CSU Weiß-blaue HiobsbotschaftenSeite 2/2

Doch die führenden CSU-Politiker sind andere Ergebnisse gewohnt, lag die CSU in den vergangenen Jahren in Bayern doch immer mindestens 10 Prozent über der Union im Bund - und meistens sogar weit darüber. Der Rat des niederbayerischen Bezirkschef Manfred Weber: "Wir müssen weg vom Umfragen-Hopping und sollten uns auf den Wahlkampf konzentrieren."

Dass die CSU das Rekordergebnis von Stoiber bei der vergangenen Landtagswahl aber halten kann, daran glauben nun selbst die größten Optimisten in der CSU nicht mehr. Trotzdem lautet das offizielle Wahlziel wie immer: "50 plus X".

Der Verlust der seit fast 46 Jahren gehaltenen absoluten Mehrheit der CSU wäre das Ende der längsten Siegesserie einer demokratischen Partei in Europa - für die Christsozialen ein Katastrophenszenario. Nach allgemeiner Einschätzung würde dies das politische Ende des Führungstandems mit Beckstein und Parteichef Erwin Huber bedeuten.

Und auch für die CDU in Berlin wäre dies ein Jahr vor der Bundestagswahl ein Menetekel. Aufgrund ihrer enormen Stärke in Bayern trägt die CSU bei Bundestagswahlen traditionell überdurchschnittlich zum Unions-Ergebnis bei. Dass die Partei in der neuen Umfrage nur noch bei 44 Prozent liegen soll, muss die beiden Stoiber-Erben deshalb beunruhigen - auch wenn das Ergebnis angezweifelt wird.

Es sind viele Faktoren, die sich auf die CSU-Umfragewerte niederschlagen: die Lockerung des Rauchverbots nach der Kommunalwahl-Schlappe, das Aus für das Prestigeobjekt Transrapid, das Milliarden-Debakel bei der BayernLB. Fünf Monate vor der Landtagswahl ist nur eines gewiss: Erstmals seit 1994 wackelt die absolute Mehrheit der CSU - und die Opposition hat Blut geleckt.

Grüne und FDP jedoch reagierten euphorisch: Ein Ende der absoluten Mehrheit der CSU sei "nicht nur eine Träumerei der Opposition, sondern eine reale Chance", erklärten die Grünen-Landesvorsitzenden Theresa Schopper und Sepp Daxenberger. Und FDP-Landtagsspitzenkandidat Martin Zeil sah die "Götterdämmerung" für die CSU am Horizont.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn das mal keine erfreuliche Nachricht ist, versüßt einem doch gleich das herrliche Wetter!

  2. Als Münchner bin ich oft in Niederbayern unterwegs. Hier wird auch von vielen Nichtrauchern die Meinung geteilt, das  das für Bayern beschlossene Gesetz zum Schutze der Nichtraucher weit überzogen ist, und mit der Bayrischen Einstellung "leben und leben lassen"   nicht vereinbar ist. Wenn sich die CSU ohne Notwenigkeit zu so strickten Gesetzten entschließt, glaubten eben auch viele, das sich die "Gesundheitsapostel" auch beim Alkoholkonsum (Bier ist hier ein "Grundnahrungmittel") zu sehr hervortun könnten.

  3. Der nachweisbare Erfolg in Bayern ist eindeutig auf die in Deutschland einmalige Situation zurückzuführen, dass eine Partei - hier die CSU - ohne Koalition längere Zeit regiert. In Koalitionen kann man leicht die Schuld auf den anderen schieben und die wahscheinliche Wiederwahl zwingt zu mittelfristig orientierten Entscheidungen. Das ist das demokratische Erfolgsmodell und damit zur Nachahmung empfohlen. Und alle, die über sich über einen angebliche Verlust der absoluten Mehrheit freuen, schaden Bayern und damit Deutschland. Danke!

  4. Mycindi kann ich nur zustimmen. Im gelobten Bayern gehen die Uhren halt anders als in unserem 26-jährigen versozten und verfilztem NRW, außer Düsseldorf. Unser eloquenter OB hat aus unserem Dorf an der Düssel eine schuldenfreie Stadt gemacht und diese Stadt  ist immer noch auf dem Weg nach vorne. Die Einwohnerzahl nimmt wegen der Lebensqualität ständig zu und auch sonst stimmt alles. Es stimmt fast alles wie in Bayern. Nur Beckstein und Huber haben den Fehler gemacht, dass sie den Edi abgesägt haben. Hätten die beiden mehr Geduld gehabt, wäre die bayrische CSU wieder über 50%. Ungeachtet dessen, meine Frau und ich lieben Oberbayern wegen der tollen Landschaft, dem guten Essen, den liebenswürdigen Leuten und der Gemütlichkeit. Aufi gehts. 

    • Anonym
    • 25.04.2008 um 22:29 Uhr
    5. Lach

    Liebe Journalie,egal ob man die CSU mag oder nicht, es ist halt einfach nervig jedes Jahr aufs neue irgend eine Krise bei der CSU herbeischreiben zu wollen und den nun folgenden "Zusammenbruch" (oder ähnlich apokalyptisches) zu prophezeien. Man erinnere sich z.B. an das Gewürge mit Stoiber nach der Bundestagswahl, dann hat er bei der Landtagswahl in Bayern sogar mehr als 60% geholt für die CSU, dabei galt Stoiber hier nie als Sympathieträger sondern einfach als Kompetenz und mit der Materie vertraut - was eindeutig wichtiger ist als geschliffene Rhetorik und Charisma. Was in einem anderen Kommentar anklang gilt hier in Bayern wie ich finde doch sowieso als Allgemeingut. Man wählt die CSU meist nicht weil man so furchtbar "politisch" denkt und sich irgendwelche Papiere durchliest sondern weil man sich fragt was die Alternative wäre, das gleiche gewürge wie im Norden. Es ist wahr, ein Großteil des Erfolges von Bayern kommt mit Sicherheit daher das es nicht dieses ewige Regieren durch einen ständigen "Vermittlungsausschuss" gibt der, bei welcher Koalition auch immer, in den anderen Bundesländern und im Bund sowieso die absolute Regel ist. Nicht jeder Kompromiss ist besser als gar keiner wenn dadurch kein Konzept mehr vorhanden ist und aus politischem Gestalten nur noch ein Verwalten wird. Das hinter dem Gepolter der CSU Vorderen im Alltag eine substantiell saubere Politik steht kann man in der Regel nämlich nicht bestreiten egal welchen Geistes Kind man ist. So hat sich in Bayern vor allem ein Unikum etabliert: ein de facto Mehrheitswahlrecht in einem theoretischen Verhältniswahlrecht. Darauf ist hier alles ausgerichtet, auf jeder Eben und nicht nur in der Politik - auch die ganzen Entscheidungsprozesse, die kommunale Eben, ja selbst die hiesige Presselandschaft. Wie man es auch nennen will, für Bayern wäre es auf mittlere Frist auf jedenfall das schlechteste wenn die CSU die Mehrheit verlöre weil dann eine Phase der absoluten Stagnation und Paralyse die Konsequenz wäre in einer Zeit in der es sich kein Land leisten kann auch nur wenige Monate zu "vergeuden". Der Föderalismus wird in Deutschland chronisch unterschätzt und auch leider seltenst positiv genutzt, aber vergleicht man alle offiziellen Kenndaten (Statistiken mag man beeinflußen können aber wenn alle auf die gleiche Weise erfasst werden kann man ja dennoch die Unterschiede recht Objektiv benennen), dann ergibt sich durchaus das Bild das in jenen Bundesländern in welchen die Union regiert.. nun, "da geht es den Menschen besser". Wie Kennedy schon sagte, die Flut hebt alle Boote an (ob die Yacht oder das Schlauchboot,.. weil es derzeit so in Mode ist in den Extremen Arm und Reich zu denken). 

  5. "Freie Wähler" im Landtag klingt spontan sehr basisdemokratisch, ist aber eigentlich widersinnig: Freie Wähler sind wir schliesslich alle, und wenn ich auf Kommunalebene Herrn Soundso auf der Liste "Freie Wähler" wähle, dann kenne ich ihn halt seit Jahren, weiss, dass er der Bäcker von nebenan ist und wahrscheinlich die und die Meinung im Stadtrat vertreten wird.
    Aber im Landtag? Da erteile ich Leuten quasi einen Friebrief, ohne dass ich einschätzen kann, wofür sie eigentlich stehen. Dafür gibt es ja gerade Parteiprogramme ( dass die "etablierten" Parteien seit Jahren die Ununterscheidbarkeit anstreben, ist ein ganz anderes Problem.)
    Herrn X von den "Freien Wählern", den ich persönlich nicht kenne und mangels Parteiprogramm nicht einschätzen kann, möchte ich lieber nicht im Landtag haben!
     

    • Anonym
    • 27.04.2008 um 9:27 Uhr

    gar nicht krank ist auch nicht gesund.

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