Schock in der Morgenstunde! Die ganze Nacht lang haben Postbedienstete in den Infopost-Depots in Köln und Essen die Arbeit niedergelegt. Mit gruseligen Folgen: An Rhein und Ruhr werden an diesem Mittwoch mehrere Tonnen Kataloge, Werbebriefe und Infobroschüren nicht ihre Empfänger erreichen. Der Bürger schaudert.

Was für ein merkwürdiger Arbeitskampf. Die Post und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di streiten darum, wie 12.500 Bedienstete in Zukunft entlohnt werden sollen. Die Post bietet  5,5 Prozent mehr Lohn über zwei Jahre und einen verlängerten Kündigungsschutz bis zum 30. Juni 2011, fordert im Gegenzug allerdings eine Verlängerung der Arbeitszeit – von 38,5 auf 39 Stunden pro Woche, also sechs Minuten pro Tag. Ver.di lehnt das ab und verlangt 7 Prozent mehr Lohn für zwölf Monate.

Die Fronten sind verhärtet, an diesem Freitag will die Gewerkschaft zur Urabstimmung schreiten. Vom 2. Mai an könnte dann bundesweit und unbefristet gestreikt werden.

Doch was ist da wirklich los bei der Post? Hatten die Unternehmensführung und die Gewerkschaft nicht eben noch fein einvernehmlich die Konkurrenz beim Thema Mindestlohn aus dem Feld geschlagen? Nie zuvor hatte man eine solch schnelle und geräuschlose Einigung zwischen zwei Tarifpartnern erlebt. Und nun schärfste Konfrontation?