Bundestag Beck übt KanzlerSeite 2/2

Dann darf Beck ran. Er hatte es nach seiner Wahl zum Parteichef abgelehnt, ins Bundeskabinett einzutreten, sondern blieb in Mainz. Unabhängig wollte er sein von der Kanzlerin und den Regierungszwängen, freie Hand zur Profilierung für seine SPD haben.


In seiner Rede versucht er ihn nun doch, den Spagat zwischen Loyalität zur Großen Koalition und der Rolle des SPD-Vorsitzenden. Da gibt es Lob für die Kanzlerin, natürlich auch für den sozialdemokratischen Außenminister, dass es „unter deutscher Ratspräsidentschaft gelungen ist, einen neuen Anlauf“ in Sachen EU-Verfassung zu unternehmen.

Den weit überwiegenden Teil seiner Rede gibt Beck den Staatsmann. Sehr massiv nimmt er sich aus, sehr unumstößlich, wie er da im schwarzen Anzug am Rednerpult im Bundestag steht, von dem er wohl hofft, dass er sich noch häufiger und nicht nur zu Gastauftritten daran lehnen wird. Dass der Vertrag gut sei, aber nicht das letzte Wort in Sachen EU-Verfassung sein müsse, sagt er, und dass die EU unverzichtbar sei für Frieden und Freiheit, aber auch für den ökonomischen Wohlstand ihrer Bürger.

Am Satzende kippt Becks Stimme gerne nochmals eine Tonlage tiefer. Das klingt ein wenig nach Trauerrede, jedenfalls sehr feierlich. So also hört er sich an, der Staatsmann Beck, den man vielleicht noch erleben wird.

Die Rolle scheint ihm fast natürlicher zuzufallen als die andere, in der er sich im Moment noch befindet, diejenige des SPD-Chefs, der sich gegen die Kanzlerin abgrenzen muss. Wenn er sich aufregt, rutschen ihm viele „Ähs“ dazwischen, dann klingt er unsicher und nicht mehr so staatstragend. Das passiert, als es gegen Ende doch noch ein bisschen wahlkämpferisch wird. Das soziale Europa sei ihm wichtig, sagt Beck. Guter Lohn für gute Arbeit müsse es in der ganzen EU geben. Da klatscht seine Fraktion endlich auch mal laut und nicht nur höflich.

Neben der Kanzlerin sitzt unterdessen Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Auch sein Tag hätte dies werden können, auch er hat viel Schweiß für diesen Vertrag gelassen. Doch sein Parteichef hat ihm die Show gestohlen. Und so ist der Auftritt von Beck nebenbei wohl auch eine wohldosierte Botschaft an den Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur und an alle in seiner Partei, die ihn sich in dieser Rolle nicht vorstellen können. Sie besagt: „Staatsmann, das kann ich auch.“

 
Leser-Kommentare
  1. Herzliche Grüße aus Akodo Beach, Lagos!

  2. Vertrag von Lissabon:Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern.Solidaritätsklausel” gemäß Artikel 27 und 28 des
    EU-Vertrages . Danach müssen die Mitgliedstaaten einander beim Kampf
    gegen „terroristische Aktivitäten” auch militärisch beistehen.Das vereinfachte Änderungsverfahren  überträgt die
    Verfassungshoheit weitestgehend dem Europäischen Rat, den Führern der Union.Einführung der Todesstrafe bei in Kriegszeiten oder bei drohender Kriegsgefahr 
    aber auch nicht in Zeiten des Aufruhrs oder des AufstandesQuelle:http://de.wikipedia.org/w...

    • Anonym
    • 24.04.2008 um 15:17 Uhr

    sitzung und vertrag, ergibt das eine aufrüstungsverpflichtung zur
    militanten muppetsshow.
    die quote bitte!

    • flury
    • 24.04.2008 um 15:45 Uhr

    "Staatstragend kann er, amüsanter wäre es mit ihm nicht..." - also mit Verlaub, so ein spöttischer Quatsch. Will die seriöse ZEIT neuerdings auch nur noch eine Gaga-Republik, wo man bei ernsten Themen "gefälligst unterhaltsam" sein muß? Haben Sie nichts Besseres mitzuteilen?

  3. Sehr geehrte Frau Schuler,
    vielleicht haben Sie nicht die ganze Rede mitbekommen? Auf die Bemerkung von Frau Merkel in Bezug auf Mainz hat Herr Beck doch gekonnt gekontert:  Es wäre in Ordnung Mainz als Beispiel zu nehmen und nicht München. Schließlich habe 1832  auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz das Hambacher Fest stattgefunden , auf dem der europäische Gedanke schon vorweggenommen worden sei.Zu dieser Zeit, als die Bayern noch mit ihren Truppen gegen alle aufmarschierten.
    Zudem handelt ein großer Teil seiner Rede vom sozialen Europa, um den Schutz von Arbeitnehmerinteressen, die er gestärkt haben möchte und in dieser Form im Lissaboner Vertrag nicht verwirklicht wurden.

  4. Welch ein Genuss, den im Deutschen Bundestag als Redner zu erleben! Beste Frau Schuler, wenn der staatstragend ist, dann muss dieser Staat so leicht wie Luft sein. Nee, wirklich, was soll der denn tragen, dieser entsetzliche Pinocchio und Wählertäuscher?

    • keox
    • 26.04.2008 um 15:49 Uhr

    "Zur Debatte stand am Donnerstag nämlich die Abstimmung über den Vertrag von Lissabon, jenen EU-Verfassungsersatz, dessen Zustandekommen trotz aller Mängel von beiden Koalitionspartnern wohl zu Recht als einer der großen Erfolge ihrer Regierungszeit gewertet wird."Ein grandioser Erfolg, fürwahr. Das europäische Kapital rüstet militärisch auf und sozialpolitisch ab. Demokratische Kontrolle ist nicht vorgesehen. Ein €uropa der Völker, in denen die Völker so gar nix zu melden haben.

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