Integration Lauter Denkverbote

In der Integrationsdebatte beklagen Linke die Benachteiligung der Immigranten, Konservative pochen auf die westlichen Werte. Notwendig ist, beides zu verbinden: mehr fördern, mehr fordern. Ein Essay

Der Autor arbeitet am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin. Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Integration. Im Moment bereitet er ein Projekt zu Internetdiskussionen deutsch-türkischer Jugendlicher vor.

Folgt man sozialwissenschaftlichen Untersuchungen, treten bestimmte Probleme – Schulversagen, familiäre Gewalt und, damit zusammenhängend, Gewalt auf den Straßen – in orientalischen Milieus unserer Einwanderungsgesellschaft nicht durchgängig, aber überproportional häufig auf. Dies gilt auch im Vergleich zu anderen, ebenfalls nicht gerade privilegierten Einwanderergruppen. Und dies gilt auch dann, wenn man beispielsweise nur Gymnasiasten, deren Eltern nicht von relativer Armut betroffen sind, einander gegenüberstellt.

Da die problematische Gruppe der Einwanderer aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Geburtenrate immer größer wird, wird eine Lösung der genannten Probleme immer dringlicher. Wer über den nationalen Tellerrand hinausschaut, stellt übrigens fest, dass dieser Prozess in einer Reihe westeuropäischer Länder seine je eigene Entsprechung findet.

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„Fördern und Fordern“, wie es inzwischen so gut wie alle Parteien formulieren, ist also ein gutes Motto. Besser wäre: viel mehr fördern und viel mehr fordern! Beides gleichzeitig zu leisten, ist uns bisher nicht ausreichend gelungen, weil jeweils bestimmte Leute etwas dagegen haben. Das sind die Verhinderer, die Feinde der Integration.

Fördern
Das Problem hat nun mal auch eine soziale Dimension. Menschen mit fremdländischen Wurzeln unterliegen in Deutschland mannigfaltigen Diskriminierungen: bei der Wohnungssuche, in der Arbeitswelt, in der Schule. Und auch durch die permanente und herabsetzende Zuschreibung von Fremdheit und Nicht-Zugehörigkeit. Hessens Ministerpräsident Roland Koch wäre glaubwürdiger gewesen, hätte er in seiner Wahlkampagne auch darüber gesprochen.

Zum Beispiel Bildung: Noch immer haben wir das dreigliedrige Schulsystem, das Menschen aus ärmeren und bildungsferneren Familien benachteiligt. Das weiß man nicht erst seit Pisa. Wir müssen dieses System abschaffen! Flächendeckend, nicht nur an einzelnen Standorten und in einigen Bundesländern. Warum gibt es darüber keine öffentliche Debatte? Es können wohl noch Hunderte Studien hierzu vorgelegt werden, ohne dass sich an diesem Grundübel etwas ändert.

Schüler mit kulturell abweichender Herkunft beklagen weitere Hintansetzungen. So ist bekannt und belegt, dass ein deutsch-türkischer Schüler bei gleichen Leistungen wie ein deutscher Schüler sehr oft schlechtere Zensuren, ja sogar eine schlechtere Empfehlung für die weiterführende Schule bekommt. Die Begründung der Lehrer weist nicht selten eine perfide Logik auf: Dieses "türkische" Kind ist zwar gut, aber es bekommt daheim nicht genug Unterstützung, deswegen ist die Hauptschule die Bildungsanstalt der Wahl.

Bürgerlich-konservative Kräfte verhindern hier mehr Bewegung. Es lohnt sich, über ihre Motivation nachzudenken. Selbstverständlich geht es um gesellschaftliche Macht: Die, die sich durch eine gymnasiale Bildung Zugang zur Hochschule und darüber zu lukrativen Positionen verschafft haben, wollen, dass dieser Vorteil auch ihren Kindern vorbehalten bleibt. Sicher, da ist vieles – gerade nach 68 – anders und besser geworden. Doch im Prinzip ist dieses antiquierte Denken in bürgerlichen Kreisen noch quicklebendig und sehr wirkmächtig.

Leser-Kommentare
  1. "So ist bekannt und belegt, dass ein deutsch-türkischer Schüler bei
    gleichen Leistungen wie ein deutscher Schüler sehr oft schlechtere
    Zensuren, ja sogar eine schlechtere Empfehlung für die weiterführende
    Schule bekommt. Die Begründung der Lehrer weist nicht selten eine
    perfide Logik auf: Dieses "türkische" Kind ist zwar gut, aber es
    bekommt daheim nicht genug Unterstützung, deswegen ist die Hauptschule
    die Bildungsanstalt der Wahl."Bekannt UND belegt ... Na dann, braucht man für diese lächerliche Behauptung ja überhaupt keine Quellen mehr anzuführen. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels ..."Sicher, da ist vieles – gerade nach 68 – anders und besser geworden."Diese "fundierte Analyse" der heilsbringenden 68er teilen Menschen, die sich damit beschäftigt haben und die Wirkungen am eigenen Leib erfahren durften nicht unbedingt ...http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/476886?inPopup=trueMit dem positiven Einfluss nach 68 meint der Autor wahrscheinlich den Geist, der ihn zu solchen verbalen "Hock-Streck-Sprüngen" veranlasst: "Schüler mit kulturell abweichendem Herkunft" ...

  2. Meinungsfreiheit existiert ind diesem Land de facto nicht.Individualität äußert sich mittlerweile in einer Radikalform extrovertierten, kulturell codierten und inszenierten sozialen Verhaltens.Demokratie bedeutet hierzulande, dass Leute ein paar Leute wählen dürfen, die sie dann nach Strich und Faden anlügen oder hintergehen.Ansonsten ist der Grundton ganz sicher korrekt und mehr als notwendig. Nur leider wird kein Mensch, dessen Deutschkenntnisse auf Dönerbudenniveau beschränkt sind, diesen Artikel zur Kenntnis nehmen, sondern - wieder einmal - nur die anderen.

  3. ...derart Zutreffendes gelesen und klug formuliert zudem. Vielen Dank.

  4. Ich kann diesem Artikel nur auf der ganzen Linie zustimmen! Sowhohl in seinem 'Förder'- als auch seinem 'Forder'-Teil.Gerade was den zweiten teil anbelangt, ehe ich persönlich massive Probleme. Ein angehen von Werten, die religiös, ja theistisch gerechtfertigt werden, ist wohl mit das schwerste, was es gibt.Wir haben ja hier nicht einfach ein problem mit ein paar 10.000 Djihadisten/religiösen fanatikern. Das eigentliche problem liegt viel mehr in den alltäglichen Wertungen und Normen, die als eine basale religiöse Denk- & Wertungsstruktur Menschen inhärent ist, die eine entsprechende Sozialisierung erfahren haben und die, verschärfend noch, teilweise diese als Eigenidentifikationsfaktoren hochhält und darüber 'unsere' Westlichen Werte in ihren Konsequenzen ablehnen.Es sind praktisch gesagt sehr oft die ganz normalen Leute, die gar nicht groß religiös sich beschäftigen, nicht andauernd nur in Moscheen rennen - und die mit einem Mal dann, wenn es z. B. um den Schwimmunterricht der Tochter geht deren "Sittsamkeit" gefährtet sehen, oder wenn die Tochter einen 'deutschen-christlichen/atheistischen' Freund anschleppt anfangen auszuticken.Man arf dabei nicht vergessen, dass es sehr wohl starke Gruppierungen gibt, die dezitiert kein Interesse daran haben, das sich bestimmte Immigrantengruppen integrieren - z. b. bei den Türken die konservativ-islamistischen türkischen kreise - denn diese leute sind türkische Wähler auch (durch das von der akp eingeführte Auslandswahlrecht), bei denen man eine konservative heimatbindung eben erhalten,ja verstärken will. Oder viele Muslimische Gruppen, die einfach einerseits durch ihre Existenz fernsehsendern in der arabischen Welt Arbeit sichern (Al-Jashira) und die man über diese medien auch politisch dazu bewegen kann finanzielle Hilfen zu leisten (Hamas-sender). Dazu kommt es, dass unsere Werte eigentlich "merkwürdige" Werte sind - Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Toleranz usw... sind Werte, die sich dadurch auszeichnen, dass sie sehr, sehr breite Spielräume für mögliches Verhalten offerieren, anstatt einen relativ engen Denk- & Verhaltenskanon vorzugeben. Das heisst, dass diese unsere Werte auch Verhalten akzeptoieren, dass aus den Augen vieler 'moralisch' menschen (auch Westler!) als dann doch unerwünscht dasteht, als sittenlos, unanständig usw... - angefangen von laxen Sexualverhalten, über Kleidungs- und Haarfrisurarten usw.... Ja, dass das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen eben so weit gespannt ist, dass gerade traditionell orientierte Menschen (z. B. familien- oder Clanbetonte) oder 'Institutionen' wie Religionsgemeinschaften (allen colours) damit ihre 'Macht' üpber Menschen verlieren, die sie meinen in deren Sinne und Wohle sie einsetzen zu müssen.Probvlematisieren selbst - udn auch ich tue dies - hilft aber auch nicht umbedingt - helfen würde meiner meinung nach ein stringendes, auf die eigenen Werte abzielendes Handeln und nichtabzeptieren eines anderen, dagegen verstoßenden handeln, dass zugleich wie selbstverständlich vertreten wird.Es nehmen alle am Schulschwimmen teil -  und zwar selbstverständlich - und ein Schüler/Eltern , die aus religiösen gründen dies ablehnen, müssen die Schule verlassen oder entsprechend empfindliche konsequenzen auf sich nehmen - und dies ohne eine religionsdiskussion in den das propageren von Werten, die gegen die freiheitliche Grundordnung verstoßen, als ein Individualrecht akzeptiert werden qua 'Religionsfreiheit'.

  5. Der Artikel nennt durchaus einige richtige Punkte, trotzdem möchte ich einen Punkt kritisieren: Ich finde es durchaus gerechtfertigt die "gesellschaftliche" Verantwortung für benachteligte Menschen stärker zu fordern, da gerade diese mangelnde Artikulationschancen im politischen Prozess haben. Keine Frage, dass ein Konstrukt wie Eigenverantwortung Sinn macht, allerdings bleibt einem bei der vorherrschenden gesellschaftlichen Realität und Totalität (Kultur!) keine andere Wahl, als die Rolle politischer Kräfte zu betonen. Meiner Meinung nach liegt der Fokus in der Gesellschaft zur Zeit zu stark auf der u.a. durch den Neokonservatismus und Neoliberalismus empor gehobenen Eigenverantwortung (die tiefe Verwurzelung des Satzes "heute schreien alle sofort nach dem Staat" ist für mich kein Widerspruch, sondern geradezu Beleg!). Der Mensch neigt sozialpsychologisch dazu, bei anderen "Persönlichkeitsmerkmale" als Grund für Fehlverhalten anzunehmen, dabei spielen äußere Umstände eine weitaus größere Rolle. Als Linksliberaler fordere ich deshalb im politischen Prozess mit gutem Gewissen eine stärkere Betonung der gesellschaftlichen und politischen Verantwortung, lehne Eigenverantwortung deshalb aber noch lange nicht ab! Denn Benachteiligten streite ich so NICHT die Fähigkeit zur Eigenverantwortung ab, genauso wenig wie ich sie den "Bevorzugten" zuspreche. Eigenverantwortung ist begrenzt, bei beiden.

  6. Ich streite definitiv nicht ab, dass es kulturelle (inklusiver religiöser) Differenzen gibt. Das Problem bei der Sache ist nur: sobald ich INTERkulturelle Differenzen als Ursache eines Problems benenne, polarisiere und stigmatisiere ich. Denn faktisch gibt es auch enorme INTRAkulturelle Differenzen. Genauso wie es westlich-sozialisierte Menschen gegen Meinungsfreiheit etc. gibt, gibt es auch orientalisch-sozialisierte für Meinungsfreiheit. Man darf kulturelle Durchschnitte durchaus betrachten und deren Folgen benennen, muss aber stets vorsichtig damit sein, da sonst allzu schnell von der Makroebene herunter gebrochen wird und (typisch menschliche) Vorurteile verfestigt werden, die dann gegen das Individuum wirken.

    • K
    • 25.04.2008 um 10:26 Uhr

    Bin besonders einverstanden mit der Einführung der Gesamtschule. Gesamtschule muss nicht heißen, dass alle Schüler unabhängig von ihrer Begabung und Leistung einheitlich unterrichtet würden. Im Gegenteil muss kein fester Klassenverbund bestehen, sondern jeder Schüler könnte abhängig von seiner individuellen Begabung und Leistung im jeweiligen Unterrichtsfach in einen geeigneten Kurs eingeordnet werden. Für gute Schüler würde sich daher das Niveau gegenüber dem Gymnasium in seiner aktuellen Form zumindest nicht verschlechtern, sondern eher verbessern.  Schüler, die in einzelnen Fächern, beispielsweise Kunst, besonders gut sind, aber am heutigen Gymnasium insgesamt überfordert wären, könnten dagegen zumindest in diesen einzelnen Fächern auf hohem Niveau unterrichtet werden. Bereits am aktuellen Gymnasium sind die individuellen Unterschiede zwischen Schülern enorm. Meiner Meinung nach ist es daher unsinnig, alle Schüler in einem festen Klassenverband auf insgesamt mittelmäßigem Niveau zu unterrichten. Schüler mit Sprachproblemen in Deutsch hätten damit auch eine Chance auf anständigen Unterricht insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften.Hauptvorteil der Gesamtschule wäre aber meiner Ansicht nach, die sozialen Kontakte zwischen Schülern aus unterschiedlichen "Milieus" zu verbessern.

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    • tronco
    • 02.09.2008 um 11:35 Uhr

    Meiner Einschätzung nach ist die Gesammtschule ein linkes Wahnsinnsprojekt, welches keine Alternative zu dem jetzigen Sytem darstellt. Da ich selbst bis vor Kurzem noch selbst zur Schule gegangen bin, glaube ich, dass ich bildungspolitische Entscheidungen relativ gut beurteilen kann, da ich die direkten Auswirkungen von den neueren - von PISA - ausgelösten Schulgesetzen in NRW noch mitbekommen habe. Ich denke, dass wir an unseren Schulsystem festahlten sollte; es sollte allerdings optimiert werden, was heißen will, dass es überall die Möglichkeit für kostenlose mittägliche Verpflegung geben muss, es sollte mehr AG-Angebote geben. Die Gesammtschule würde jedenfalls keines der Probleme unseres Schulsystem und der Bildung in unserer Gesellschaft generell lösen: Das Niveau würde insgesammt abnehmen. Eine frühe, leistungsbezogene Auswahl von guten Leuten ermöglicht eine gute - aus Allgemeinwissen basierende - Bildung und ist entscheidend für den Zugang zu einer Universität. Schule muss Allgemeinbildung vermitteln, damit alle Türen offen stehen, was bringt es, wenn jemand - wie in dem von Ihnen angeführten Beispiel - nur in Kunst gut - auf schulischem Niveau! - ausgebildet wurde ?
    "Schüler mit Sprachproblemen in Deutsch hätten damit auch eine Chance auf anständigen Unterricht insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften."Für grundsätzlich jedes Unterrichtsfach braucht man Deutschkenntnisse und die müssen von den Schulen auch erwartet werden können. Natürlich gibt es immer Ausnahmefälle, aber meiner Meinung nach ist die Sprache DIE Voraussetzung für die Möglichkeit der Integration. Aus diesem Grund muss meiner Einschätzung nach jeder die Sprache können. Schulen sind doch eh schon überfordert, es gibt nicht genügend Lehrkräfte, nicht genügend Platz und es wird von den Lehrern immer mehr erwartet und verlangt. Der Lehrauftrag ist mittlerweile stellenweise an zweite Stelle gerückt und musste sozialer Erziehung und integrativen Aufgaben Platz machen. Das ist aber nicht die primäre Aufgabe von Schule und genau das ist ein Problem unseres Bildungssystemes beziehungsweise unserer Gesellschaft. Warum kann der Hauptschulabschluss denn nicht gesellschaftliche Bedeutung haben, warum muss denn jemand der Friseur werden will die mittlere Reife vorweisen ? Gesellschaftlicher Wahnsinn, kein Problem des Schulsystems. Kein Wunder, dass dann Hauptschüler desillusioniert sind. Eine Änderung des Systems würde doch absolut nichts ändern.
    "Hauptvorteil der Gesamtschule wäre aber meiner Ansicht nach, die sozialen Kontakte zwischen Schülern aus unterschiedlichen "Milieus" zu verbessern."
    Würde es das ? Die Milieus existieren, weil es Gruppierung gibt, die unterschiedliche Perspektiven, Ansichten, Weltbilder, Lifestyles etc haben. All das wird durch eine Gesammtschule weder durchbrochen noch gemäßigt.Meiner Ansicht nach müssen Menschen, die hier leben wollen, die Sprache wenigstens grundsätzlich beherrschen und auch den Wille zur Integration zeigen, erst dann ist die Gesellschaft dazu verpflichtet diese Leute auch zu fördern. Eigenverantwortung bleibt für mich - in der Regel - die oberste Prämisse eines erfolgreichen, partizipierenden Lebens.

    • tronco
    • 02.09.2008 um 11:35 Uhr

    Meiner Einschätzung nach ist die Gesammtschule ein linkes Wahnsinnsprojekt, welches keine Alternative zu dem jetzigen Sytem darstellt. Da ich selbst bis vor Kurzem noch selbst zur Schule gegangen bin, glaube ich, dass ich bildungspolitische Entscheidungen relativ gut beurteilen kann, da ich die direkten Auswirkungen von den neueren - von PISA - ausgelösten Schulgesetzen in NRW noch mitbekommen habe. Ich denke, dass wir an unseren Schulsystem festahlten sollte; es sollte allerdings optimiert werden, was heißen will, dass es überall die Möglichkeit für kostenlose mittägliche Verpflegung geben muss, es sollte mehr AG-Angebote geben. Die Gesammtschule würde jedenfalls keines der Probleme unseres Schulsystem und der Bildung in unserer Gesellschaft generell lösen: Das Niveau würde insgesammt abnehmen. Eine frühe, leistungsbezogene Auswahl von guten Leuten ermöglicht eine gute - aus Allgemeinwissen basierende - Bildung und ist entscheidend für den Zugang zu einer Universität. Schule muss Allgemeinbildung vermitteln, damit alle Türen offen stehen, was bringt es, wenn jemand - wie in dem von Ihnen angeführten Beispiel - nur in Kunst gut - auf schulischem Niveau! - ausgebildet wurde ?
    "Schüler mit Sprachproblemen in Deutsch hätten damit auch eine Chance auf anständigen Unterricht insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften."Für grundsätzlich jedes Unterrichtsfach braucht man Deutschkenntnisse und die müssen von den Schulen auch erwartet werden können. Natürlich gibt es immer Ausnahmefälle, aber meiner Meinung nach ist die Sprache DIE Voraussetzung für die Möglichkeit der Integration. Aus diesem Grund muss meiner Einschätzung nach jeder die Sprache können. Schulen sind doch eh schon überfordert, es gibt nicht genügend Lehrkräfte, nicht genügend Platz und es wird von den Lehrern immer mehr erwartet und verlangt. Der Lehrauftrag ist mittlerweile stellenweise an zweite Stelle gerückt und musste sozialer Erziehung und integrativen Aufgaben Platz machen. Das ist aber nicht die primäre Aufgabe von Schule und genau das ist ein Problem unseres Bildungssystemes beziehungsweise unserer Gesellschaft. Warum kann der Hauptschulabschluss denn nicht gesellschaftliche Bedeutung haben, warum muss denn jemand der Friseur werden will die mittlere Reife vorweisen ? Gesellschaftlicher Wahnsinn, kein Problem des Schulsystems. Kein Wunder, dass dann Hauptschüler desillusioniert sind. Eine Änderung des Systems würde doch absolut nichts ändern.
    "Hauptvorteil der Gesamtschule wäre aber meiner Ansicht nach, die sozialen Kontakte zwischen Schülern aus unterschiedlichen "Milieus" zu verbessern."
    Würde es das ? Die Milieus existieren, weil es Gruppierung gibt, die unterschiedliche Perspektiven, Ansichten, Weltbilder, Lifestyles etc haben. All das wird durch eine Gesammtschule weder durchbrochen noch gemäßigt.Meiner Ansicht nach müssen Menschen, die hier leben wollen, die Sprache wenigstens grundsätzlich beherrschen und auch den Wille zur Integration zeigen, erst dann ist die Gesellschaft dazu verpflichtet diese Leute auch zu fördern. Eigenverantwortung bleibt für mich - in der Regel - die oberste Prämisse eines erfolgreichen, partizipierenden Lebens.

  7. Persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Gegebenheiten sind nicht automatisch überall gleich. Gerade in religiös bestimmten Kreisen finden sich Widersprüche. Da werden immigrierte Gemeindemitglieder nach Kräften gefördert, bei jeder Wahl aber jenen dieStimme gegeben, die eher für Ausgrenzung denn  für Integration stehen. Andererseits gibt es in Großstadtvierteln viel mehr kulturelles Miteinander als sich manch einer vorstellen kann.

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