CSU Weiß-blaue Hiobsbotschaften
Eine Umfrage sieht die CSU nur noch bei 44 Prozent. Damit muss sie erstmals seit 40 Jahren um ihre absolute Mehrheit bangen. Parteigranden jedoch trauen den Zahlen nicht.
Es hätte so schön sein können für die CSU: Fast vergessen schienen nach der Vorstandsklausur in Wildbad Kreuth die herben Rückschläge der vergangenen Monate und die neuerliche Führungsdebatte. Mit vereinten Kräften auf die Landtagswahl im September zumarschieren - so lautete die Parole in der CSU-Spitze.
Doch jetzt ereilte die Partei eine nächste Hiobsbotschaft: Fünf Monate vor der Landtagswahl ist die CSU nach einer Umfrage in der Wählergunst dramatisch abgesackt. Wenn am kommenden Sonntag Wahl wäre, würde die Partei nach der Erhebung nur noch 44 Prozent bekommen. Damit hätte die bayerische Unionspartei nach mehr als 40 Jahren im Landtag keine absolute Mehrheit mehr und könnte nicht mehr alleine regieren.
Die Umfrage wurde vom Münchner Institut für Marktforschung (mifm) gemacht, das in Bayern regelmäßig nach dem Stimmungsbild fragt. In der Februar-Umfrage war die CSU noch auf 50 Prozent gekommen. Bei der Wahl 2003 hatten die Christsozialen unter dem früheren Partei- und Regierungschef Edmund Stoiber sogar 60,7 Prozent eingefahren und damit im Landtag eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht.
Führende CSU-Politiker reagierten mit einer Mischung aus Unglauben und Attacken auf das Umfrageinstitut. Parteivize Horst Seehofer etwa sagte der Passauer Neuen Presse : "Ich mag diese Zahlen nicht glauben, ich habe eine andere Empfindung, wenn ich in Bayern unterwegs bin." Die CSU dürfe sich "durch Umfragen nicht vom Weg abbringen lassen". Generalsekretärin Christine Haderthauer nannte die Erhebung des mifm unseriös. "Diese Umfrage hat nichts mit der Realität zu tun." Sie warf dem Münchner Institut für Marktforschung (mifm) "fragwürdige Methodik" vor.
Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) warnte in Berlin davor, das Ergebnis der Umfrage überzubewerten. Bei anderen Instituten liege man noch immer bei mehr als 50 Prozent. Zugleich räumte Beckstein ein, dass die CSU in den vergangenen Wochen "ein schlechtes Bild" abgegeben habe und nun "ordentlich kämpfen" müsse. "Aber ich denke, dass wir auch die allerbesten Chancen haben, über 50 Prozent zu kommen."
Von den massiven Verlusten der CSU würden der Umfrage zufolge die Freien Wähler und die FDP profitieren: Beide würden mit jeweils 9 Prozent neu in den Landtag einziehen. Die SPD kann wie in der Vergangenheit lediglich mit 20 Prozent rechnen, die Grünen erhielten laut Erhebung 11 Prozent.
Der schwäbische CSU-Bezirksvorsitzende Markus Ferber sieht aufgrund dieser Zahlen keinen Grund zur Selbstzerfleischung, sondern eher Anlass zum Optimismus. "Wenn man die Umfrage richtig interpretiert, liegt das konservative Potenzial bei über 60 Prozent", sagte Ferber.
- Datum 25.04.2008 - 06:30 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Wenn das mal keine erfreuliche Nachricht ist, versüßt einem doch gleich das herrliche Wetter!
Als Münchner bin ich oft in Niederbayern unterwegs. Hier wird auch von vielen Nichtrauchern die Meinung geteilt, das das für Bayern beschlossene Gesetz zum Schutze der Nichtraucher weit überzogen ist, und mit der Bayrischen Einstellung "leben und leben lassen" nicht vereinbar ist. Wenn sich die CSU ohne Notwenigkeit zu so strickten Gesetzten entschließt, glaubten eben auch viele, das sich die "Gesundheitsapostel" auch beim Alkoholkonsum (Bier ist hier ein "Grundnahrungmittel") zu sehr hervortun könnten.
Der nachweisbare Erfolg in Bayern ist eindeutig auf die in Deutschland einmalige Situation zurückzuführen, dass eine Partei - hier die CSU - ohne Koalition längere Zeit regiert. In Koalitionen kann man leicht die Schuld auf den anderen schieben und die wahscheinliche Wiederwahl zwingt zu mittelfristig orientierten Entscheidungen. Das ist das demokratische Erfolgsmodell und damit zur Nachahmung empfohlen. Und alle, die über sich über einen angebliche Verlust der absoluten Mehrheit freuen, schaden Bayern und damit Deutschland. Danke!
Mycindi kann ich nur zustimmen. Im gelobten Bayern gehen die Uhren halt anders als in unserem 26-jährigen versozten und verfilztem NRW, außer Düsseldorf. Unser eloquenter OB hat aus unserem Dorf an der Düssel eine schuldenfreie Stadt gemacht und diese Stadt ist immer noch auf dem Weg nach vorne. Die Einwohnerzahl nimmt wegen der Lebensqualität ständig zu und auch sonst stimmt alles. Es stimmt fast alles wie in Bayern. Nur Beckstein und Huber haben den Fehler gemacht, dass sie den Edi abgesägt haben. Hätten die beiden mehr Geduld gehabt, wäre die bayrische CSU wieder über 50%. Ungeachtet dessen, meine Frau und ich lieben Oberbayern wegen der tollen Landschaft, dem guten Essen, den liebenswürdigen Leuten und der Gemütlichkeit. Aufi gehts.
Liebe Journalie,egal ob man die CSU mag oder nicht, es ist halt einfach nervig jedes Jahr aufs neue irgend eine Krise bei der CSU herbeischreiben zu wollen und den nun folgenden "Zusammenbruch" (oder ähnlich apokalyptisches) zu prophezeien. Man erinnere sich z.B. an das Gewürge mit Stoiber nach der Bundestagswahl, dann hat er bei der Landtagswahl in Bayern sogar mehr als 60% geholt für die CSU, dabei galt Stoiber hier nie als Sympathieträger sondern einfach als Kompetenz und mit der Materie vertraut - was eindeutig wichtiger ist als geschliffene Rhetorik und Charisma. Was in einem anderen Kommentar anklang gilt hier in Bayern wie ich finde doch sowieso als Allgemeingut. Man wählt die CSU meist nicht weil man so furchtbar "politisch" denkt und sich irgendwelche Papiere durchliest sondern weil man sich fragt was die Alternative wäre, das gleiche gewürge wie im Norden. Es ist wahr, ein Großteil des Erfolges von Bayern kommt mit Sicherheit daher das es nicht dieses ewige Regieren durch einen ständigen "Vermittlungsausschuss" gibt der, bei welcher Koalition auch immer, in den anderen Bundesländern und im Bund sowieso die absolute Regel ist. Nicht jeder Kompromiss ist besser als gar keiner wenn dadurch kein Konzept mehr vorhanden ist und aus politischem Gestalten nur noch ein Verwalten wird. Das hinter dem Gepolter der CSU Vorderen im Alltag eine substantiell saubere Politik steht kann man in der Regel nämlich nicht bestreiten egal welchen Geistes Kind man ist. So hat sich in Bayern vor allem ein Unikum etabliert: ein de facto Mehrheitswahlrecht in einem theoretischen Verhältniswahlrecht. Darauf ist hier alles ausgerichtet, auf jeder Eben und nicht nur in der Politik - auch die ganzen Entscheidungsprozesse, die kommunale Eben, ja selbst die hiesige Presselandschaft. Wie man es auch nennen will, für Bayern wäre es auf mittlere Frist auf jedenfall das schlechteste wenn die CSU die Mehrheit verlöre weil dann eine Phase der absoluten Stagnation und Paralyse die Konsequenz wäre in einer Zeit in der es sich kein Land leisten kann auch nur wenige Monate zu "vergeuden". Der Föderalismus wird in Deutschland chronisch unterschätzt und auch leider seltenst positiv genutzt, aber vergleicht man alle offiziellen Kenndaten (Statistiken mag man beeinflußen können aber wenn alle auf die gleiche Weise erfasst werden kann man ja dennoch die Unterschiede recht Objektiv benennen), dann ergibt sich durchaus das Bild das in jenen Bundesländern in welchen die Union regiert.. nun, "da geht es den Menschen besser". Wie Kennedy schon sagte, die Flut hebt alle Boote an (ob die Yacht oder das Schlauchboot,.. weil es derzeit so in Mode ist in den Extremen Arm und Reich zu denken).
"Freie Wähler" im Landtag klingt spontan sehr basisdemokratisch, ist aber eigentlich widersinnig: Freie Wähler sind wir schliesslich alle, und wenn ich auf Kommunalebene Herrn Soundso auf der Liste "Freie Wähler" wähle, dann kenne ich ihn halt seit Jahren, weiss, dass er der Bäcker von nebenan ist und wahrscheinlich die und die Meinung im Stadtrat vertreten wird.
Aber im Landtag? Da erteile ich Leuten quasi einen Friebrief, ohne dass ich einschätzen kann, wofür sie eigentlich stehen. Dafür gibt es ja gerade Parteiprogramme ( dass die "etablierten" Parteien seit Jahren die Ununterscheidbarkeit anstreben, ist ein ganz anderes Problem.)
Herrn X von den "Freien Wählern", den ich persönlich nicht kenne und mangels Parteiprogramm nicht einschätzen kann, möchte ich lieber nicht im Landtag haben!
gar nicht krank ist auch nicht gesund.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren