Film Insekten-Sex fürs Handy

Isabella Rossellini dreht „grüne Pornos“ für den kleinen Bildschirm. Spike Lee plant Drei-Minuten-Filme im YouTube-Stil. Über beides wird auf dem Tribeca Film Festival in New York diskutiert

Die etablierte Unterhaltungsbranche in Hollywood und die Neuen Medien standen sich lange feindselig gegenüber. Das habe sich verändert, sagt Gaurav Dhillon. Dhillon ist ein Silicon-Valley-Unternehmer, dessen neueste Gründung Jaman ist, eine Filmtauschbörse im Internet, an der auch William R. Hearst beteiligt ist, der Enkel des berühmten Medienmoguls. Hollywood und Internet-affine Filmformen nähern sich einander an. Jüngstes Beispiel: Isabella Rossellini, die für Robert Redfords Sundance Channel acht Minifilme gedreht hat, die auf internetfähigen Handys und iPods laufen: Green Porn , grüne Pornos. Auf dem Tribeca Film Festival in New York stellt sie diese Filmchen, in denen Insekten Sex haben, vor. Rossellini schlüpft darin in die Rolle von männlichen Glühwürmchen, Spinnen oder Libellen und fragt: Wie machen es die Insekten?

Dieses neue Format habe etwas Befreiendes, sagt Rossellini. „Ein Kinofilm dauert mindestens 75 Minuten, im Fernsehen wenigstens 30. Entertainment fürs Handy kann beliebig kurz sein.“ Freilich sei nicht jedes Genre für dieses Format geeignet. „Als ich das erste Mal einen Western auf meinem Mobiltelefon sah, dachte ich, warum gibt es diese ewig lange Sonnuntergangs-Sequenz? Dann habe ich erst bemerkt, dass winzig kleine Reiter den Berg hinunterreiten.“ Auch eine Wolkenkratzerlandschaft hinter einem Fenster funktioniere nicht. Aber eigentlich, fügt sie hinzu, sei die Bildschirmqualität bei Handys heute gut. „Am besten eigneten sich Cartoons vor monochromem Hintergrund.“

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Nokia, der weltgrößte Handyhersteller, und der New Yorker Filmemacher Spike Lee planen Ähnliches: Drei- bis Fünf-Minutenfilme im YouTube-Stil, die auf dem Mini-Bildschirm laufen, der im Übrigen gar nicht mehr so klein ist, seit es das iPhone gibt. Lee möchte dafür Material verwenden, dass Handybesitzer auf eine von Nokia eigens eingerichtete Website stellen. Dort können Nutzer auch abstimmen, was sie von den Beiträgen halten. Spike Lee reizt es, diese neue Form der Zusammenarbeit auszuprobieren, mit Leuten, die keine Filmstudenten sind. „In fünf Jahren“, sagte er der New York Times , „wird es neue Filme geben, die mit und fürs Handy gemacht sind.“ Nokia hat in Umfragen festgestellt, dass sich ein Viertel der Konsumenten überlegt, solche Filme selbst herzustellen oder sie zu teilen, auch über Websites wie MySpace oder Facebook . Im Privatbereich passiert dies schon seit Jahren.

Rossellini hatte 75.000 Dollar zur Verfügung. 3000 Dollar hat sie sich selbst ausbezahlt, ein Taschengeld für das ehemalige Model. Sie habe etwas Zukunftsweisendes ausprobieren wollen. Zeit und Geld habe sie schließlich genug.

Hollywood verdient mit diesen neuen Filmen bislang noch kein Geld. Dabei gibt es viel Potenzial, nicht nur was die Filme angeht: So hatte die mobile Website der New York Times Anfang 2007 nur rund 500.000 Nutzer, heute sind es 17,5 Millionen. Allerdings: Die Branche will erst einmal sicherstellen, dass die Profite auch in Hollywood landen. Dies sei nicht einfach, da sich rund 85 Prozent des Geschäfts in Übersee abspiele und völlig unkontrollierbar sei, schätzt Dhillon. Hollywood müsse die neue Technik umarmen, nicht bekämpfen.

Leser-Kommentare
  1. (gelöscht. Bitte beachten Sie die Verkehrssprachen dieses Forums. Die Redaktion/jk)

    • Anonym
    • 29.04.2008 um 9:57 Uhr

    hübsche marketing idee...mmmh pornos. biologisch abbaubar. aber nettes filmchen. 70% is how you look 20% is how you say it and 10% is actually what you have to say.
    wie sagte billy wilder so schön,
    film fing gross an, dann wurd' es immer kleiner,
    sollte es nicht umgekehrt sein?

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