Post Streiken fürs ImageSeite 2/2

Es riecht nach Inszenierung. Ver.di könnte durch einen harten Arbeitskampf ihre Unabhängigkeit unter Beweis stellen wollen, die Post mit ihrer Forderung nach etwas längerer Arbeitszeit zeigen wollen, dass das Geschäft auch für einen Nochfastmonopolisten nicht einfach ist. Alles Unterstellung? Vielleicht, doch zu dem früheren engen und geräuscharmen Umgang der beiden Kontrahenten mag der schrille Ton dieser Tage nicht so recht passen.

Der Kunde wundert sich – und wendet sich ab. Vor Jahren wäre durch einen unterbrochenen Briefverkehr noch eine wichtige Infrastruktur stillgelegt worden. Aber ehrlich: Wie viel Briefe bekommen Sie heute noch pro Tag? Die meisten Unternehmen kommunizieren elektronisch, viele Privatleute ebenfalls, Versandhändler nutzen notfalls andere Kurierdienste, die Rechnung der Stadtwerke darf ruhig einmal einige Tage warten, und TNT gibt es ja auch noch, für eilige Liebesbriefe.

Vielleicht wird es spannender, wenn wirklich der große Poststreik kommt. Wenn er denn kommt.

 
Leser-Kommentare
    • KFlash
    • 23.04.2008 um 14:19 Uhr

    Bei mir kommt 2 mal im Monat echte Post. Das eine ist meine Handyrechnung, die sieht Monat für Monat gleich aus, und die andere ist die Gehaltsabrechnung. Da ist auch keine Überraschung da.Neben den 2 wichtigen Sendungen kommt ansonsten nur Papiermüll in Form von Werbung (die meistens nicht von der Post verteilt wird). Der geringe Anteil adressierter Werbung der von der Post verteilt wird darf ruhig warten.Die einzigen die wirklich betroffen sind, sind EBay Händler die auf die Post setzen. Beim Paketversand ist die Post durch ihr (schrumpendes) Filialnetz tatsächlich den anderen Anbietern überlegen - im Falle man kann die Sendung beim ersten mal nicht entgegen nehmen.Aber ansonsten - ein recht bedeutungsloser Streik. Vorallem da 5,5% wirklich kein Kampfgrund sind. Aber ich komme auch aus einer Gegend wo kaum jemand Tariflohn bekommt (sondern deutlich weniger!).

  1. Die Post wird wohl auch in Zukunft noch genug zu transportieren haben. Jedenfalls so lange wie man die Pakete noch nicht beamen kann.

  2. Ich finde das sich eigentlich jeder Arbeitnehmer mit den Streiks von anderen Branchen befassen muss und sich nicht nur hinter vorgehaltener Hand verständlich zeigen soll. Bemühungen um bessere Arbeitskonditionen fallen schliesslich nicht einfach so vom Himmel, das wussten schon unsere Vorfahren im letzten Jahrhundert. Ignoranz von Streiks und deren Ziele schädigt eigentlich ja alle Lohnempfänger... Ich bin bis jetzt eigentlich ganz gut ausgekommen mit den kollektiven Arbeitsverträgen zwischen Gewerkschaftund Arbeitgeber, in diesem Fall die Maschinenindustrie... Ich bin deswegen auch nicht einem minimal Lohn ausgesetzt, noch irgendeinem garstigen Arbeitgeber... und oh Wunder der Branche geht es deswegen nicht mal schlechter... Im Gegenteil. Die gemeinsam ausgehandelten Konditionen einer Branche gewährleisten auch Koordination zwischen allen Beteiligten wie etwa in der Ausbildung.Darum, Streik ist manchmal nötig.

  3. ... und sich seine geistige Nahrung immer noch beim freundlichen Buchhändler um die Ecke besorgen. Ich für meinen Teil bestelle inzwischen 95% meines Lesefutters beim größten Internetbuchhändler, und das seit nunmehr 10 Jahren. Wöchentlich erhalte ich 1 bis 2 Bücherlieferungen, und zwar per Deutsche Post bzw. DHL. Ein Streik würde mich, und sicherlich viele andere auch, sehr wohl treffen. Mein Postbote, mit dem ich fast immer ein paar Minuten Schwätzchen halte (ich bin einer der letzten auf seiner Tagestour) und der seit über 30 Jahren "in dem Geschäft" tätig ist, betont immer, dass das Arbeitspensum stetig zunehme, aber personalmäßig werde weiter abgebaut.

    • bierus
    • 24.04.2008 um 0:55 Uhr

    Wofür gibt es Hermes, LLS usw usf.? Beide genannten Unternehmen haben dankenswerterweise ca. 100 Meter von meiner Haustür entfernt Servicepartner bei denen ich all meinen Kram  abliefere. Nur zum Vergleich, die grandiose Post AG hat vor einigen Jahren den ca. 500 Meter entfernten Briefkasten abgeschraubt. Nunmehr müsste ich etwa einen Kilometer laufen. Und natürlich vorher im 2,5 km entfernten Postamt Briefmarken kaufen. Es darf nun also geraten werden wem ich wohl den Vorzug gebe.

    • GF
    • 24.04.2008 um 12:16 Uhr

    Seitdem bei der Zeit nurmehr Bertelsmänner schreiben verändert sich anscheinend auch die Ausrichtung, von ehemals liberal hin zu wirtschaftsliberal.Wie ich dazu komme? Selbst in einem Kommentar sollte man ein paar Fakten einfließen lassen:1. Verdi und die Post verhandeln seit Anfang März über einen neuen Tarifvertragaber erst in der Nacht von 11 auf 12. April also nicht nur literarisch um 5 vor 12 hat der Arbeitgeber ein Angebot gemacht.2. Wer rechnen kann ist klar im Vorteil, dieses Angebot auf der Lohnseite bedeutet bei der momentanen Inflationsrate (die nach oben zeigt) 2% weniger Reallohn pro Jahr, vielleicht vertretbar in wirschaftlich schwierigen Zeiten, aber die Post wirft Jahr für Jahr fette Gewinne ab.3. Was das Anheben der Arbeitszeit angeht ist das auch nur ein weiterer Versuch mit weniger Arbeitern dieselbe Arbeit zu bewältigen, ergo Arbeitsplatzabbau, wobei die Post seit ihrer "Privatisierung" 1994 bereits 100000 Arbeitsplätze abgebaut hat, Privatisierung kann man es eigentlich nicht nennen da der Staat über verschiedene (Stroh-) Insitutionen wie KWF noch über 50% der Aktien hält.Konklusio?Selber denken macht schlau, Kommentare verdummen nur weiter.Gf

  4. Also nachdem ich einen besseren Einblick, nur eine Ankündigung am 2.Mai geht es großflächig los!Und alle die gerne bei Hermes und Konsorten sich bedienen, werdet glücklich damit. Kauft bei Billigheimern und wundert euch nicht wenn ihr plötzlich in der Pampa einkaufen müsst ihr euch das dafür nötige Auto aber mit ALG II plötzlich nicht mehr leisten könnt.Ich bin reumütig zur Telekom zurückgekehrt, weil keinen Service bekomm ich überall. Nur die kompletten Kosten nach Nutzung sind dort für mich noch höher.

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