Union "Die CDU läuft der Linkspartei hinterher"
Vier Jahre nach seinem Rückzug meldet sich Friedrich Merz wieder zu Wort – und warnt seine Partei im Gespräch mit der ZEIT vor einem Wohlfühlkurs
Nur wenige Politiker können so laut schweigen wie Friedrich Merz. Die meisten reden viel, bei anderen vermisst man nichts, wenn sie keine Interviews geben.
Das ist bei Merz anders. Seit er 2004 seine Ämter in der CDU aufgab, nur noch einfacher Abgeordneter ist und Talkshows und Interviews meistens absagt, ist die Position des prominenten, rhetorisch versierten CDU-Ordnungspolitikers vakant. Heute käme keiner auf die Idee, Beschlüsse der CDU-Gremien zu bejubeln als »Anfang vom Ende der Sozialdemokratisierung der Union«. Merz hatte so im November 2003 die Reformideen der Union für das Steuer- und Gesundheitssystem kommentiert. Strahlend stand er damals vor der CDU-Zentrale, es war einer seiner stärksten Auftritte.
Inzwischen fehlen nicht nur Personen, sondern auch Anlässe für solche Sätze. »Beide Volksparteien machen den Fehler, der Linkspartei und ihren Parolen hinterherzulaufen, statt sich ihnen mutig und beherzt in den Weg zu stellen«, sagt Merz jetzt im Gespräch mit der
ZEIT
.
Er ist noch immer überzeugt, dass die Union mit stärkerem Reformwillen mehr Wähler anziehen würde. »Natürlich stimmt das alte Schema >Freiheit oder Sozialismus< nicht mehr. Aber die CDU müsste sich klar positionieren und kämpfen, damit es für ihre Positionen Mehrheiten gibt. Das ist momentan nicht der Fall. Es müsste der Partei viel mehr zu denken geben, dass ein Absturz der Sozialdemokraten, über den ich per se schon keine Schadenfreude empfinden kann, praktisch keine Wirkungen hat auf die Umfrageergebnisse der CDU.«
Ein Besuch im Abgeordnetenbüro von Merz hat etwas von einer Reise in eine andere Zeit, in die Jahre der Reform-CDU. Auch er hat sich äußerlich seitdem kaum verändert, neu ist nur, dass er diesmal von seinem ersten Enkelkind erzählt.
»Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mit der Grundausrichtung der CDU nicht mehr einverstanden bin«, sagt er dann. »Wobei ich für mich in Anspruch nehme, dass nicht ich mich geändert habe, sondern die CDU in der Regierung überwiegend das Gegenteil von dem tut, was wir vorher gemeinsam beschlossen haben. Ich akzeptiere, dass das so ist, und bitte nur zu akzeptieren, dass ich meinerseits daraus Konsequenzen ziehe. Meine Fähigkeit, mir das Kreuz zu verbiegen, nur um in der Politik zu bleiben, ist unterentwickelt.«
- Datum 23.04.2008 - 08:44 Uhr
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dass ein Mann wie Freidrich Merz so kaputt gespielt wurde. Seine Linie ist wohl die einzige, die momentan realistische Antworten auf die dringenden Fragen geben könnte. Würde er eine eigene Partei gründen, die sich zwischen SPD und CDU einordnet und als wirkliche Reformpartei fungieren würde, meine Stimme hätte er.
...Friedrich Merz war wohl der Bierdeckel, auf dem nach seinem Vorschlag zukünftig die Steuererklärung eines jeden Einzelnen passen sollte und mit dem er wohl Heerscharen von Steuerberatern und Steuerfachanwälten vor den Kopf gestoßen hätte...
Friedrich Merz ist schlicht und einfach eine lächerliche Person, und wenn er dem Bundestag ab 2009 nicht mehr angehören wird, ist das ein Gewinn für ganz Deutschland. Wie soll jemand ein objektives Abgeordnetenmandat ausführen, wenn er in den Aufsichts und Verwaltungsräten von zig Unternehmen sitzt und die gehälter für diese Tätigkeiten nicht mal offenlegen will? Im Beamtenapparat würde man derartiges Verhalten als korrupt bezeichnen, und jemand der die Gesetze macht, den dieser Beamtenapparat auszuführen hat, kann sich ein derartiges Verhalten erlauben?Und wenn Herr Merz ein privatfinanziertes Krankenversicherungssystem vorzieht, sollte er sich vielleicht mal die Umsetzung dieses Systems beispielsweise in den USA ansehen. Aber klar, wenn man genug Geld (Nebeneinkünfte) hat, dann wird man auch nicht in die Situation geraten, die Beiträge nciht mehr zahlen zu können... Aber lassen wir doch diejenigen, die eh wenig haben, am besten gleich vor die Hunde gehn!
Den Vergleich der innerparteilichen Situation von Ottmar Schreiner und Friedrich Merz finde ich ziemlich gewagt!Tatsächlich repräsentiert Ottmar Schreiner die "klassische Sozialdemokratie" ( also Werte mit denen - mindestens 1998 - eine Bundestagswahl gewonnen wurde ) wohingegen Friedrich Merz eben nicht die origänren Werte der Union vertritt - z.B. die soziale Marktwirtschaft ( im Geiste der katholischen Soziallehre und des Ordoliberalismus der "Freiburger Schule" ). Friedrich Merz hat sich vielmehr klar davon abgewendete und wollte einen wirtschaftliberalen Reformkurs im Sinne von M. Friedman und von Hayek. Die Postitionen von Merz traf temporär den Zeitgeist, war aber nie wirklich Mehrheitsfähig!Ganz unabhängig von der eigenen politischen Meinung sollte man diesen Unterschied zwischen Schreiner und Merz schon sehen.
Wer forderte vor Jahren Reformen? Wer finanziert die WASG? Wem nützt das Politiktheater? Und würden wir selbst der Verlockung widerstehen können?Demokratie ist die Macht des Kapitals. Und solang es in Deutschland an einer effektiven Kontrollfunktion fehlt, werden die Lobbieisten weiter so frei agieren können. Es geht nicht darum Lobbieisten herauszuhalten. Es geht auch nicht darum auf das Kapital zu schimpfen. Der Mensch ist nunmal ein egozentrisches Wesen. Es geht um ein effektiven 'Gegenspieler', um ein Gleichgewicht zwischen den Interessen Einzelner und der Masse herzustellen. Dies würde ich in einer Ausbremsung der Entscheidungszeit des gesetzlichen Entwicklungsprozesses sehen, wie es z.B. in der Schweiz praktiziert wird. Wo zwischen Gesetzesvorschlag und der endgültigen Entscheidung Jahre/Jahrzehnte ins Land gehen. Es würde die Mündigkeit jedes Einzelnen fördern und Extremen vorbeugen. Wie sagt man so schön, gut Ding braucht Weile. "Das ist das Geheimnis der Propaganda; den, den die Propaganda fassen will, ganz mit den Ideen der Propaganda zu durchtränken, ohne dass er überhaupt merkt, dass er durchtränkt wird." (J.G. 1933)
Nach den sich ständig steigenden Niederlagen für das Neo - Liberale Lager, zu dem in verstärktem Maße auch Friedrich Merz zählt ( er ist an maßgeblicher Stelle der INSM engagiert) ist die Lobby gefordert. Es ist schon müssig, sowohl für Frau Niejahr als auch für Merz, darüber nachzudenken, ob es einen Linksruck gibt oder nicht. Tatsache ist, dass in Krisensitzungen des BDI/BDA und des DIHK der " Linksruck" themantisiert wurde. Tatsache ist leider auch, dass die Klientel, der Herr Merz angehört, hier ein fast schon pathologisches Wahrnehmungsproblem hat. Es ist durchaus bezeichnend, wenn ein Heinrich Weiss - früherer BDI - Präsident sich sorgenvoll über die gegenwärtige Situation äußert. Nur ist Weiss unverdächtig, irendwelchen linken Strömungen anzugehören, wenn er jedoch kritisiert, dass man Unzufriedenheit in der Bevölkerung ernst nehmen müsse, sollte das in der Politik ja mindestens so aufmerksam registriert werden. Aber... leider Fehlanzeige. Zu hoch entwickelt ist Merz`s Vorliebe für seine eigenen Vorteile, die er mit Hilfe seiner Lobby in die Politik eingebracht hat und wovon er über Gebühr selbst enorm profitiert.Ich würde doch sehr empfehlen, im Manager Magazin einmal unter dem Titel SUPERKAPITALISMUS nachzulesen, welche Nachdenklichkeiten dort von einer Reihe honoriger Personen zu Papier gebracht wurden.Solitaire
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