protest der Tibeter bisher zur Folge gehabt hat?
Gegen diktatorische Unterdrückung!.....und gegen den Kommerz?Bitte berichtigt mich, aber der Kommerz ist doch eigentlich ...wie lange? ...schon immer! ein Bestandteil der modernen olympischen Spielen. Wollten die Athleten und Zuschauer diesen Aspekt der Spiele protestieren, hätten sie es schon immer, bei jeder Eröffnungsfeier tun müssen.Ein anderer Punkt: Frau Duplitz trennt Sport und Politik. Ich sage, dass ist nicht möglich, und behaupte, dass weiß sie auch. Sie kann so oft und so laut gegen das chinesiche Regime klagen, allein ihre Teilnahme an den Spielen macht das alles wieder nutzlos. Einbisschen Protest, einbisschen Provokation, das wars. The show goes on.Kosequenter wäre ein Boykott gewesen (konsequenter im Sinne von provokativer). Aber das hätte sie nicht gemacht, das wäre gegen den "Sportsgeist" gewesen (und es wäre wohl ein zu großes Opfer gewesen). Die Eröffnungsfeier zu boykottieren tut niemandem weh, (auch den Athleten nicht), also bitte nicht soviel heiße Luft, für sowenig Aktion.
Ist Frau Duplitzer klar?-dass sie mit ihrer Haltung Partei ergreift, für einen gewaltsamen Protest, -der bereits hundert Todesopfer gekostet hat -und dessen Leiterin* weitere Tote ankündigt?--Stand das vielleicht in den Büchern des Dalai Lama, die sie gelesen hat?--* Frau Freya Putt im Zeit-Interview vom 15. April 'Es werden wieder Tibeter sterben'
Der Kommerz war Bestandteil der olympischen Spiele, ja...Nun ist aber der Kommerz der Grund und der alleine Ausrichter dieser Spiele. Alles muss sich nach der Wirtschaft richten...Naja, und was Tibet angeht, da ist schon genug geschrieben worden. Die unqualifizierten Beisträge von Martin142 müssen nicht unbedingt immer wieder kommentiert werden.
@6Herr (oder Frau) bspiesser,es ist bezeichnend, wie Sie der Frage ausweichen, ob Sie mit Ihrer Haltung das Töten von Menschen unterstützen.-Es ist ja auch viel leichter, Tote als 'unqualifiziert' abzutun, als sich mit dem eigenen Gewissen zu befassen.-Mit freundlichen GrüßenMartin Berger
Hallo Herr / Frau Gariban,
ich möchte Ihren Beitrag voll unterstützen. zum Text des Interviews, Abschnitt "dieses System wird nicht überleben..." noch ein Hinweis. Wer sich mit unserer Welt außerhalb (und auch innerhalb) Europas ernsthaft beschäftige, wird feststellen, dass es sehr viele Länder gibt, in denen "Einparteisysteme" verschiedenster, auch nicht kommunistischer Art gibt, die nicht dem Untergehen bevorsteht, da es eine Mittelschicht gibt, die sehr gute Lebensbedingungen hat. Diese Mittelschicht interessiert sich nicht für die Teile der Menschenrechte, die hier immer wieder betont werden. Sie stützen die bestehenden Systeme, auch da sie ihnen Ihre Vorherrschaft sichern.
un saludo cordial
Jesús
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