Agrarpolitik Europas neuer Landadel
Bauernhilfe angesichts hoher Weltmarktpreise war gestern, so viel ist klar. Doch wofür will die EU künftig ihre Agrarmilliarden ausgeben? Eine Spurensuche auf dem Land
Ein bisher ziemlich wichtiger Teil der europäischen Zukunftspolitik sieht aus wie ein blubbernder Fäkaliensumpf. In der Biogasanlage von Axel Nissen gärt ein Brei vor sich hin, in dem sich der Mais der umliegenden Äcker in Methangasbläschen auflöst, die anschließend zu politisch korrektem, weil klimaschonendem Strom verbrannt werden.
An diesen Zusammenhang jedenfalls glaubt die Europäische Union noch immer. Trotz Welthungerkrise und Getreideknappheit gilt Bio gas in Brüssel weiterhin als eine jener Ideen, die den Kontinent zur nachhaltigsten und menschenfreundlichsten Region auf Erden machen soll. Zwar hat die EU-Kommission gerade entschieden, die Förderung von Bio diesel einzustellen. Doch am Ziel, bis 2020 ein Fünftel Prozent des europaweiten Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu schöpfen, hält Europa eisern fest.
Wie lange wohl noch?
Ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat die EU zwar erkannt, dass ihre Hauptaufgabe nicht mehr in interner Friedens- und Nahrungsmittelsicherung bestehen kann. Doch eine Zukunftsvision ist dieser Erkenntnis noch nicht gefolgt.
Erstmals seit ihrer Gründung gibt die EU in diesem Jahr den dicksten Brocken ihres 129-Milliarden-Haushalts nicht mehr für die Existenzsicherung von Landwirten aus (gut 43 Prozent), sondern für die Förderung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung (gut 44 Prozent).
Angesichts der rasant steigenden Weltmarktpreise für Getreide will die EU-Kommission diese Haushaltsrevolution in den nächsten Jahren weiter vorantreiben. Denn die zunehmende Nahrungsmittelnachfrage bringt Europas Landwirten derart satte Gewinne ein, dass Subventionen in vielen Fällen absurd werden.
Doch welchem gesellschaftlichen Ziel sollen die freiwerdenden Milliarden aus Brüssel dann eigentlich dienen? Die Hälfte der europäischen Bevölkerung wohnt noch immer auf dem Lande. Seit Jahrzehnten sind sie an die großzügigen Zuwendungen aus Brüssel gewöhnt. Welche Folgen hat es für Menschen und Traditionen dort, wenn sich die EU immer konsequenter als Sponsor für zukunftsträchtige Branchen versteht?
- Datum 30.04.2008 - 13:34 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 28.4.2008
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Eines vorweg: eine "Revolution" vermag ich es beim besten Willen nicht zu nennen, wenn der EU Haushalt auf veränderte Bedingungen reagiert.Egal, es bietet sich endlich die Chance, Landwirte als das zu behandeln, was sie sind, nämlich Unternehmer. Mit allen Konsequenzen: insbesondere jener, sich bei günstiger Marktlage ein goldenes Näschen zu verdienen, aber auch der Gefahr einer Pleite.Fragt man sich wirklich, was mit dem gesparten Geld geschehen soll?Ein paar Vorschläge; nur das, was einem Durchschnittsbürger ohne großes Nachdenken zur einstelligen Uhrzeit einfällt:- man bedenke, dass man Steuergelder einsetzt...fremdes Geld, das man den Bürgern wegnimmt. Muss das wirklich weiter ausgeführt werden?- Überwinden der digitalen Spaltung, sprich: flächendeckend verfügbare Bandbreite- wie die Praxis zeigt, ist es viel zu spät, sich erst im Jugendalter um Problemkinder zu kümmern. Also...- Bildung, Bildung, Bildung: über alle Alters- und sonstigen Grenzen- Forschung, Forschung, Forschung!- etc.Wobei ich denke, dass die Frage "wohin soll die EU mit dem Geld" nicht ganz ernst gemeint sein kann. Wahrlich nicht.
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