Koalitionen Schwarz-Grün für Deutschland
Nach dem Abschluss ihres Bündnisses in Hamburg liebäugeln Politiker von CDU und Grünen mit der neuen Machtoption auch für den Bund. FDP und SPD reagieren beleidigt
Dass Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende, und Renate Künast als Anführerin der Grünen, nun überschwänglich und mit offenen Armen aufeinander zu gehen, nur weil ihre Parteien in Hamburg erstmals eine Koalition auf Landesebene vereinbart haben, wäre wohl ein bisschen viel verlangt. Dafür haben die beiden Parteien zu viele Jahre gegeneinander gearbeitet, sich gegenseitig Verletzungen und Boshaftigkeiten zugefügt.
Deswegen verwunderte es auch nicht, dass die Kanzlerin nach dem Vertragsabschluss an der Elbe sofort erklärte, eine schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Bundesebene sei aus ihrer Sicht "sehr unwahrscheinlich". Auf keinen Fall werde sie im nächsten Bundestagswahlkampf für Schwarz-Grün im Bund kämpfen, sagte Merkel.
Fast wortgleich klang das bei Künast, die im Interview mit den ARD-
Tagesthemen
am Donnerstagabend nicht so recht zu wissen schien, ob sie nun die schwarz-grüne Koalitions-Schalmei spielen oder auf Distanz bleiben sollte. Jedenfalls versicherte auch sie, dass die Grünen eine Koalition mit der CDU 2009 auf Bundesebene "natürlich" nicht anstreben würden. Aber, und das war interessanter: Ausschließen wollte sie auch nichts, weder Jamaika, noch Schwarz-Grün, noch Rot-Rot-Grün.
Künasts designierter Co-Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, ging sogar noch einen Schritt weiter. Der erfahrene Parteilinke listete bereits die Konditionen für eine schwarz-grüne Koalition im Bund auf: "Wenn ich mit Frau Merkel beispielsweise einen Mindestlohn einführen und Atomkraftwerke abschalten kann, warum soll ich dann nicht mit ihr koalieren?", sagte er in aller gespielten Unschuld.
Parteichef Reinhard Bütikofer hatte dagegen zuvor Wert darauf gelegt, dass ein schwarz-grünes Bündnis in Hamburg keine Bedeutung für den Bund habe. "Die Union ist in vielem von gestern. Ihr Abstand zu uns Grünen ist auf Bundesebene sehr groß", sagte er. Fast gleichlautend sagte CSU-Chef Erwin Huber: "Das hat über die Stadt Hamburg hinaus keine Signalwirkung, weder für die Landes- noch für die Bundespolitik." Gemeinsame Politik brauche inhaltliche Schnittmengen und eine persönliche Vertrauensbasis, und beides sei mit den Grünen nicht machbar.
Allerdings mehren sich in der Union bereits die Stimmen, die fordern, offensiv auf die Grünen auch im Bund zuzugehen. Der Berliner CDU-Vorsitzende Friedbert Pflüger etwa sagte, auch mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse in seiner Stadt, wo CDU und Grüne gemeinsam die Oppositionsbank teilen: "Wir werden das genau beobachten. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Schwarz-Grün und Jamaika Optionen für die Zukunft sind – auch über Hamburg hinaus."
- Datum 18.04.2008 - 13:27 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa, tso
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Wenn`s dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis tanzen - und wenn es auf dem Eis der Elbe ist.
Ich glaube, dass die Gruenen allmaehlich unter Realitaetsverlust leiden. Aber der Waehler wird diesen sicher entsprechen honorieren...
sehnsucht, als die macht der langeweile. oder war's die langeweile der macht?
andererseits, wenn merkel und künast heiraten, muss der papst uns wieder besuchen.
so ein durcheinander.
Ole von Beust ist es erfolgreich gelungen, Roland Schill dorthin zu "regieren", wo er hingehört, in die Bedeutungslosigkeit. Möge im das Kunststück gelingen, den Grünen das gleiche Schicksal angedeihen zu lassen.
Mit-Regieren ist einfach zu schön.Erfahrungen mit der FPD über fast fünfzehn Jahre zeigten, wie das funktioniert. Oben wird alles klar gemacht, immer mehr Oligarchen der Partei werden miteinbezogen und am Schluss steht dann ein Parteitag, der gar nicht mehr anders kann, als zuzustimmen, so zB seinerzeit die Wende von SPD zur CDU.Die Grünen, vor Jahrzehnten als parteipolitische Alternative angetreten, sind längst da angekommen, wo die FDP schon immer stand. Für die Macht werden Opfer gebracht und diese der Basis dann verkauft. Man will was bewirken- das kann man durchaus ernst nehmen, zugleich gibt es eine ganze Anzahl von Posten für Bewirker. Welches Motiv ist stärker ?
Ich freue mich sehr, dass dieses Bündnis zusammen gekommen ist. Es ist schon lange mein perönlicher Favorit. Das hat einfache Gründe:Ich bin prinzipieller Grünwähler, aufgrund ihrer ökologischen Inhalte. Allerdings fühle ich mich wirtschaftspolitisch eher der Union hingezogen. Zudem glaube ich, dass die Union hier das bessere Personal hat. Hinzu kommt, dass die Union in Fragen der Ausländerpolitik und inneren Sicherheit etwas gebremst werden müsste.Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass eine Schwarz-Grünes Bündnis auf Bundesebene, in den genannten Bereichen zu besseren Kompromissen kommen könnte, als dies die letzten Regierungen getan haben.
Ernst Jandl hat es schön gesagt: >Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht verwechsern. Welch ein Illtum!<
Herzliche Grüße aus Akodo Beach, Lagos!
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