Menschenrechte

Pflicht zur Einmischung

Tibet, Simbabwe, Darfur: Menschenrechtsverletzungen sind keine „innere Angelegenheit“. Doch wo liegen die Grenzen der „humanitären Intervention“?

Es war eine wichtige, eindrucksvolle Rede, die der Papst am vergangenen Freitag vor den Vereinten Nationen gehalten hat. Nachdrücklich hat er die universelle und absolute Geltung der Menschenrechte verteidigt – in einem Moment, da dem Westen einmal mehr vorgehalten wird, er wolle seine Sicht der Dinge dem Rest der Welt aufdrängen. In Tibet zum Beispiel, oder in Simbabwe.

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„Wunderbar“ sei diese Rede gewesen, schwärmt ein europäischer Diplomat in New York. Der Papst habe „alle Prinzipien, für die die Weltorganisation steht“, in Erinnerung gerufen. Benedikt XVI. hat aber nicht nur die Universalität der Menschenrechte unterstrichen. Er hat auch daran erinnert, dass es Konsequenzen haben müsse, wenn ein Staat seine vornehmste Pflicht verletze, die eigene Bevölkerung vor „schweren und andauernden Verletzungen der Menschenwürde zu schützen“. Dann habe die internationale Gemeinschaft nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht zur „humanitären Intervention“.

„Eine solche Intervention sollte nie als unerwünschte Einmischung oder als eine Beschränkung der Souveränität betrachtet werden“, argumentierte der Papst, „vorausgesetzt, sie erfolgt nach den Prinzipien der internationalen Ordnung. Im Gegenteil, Scheitern oder Passivität richtet wirklich Schaden an.“

Manchem Delegierten im Saal der UN-Vollversammlung müssen bei diesen Worten die Ohren geklungen haben. Länder wie China halten das Prinzip der Nichteinmischung in der internationalen Politik bis heute für das höchste aller Güter. Doch das Völkerrecht hat sich seit dem Ende des Kalten Krieges weiterentwickelt. Die „neue Weltordnung“, von der mancher damals träumte, ist zwar nicht entstanden. Aber die Bereitschaft zur Einmischung ist gewachsen, nicht zuletzt als Reaktion auf den Völkermord in Ruanda 1994. Damals standen Friedenstruppen der Vereinten Nationen im Land. Als das große Morden begann, wurden sie abgezogen. Es war die schwärzeste Stunde der Weltorganisation.

Aus ihrem damaligen Versagen hat die Staatengemeinschaft die Lehren gezogen. Völkermord, Massenvergewaltigungen oder andere schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind heute keine „inneren Angelegenheiten“ mehr.

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Leser-Kommentare

  1. Ein Papst kann sich auch irren lassen, z. B. durch eine falsche Informationsquelle. Er soll gut wissen, dass in Asia anderes Glauben, andere Philosophie und auch anderer Gott existieren. Er ist nur ein Papst in Europa und für Europa, aber kein Papst für Asia.

  2. Toll, der Papst ist auch gegen Empfängnisverhütung, Abtreibung und Zöllibat. In welch einer wunderbaren Welt wir leben würden, wenn wir uns alles nach dem Papst richten würden!

  3. Die Europäer und später USA haben sich in der Geschichte oft versuchen, irgendwo einzumischen. Die Kreuzzüge wurden auch durch eine Rede des Papstes initiiert. Die Europäer haben darauf hin gege Osten gekämpft, wohl aber in den eigenen Machtinteressen. Tote und Elend waren die Folge.
    Im kalten Krieg hat vor allem USA überall eingemischt und viele Diktatoren unterstützt, bis das USA zu teuer geworden ist. Es geschah im Namen der Freiheit und bracht Elend für viele Länder.
    Wen wollen sie jetzt schon wieder unterstützen?

    • 24.04.2008 um 8:51 Uhr
    • Taiwanese

    ist fuer die Christen aller Welt (auch Asien) das Oberhaupt der Kirche. Gut ist dass er deutliche Worte in Sachen Menschenrechte findet und diese gelten fuer alle Menschen auch fuer solche die meinen keinen Glauben zu besitzen. @SharepointWelchen anderen Gott meinen sie?

    • 24.04.2008 um 9:00 Uhr
    • noanswer

    heisst das. dazu gibt's ein lächeln in kreuzigungspose. so richtig zum wohlfühlen. wellness für die geplagte seele. in der wirklichen welt heisst das kitsch.

  4. Die moralische Autorität des Papstes? Der von Josef Ratzinger, oder die der katholischen Kirche? Der Päpste, die sich alle paar Jahre mal irgendwo für irgendwas entschuldigen - für Wissenschaftsfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Inquisition, Pädophilie ... ? Woher sollte die kommen? Warum nicht die moralische Autorität von Brad Pitt? Und denen, der katholischen Kirche, geben wir jetzt die Machtmittel, sagen wir, der US-Armee an die Hand. Na prima.Stellen Sie sich vor, 3,5 Milliarden Menschen in China, Indien und Indonesien beschließen, daß die deutsche Autoindustrie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist - sie vergiftet die Zukunft der Kinder. Und sie marschieren hier mit US-Truppen mit UNO-Mandat ein, da wir die nicht freiwillig schließen.Theo Rem

  5. Du hast dich nicht umsonst als Taiwanese bezeichnet, jedenfalls hoffe ich so sehr. Mein persönlicher Eindruck sagt mir aber, dass Du die Asia überhaupt nicht kennt. Der Gott in Asia ist Buddha, und der Papst soll es auch wissen.

    • 24.04.2008 um 9:25 Uhr
    • Taiwanese

    Nun da sind wir ja schon weiter. Gehen wir noch einen Schritt und fragen was ist Buddha. Nach dem Buddhismus ist jeder Buddha, nur dass er das in diesem Leben vielleicht noch nicht erkannt hat. Daher der Abbau des Karma und nicht der Aufbau fuehrt so Schritt fuer Schritt zum Pfad der Erleuchtung. Deswegen liesse sich nach dem Buddhismus und auch Daoismus die Goettlichkeit in einem selbst nicht durch Verbrechen an Menschen in Einklang bringen.Das hoechste Verbrechen im Buddhismus welches man begehen kann ist die Zerstoerung des Buddhas und seiner Tempel. Also siehe Tibet (der Buddha ist ein und derselbe) fuer die Zerstoerung von 6000 Kloester ist damit ein Beispiel fuer die hoechste Strafe nach dem Buddhismus die zur ewigen Verdammnis fuehrt.Uebrigens um Buddhismus zu verstehen braucht man nicht nach Asien weil dieser im Westen blueht und gedeiht.Philosophisch betrachtet ist der Gott, Buddha, Jahwe ein und dasselbe. Eine Trennung von Goettlichkeit gibt es nicht.Mfg

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  • Von Matthias Naß
  • Datum 4.11.2008 - 07:18 Uhr
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