Inzest-Fall Ganz weit unten

Ein schalldichter Bunker, ein charmanter Ingenieur, eine blasse Frau mit seltsamer Krankheit, eine aufmerksame Staatsanwältin: Wie der österreichische Ingenieur Josef F. seine Tochter 24 Jahre gefangen hielt.

Dies ist die Geschichte des 73-jährigen Ingenieurs Josef F., wohnhaft in Amstetten, Ybbsstraße 40, 13 Kinder, verheiratet. 24 Jahre lang täuschte er Polizei und Justiz, Jugendämter und seine Frau, mit der er sieben Kinder hat. 24 Jahre lang hielt er seine Tochter Elisabeth in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Er vergewaltigte sie, und sie gebar selbst sieben Kinder. Eines davon starb, und Josef F. verbrannte dessen Leichnam im Ofen.

Es ist Sonntag, der 27. April 2008. Über Amstetten, einer Stadt im niederösterreichischen Westen, spannt sich ein wolkenloser Frühlingshimmel. Die im Süden gelegene Ybbsstraße ist eine Durchgangsstraße. Spar, Fußballplatz, Wettbüro, Schule, Bäckerei, ein Steinmetz für Grabplatten. Das herausgeputzte Zentrum der 23.000-Einwohner-Stadt ist 15 Gehminuten entfernt. In den verkehrsberuhigten Seitengassen stehen die Einfamilienhäuser der gehobenen Mittelschicht. Hier ist kein Dorf, es ist die Vorstadt einer Provinzstadt.

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An der Ecke zur Dammstraße wohnt die Familie F. Die Fassade des dreigeschossigen Mehrfamilienhauses ist blau, an den Fensterscheiben kleben von Kinderhand gemalte Monde und Schmetterlinge. Als „Horror-Haus“ ist es nun weltweit bekannt. Männer in weißen Overalls fotografieren das Haus, sie vermessen das Grundstück und tippen die Daten in einen Laptop. Wortkarge Polizisten lassen niemanden auf das Gelände. Es herrscht Nachrichtensperre. Vor der Gartenhecke brummen die Generatoren der Übertragungswagen internationaler Fernsehstationen. Die Journalisten haben die Balkone der Nachbarn gemietet. Neugierige Autofahrer umrunden langsam den Block.

Die Szenerie erinnert an die Tage, als die Ingenieure Franz Fuchs und Herbert Priklopil gefasst wurden. Wieder geht es um einen Ingenieur aus der Provinz. Einen, den schon wieder niemand so wirklich gekannt haben will, einer, der freundlich grüßte und sonst kaum Spuren hinterließ.

Die Journalisten wären nicht hier, wäre die St. Pöltner Staatsanwältin Christine Burkheiser nicht stutzig geworden. Als Erste hatte sie gewittert, dass hier hinter den blickdichten Thujenhecken ein Verbrechen geschehen sein könnte.

Am Samstag, dem 19. April, klingelte der Notruf bei der Amstettener Rettung. Es ist Josef F. Er erzählt, dass bei ihm eine bewusstlose Frau, womöglich seine Enkeltochter, aufgetaucht sei. Die dünne, bleiche Gestalt wird ins örtliche Landeskrankenhaus eingeliefert. Ihr Zustand ist kritisch. Die Frau hat weder Ausweis noch Sozialversicherungsnummer. Die Ärzte wundern sich darüber, dass sie keine Zahnfüllungen hat. Das ist ungewöhnlich für eine 19-Jährige.

Josef F. hat einen Brief dabei, der die Identität der mysteriösen Frau klären soll. „Kümmert euch um meine kranke Kerstin“, steht darin. Elisabeth F., die Tochter von Josef F., soll ihn geschrieben haben. Sie ist seit dem 29. August 1984 verschwunden. Die Polizei vermutete sie bei einer Sekte. Das hatte ihr Vater 24 Jahre lang behauptet. Schon drei Kinder habe sie ihm in dieser Zeit vor die Tür gelegt. Zumindest glauben die Behörden das – und fragten nie weiter nach, als die ausgesetzten Babys mit rührenden Bittbriefen der Mutter auf der Türmatte lagen.

Diesmal handelt es sich nicht um ein Kleinkind. Die Ärzte attestieren der jungen Frau ein Multi-Organversagen und versetzen sie im Schockraum der Intensivstation in künstlichen Tiefschlaf. Sie schwebe in Lebensgefahr. Das Krankheitsbild können sich die Mediziner nicht erklären. Einzig die Mutter könne für Aufklärung sorgen.

Die abermalige „Kindesweglegung“, Krankheitssymptome einer pigmentlosen Frau, schon wieder so ein „liebevoller“ Brief: Die mit dem Fall betraute St. Pöltner Staatsanwältin Burkheiser wird stutzig. Blutschande, lautet ihr erster Verdacht. Ein Fall von Kindesmisshandlung, glauben ihre Kollegen. Noch spricht es niemand öffentlich aus, doch die Kriminalpolizei wird alarmiert.

„Er machte einen korrekten Eindruck, gab sich kooperativ, aber er antwortete auf meine Fragen in Stereotypen“, erinnert sich Albert Reiter, der Kerstin F. im Landeskrankenhaus Mostviertel-Amstetten aufnahm. „Verdacht hatte ich zuerst keinen. Josef F. hat die Fassade perfekt aufrechterhalten.“ Nach Reiters Schilderung war Josef F. auch einverstanden damit, dass er über die Medien nach der Mutter der Tochter suchen lässt. Josef F. wirkte ruhig und gefasst, obwohl er geahnt haben muss, dass die Geschichte seines Verlieses damit nicht mehr lange geheim bleiben wird.

Gemeinsam mit den Verantwortlichen des Krankenhauses veröffentlicht die Staatsanwaltschaft nun einen Aufruf an die vermeintlich Verschollene. „Da sich ihre Tochter (19) in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet, ersucht das Spital Amstetten die 42-jährige Mutter, Elisabeth F., sich zu melden“, heißt es in den Zeitungen und im ORF.

Interpol schaltet sich ein. Josef F. wird mehrmals vernommen, sein Haus von nun an informell unter polizeiliche Beobachtung gestellt. In ihrem Verließ sieht Elisabeth F. den Aufruf auf jenem kleinen Fernseher, den Josef F. ihr schenkte. Sie zwingt ihren Vater dazu, sie ins Spital zu bringen. Es wird das erste Mal seit 24 Jahren sein, dass sie das Tageslicht sieht. Sie will ihre zwei Kinder, die noch nie in Freiheit waren, mitnehmen. Er stimmt zu.

Als Josef F. mit der Tochter und den gemeinsamen Kindern am vergangenen Samstag das Haus verlässt, um ins Krankenhaus zu fahren, folgt ihm die Polizei im Geheimen. Elisabeths Haut ist bleich, ihr Gesicht fahl, die Haare der kleinwüchsigen Person sind schlohweiß, aufgrund „traumatischer Depigmentierung“, wie die Ärzte später erklären werden. Elisabeth F. hatte „ihr Fenster in die Freiheit“ genützt, formuliert es ein Polizeisprecher später.

Erst gegen Mitternacht, nach der Zusicherung, dass sie nie mehr Kontakt zu ihrem Vater haben müsse, erzählt sie ihr Martyrium. Ihr Vater wird verhaftet. Mit offenen Schnürsenkeln wird er von der Polizei fotografiert, das Bild wird an die Medien verteilt. „Es steht ihnen frei, einen Balken vor sein Gesicht zu setzen“, sagt Franz Polzer, der niederösterreichischer Landespolizeikommandant. Er selbst würde es nicht tun.

„Ihre Geschichte erschien uns zunächst unglaubwürdig“, sagt Polzer. Er ist sichtlich aufgeregt, als er in einem Amstettener Hotel vor die Weltpresse tritt und in hölzerner Art die Geschichte von Josef F. erzählt: „Er ist ein stattlicher Mann. Er hat sieben Kinder mit seiner Frau. Und plötzlich erfahren wir: Er hat auch sieben Kinder mit seiner Tochter, die 24 Jahre lang im Keller lebt.“

Die Details aus Elisabeth F.s Leben und dem ihrer drei bei ihr gebliebenen Kindern werden – anders als im Fall Natascha Kampusch – vielleicht nie ans Licht kommen. „Fragen Sie uns nicht nach Gabelgrößen und der Farbe des Spielzeugs“, bittet Polzer. Der Fall Kampusch, des Mädchens, das acht Jahre lang in einem Keller festgehalten worden war, bevor ihm 2006 die Flucht gelang – er war ein Vorgeschmack dessen, wie weit die Boulevardpresse auf der Jagd nach Auflage zu gehen bereit ist.

Was Elisabeth F. den Beamten in zwei Stunden erzählt, ist das Protokoll eines Martyriums. Sie wird 1966 geboren, als eines von sieben Kindern des Ehepaars Josef und Rosemarie F. Sie absolviert die Amstettener Volksschule und schließt eine Kellnerinnenlehre in einer Autobahn-Raststätte ab. Schon seit ihrem elften Lebensjahr, sagt Elisabeth F., habe sie der Vater sexuell missbraucht. Mit 17 läuft sie von zu Hause weg, wird nach Wochen in Wien aufgefunden. Es gibt ein Schwarzweißfoto, das Elisabeth in jenen Tagen zeigt. Ein fröhliches Mädchen ist da zu sehen.

Am 28. August 1984, in Österreich regiert Fred Sinowatz, lockt Josef F. seine damals 18-jährige Tochter in den Luftschutzbunker seines Hauses, wo er sie laut eigenen Angaben betäubt, mit Handschellen fesselt und in einen Raum einsperrt. In diesem kleinen Kellerraum wird sie die erste Zeit ihrer Gefangenschaft verbringen. Einen Tag nach der Entführung meldet Josef F. seine Tochter als vermisst. Nach wenigen Wochen erhält das Ehepaar F. einen Brief der Tochter, in dem sie darum bittet, nicht nach ihr zu suchen. Der Brief, so stellt die Polizei heute fest, wurde vermutlich unter äußerster Gewaltandrohung verfasst. Die Polizei verfolgte seit damals eine Sekten-These, während Josef F. regelmäßig in das Verlies hinunterstieg, um seine Tochter zu vergewaltigen, ihr Nahrung zu bringen oder das Verlies auszubauen.

Der Raum, in dem er sie gefangen hält, ist Teil eines größeren Schutzkellers, der unter dem Haus in der Ybbsstraße liegt. Das Verlies war Ende der 1970er Jahre als Bunker baubehördlich genehmigt worden. Zu dieser Zeit war das nichts Ungewöhnliches, da in der Umgebung mit einem Angriff des Warschauer Pakts gerechnet wurde. Die Bunker waren so ausgelegt, dass man zwei Wochen ohne Verbindung nach außen überleben könnte. Bunkerbauer tüftelten damals möglichst geheime Eingänge aus, damit im Fall des Falles störende Nachbarn fern blieben.

Auch in der Ybbsstraße liegt der Eingang gut versteckt hinter einem Kasten. Das nur knapp einen Meter hohe Stahltor ist mit einem elektronischen Code gesichert, der nur per Fernbedienung eingegeben werden kann. Über Jahre hinweg wird Ingenieur Josef F. den Bunker ausbauen.

Polizeifotos geben einen Einblick. Am Ende eines fünf Meter langen Gangs führt ein Schlupfloch in den Hauptraum. Er ist mit Kochplatten, WC und Dusche ausgestattet. An der Wand ein Allibert-Spiegel, darauf ein Plastiktier, ein Thermophor, der Syphon muss getropft haben, denn darunter steht ein Kübel. Es gibt Blumen und selbst gemalte Tintenfische. Daneben liegen zwei weitere Räume mit jeweils zwei Betten.

Fotos von diesen Zellen gibt es nicht. „Hier wurden Kinder geboren. Es ist die Intimsphäre von Elisabeth“, sagt Polzer. Die Polizei fand einen Fernseher samt Videorekorder und ein Radio. Insgesamt ist das Verlies 60 Quadratmeter groß und mit einer Gummimatte schalldicht gemacht. „Hätte er die Kinder abgestochen“, sagt ein Polizist, „hätte das niemand gehört.“ Hätten die Kinder ihren Vater umgebracht, wären sie mit ihm für immer eingesperrt gewesen. Nur er kannte den Code, um die Türe zu öffnen.

In den folgenden Jahren schlägt, missbraucht und schwängert Josef F. seine Tochter – vor ihren eigenen Kindern. Insgesamt wird er sieben Kinder zeugen. Am 19. Mai 1993 gibt Josef F. an, die damals neun Monate alte Lisa vor dem Haus gefunden zu haben. In einem Brief, der dem Kind beigelegt war, erwähnt Elisabeth F. die Geburt zweier Kinder: Kerstin und Stefan. Für Lisa sei nun kein Platz mehr, heißt es in dem Schreiben. Es ist das erste Lebenszeichen der Verschwundenen nach neun Jahren. Auch diesen Brief hat sie nicht freiwillig geschrieben.

Die vermeintlichen Kindesweglegungen der verschwundenen Tochter mehren sich. Am 15. Dezember 1994 soll Elisabeth F. ein weiteres Kind, die zehn Monate alte Monika, im Haus der Familie F. abgegeben haben. Drei Jahre später, am 3. August 1997, will Josef F. am selben Ort den 15 Monate alten Alexander gefunden haben. Die Polizei vermutet heute, dass Josef F. die drei Kinder nach oben brachte, weil es im Keller zu eng geworden war.

In einem Brief von 2003 schreibt Elisabeth F. noch von einem weiteren Sohn Felix, der aber nicht auftaucht. Ein siebtes Kind stirbt bei der Geburt. Josef F. verbrennt es im Heizofen. Sollte das Kind erst nach der Geburt gestorben sein, könnte er wegen Mordes angeklagt werden, dann droht ihm Lebenslang. Derzeit lauten die ihm angelasteten Delikte: Blutschande, Freiheitsentzug, schwere Nötigung, Körperverletzung und Vergewaltigung mit Schwangerschaft. Höchststrafe: 15 Jahre.

Das Ehepaar F. adoptiert das älteste der angeblich weggelegten Kinder und nimmt die anderen beiden in Pflege. Sie kassieren dafür Förderungen des Landes. Haben die Behörden überprüft, ob Josef F. wirklich der Großvater war? Hätten sie spätestens beim dritten Findelkind stutzig werden können? Solche Fragen zu stellen wäre heute wohlfeil. „Wer kann mit so einem Fall rechnen?“, sagt Amstettens Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze: „Wir können noch nicht sagen, ob das damals überprüft wurde.“ Herzzerreißend seien die Briefe gewesen, sagt der Beamte, „heute lese ich sie wie einen Hilfeschrei“.

Die drei in Freiheit aufgewachsenen Kinder von Elisabeth sind bestens in den Ort integriert. Sie sind bei der jungen Feuerwehr, turnen beim Polizeisportverein, spielen Instrumente und bringen gute Zeugnisse nach Hause. Die drei führen mit ihrem vermeintlichen Großvater ein normales Leben, während ihre Mutter mit ihren drei Geschwistern wenige Meter unter ihnen lebt. Elisabeth F. lehrt Kerstin (19), Stefan (18) und Felix (5) zu sprechen und zu gehen. Sie unterrichtet die drei auch. Ihr Vater soll ihr dafür Schulbücher gebracht haben.

Wer ist dieser Rentner, der nicht nur die Behörden, sondern anscheinend auch seine Frau Rosemarie, 68, jahrzehntelang hinters Licht führen konnte? Einen ausgezeichneten Leumund attestierten ihm die Behörden noch vor Kurzem. Auf den Polizeifotos wirkt er nun wie ein abgeschminkter Clown, die Augenbrauen zieht er genervt nach oben, die Lippen presst er zusammen.

Es ist eine großräumige Siedlung, in der er die letzten Jahrzehnte verbrachte. Hier kennt man einander vom Sehen, nicht mehr. Die Hecke seines Gartens ist zwei Meter hoch, viel ist von hier aus nicht zu sehen: eine Holzhütte, ein grauer Mercedes, ein Basketballkorb und ein roter, verrosteter Stuhl. Nachbarn nennen F. „charmant und elegant“, „fleißig und zuvorkommend“. Er sei ein Mann, der „immer Geld einstecken hatte“, wie eine Nachbarin sagt. Der 73-Jährige sei nicht nur „kräftig, rüstig, intelligent und berechnend“, sagt Polizeikommandant Polzer, sondern auch „sexuell potent“.

Die Bild -Zeitung druckte Fotos, die F. im Urlaub – angeblich in Thailand – zeigen. Mal räkelt er sich im Sonnenstuhl, mal steht er vor einem Berg Ananas, mal streckt er seinen Bauch heraus. Wie konnten seine Tochter und ihre Kinder derweil im Keller überleben? Muss die Polizei mit Mittätern rechnen? Derzeit schließt sie dies aus.

Josef F. ist ausgebildeter Ingenieur und Elektrotechniker. In jungen Jahren arbeitete er in Brasilien, danach bei Voest in Linz. Bevor er sich Anfang der 1970er Jahre selbstständig machte, arbeitete er bei einem Amstettener Baustoffhandel. Dann eröffnete er wohl einen Campingplatz am Mondsee, danach ein Wirtshaus in Aschbach. Am Immobilienmarkt sei er aktiv geworden, er habe Grundstücke in Waidhofen an der Ybbs, Kematen und St. Pölten gekauft, heißt es. Auf seine Adresse ist auch ein Einzelhandel für Unterwäsche eingetragen.

F. vermietete Wohnungen in seinem Mehrfamilienhaus. Zu den Kindern sei er autoritär und streng gewesen, erinnert sich ein Mieter, nach außen hin aber sei er freundlich und umgänglich aufgetreten. Außerhalb des Hauses hielt er sich bei der Erziehung der Kinder zurück. Seine Frau Rosemarie holte und brachte die Kinder und besuchte Elterntage. Auch wenn die Sozialarbeiter zur Kontrolle der Pflegekinder kamen, trat meist nur sie in Erscheinung.

F. besorgte die Nahrungsmittel für seine Kinder und Kindeskinder außerhalb des Ortes. Abends beobachteten ihn Nachbarn öfters dabei, wie er Lebensmittel in den Keller karrte. Den Zutritt zum Keller und zum Hinterhof verbot er den Untermietern und seiner Familie strengstens.

Wie war es möglich, dass seine Familie, besonders seine Frau, nichts von dem Doppelleben merkte? All die Zeit, die er alleine im Keller war; der Müll, den er entsorgen musste; die Lebensmittellieferungen; der Ausbau des Kellers; die Kinderkrankheiten, die er behandeln musste?

Wer mit Rosemarie F. Kontakt hatte, beschreibt sie als liebevolle, um die Kinder bemühte Großmutter. Erst vergangene Woche, so eine ältere Nachbarin, habe sie sie beim Einkaufen getroffen und sich nett mit ihr unterhalten. Die Großmutter und ihre drei Enkel wurden noch Samstagnacht zur psychischen Betreuung an einen geheimen Ort gebracht. Dort trafen sie auf Elisabeth F. und ihre drei Kinder.

Der fünfjährige Felix, der noch nie die Sonne sah, strahlte, weil er mit einem Auto mitfahren durfte. Ein Polizist schilderte die Fahrt der Kinder. Wenn Autos mit Licht entgegengekommen sind, dann hätten die Kinder gejuchzt und seien in Deckung gegangen. Sie dachten jedes Mal, es kommt zum frontalen Zusammenstoß. Die Welt außerhalb ihres Verlieses, so der Polizist, sei für sie ein Irrgarten: „Sie haben sich mit gar nichts ausgekannt. Auf dem Rückweg vom Spital, da haben die Kinder staunend den Mond bewundert, sich gegenseitig angestoßen und ganz aufgeregt miteinander getuschelt.“

Der Kinderpsychiater Max Friedrich sagt, man müsse sich die „Überwältigung“ der Kinder vorstellen. Sie spürten zum ersten Mal den Wind, blinzelten im Tageslicht, hörten Vögel zwitschern. „Am gefährlichsten ist es für ihre Augen“, sagt Friedrich. Sie seien nur Kunstlicht gewohnt. Auch die Haut sei gefährdet, da sie kein Pigment bilden konnte.

Der Fall Kampusch, sagt Friedrich, sei mit der Familie F. nicht vergleichbar. Denn die Kinder hatten keine Kindheit in Freiheit – und sie lebten nicht alleine, sondern bei ihrer Mutter. Es werde vier, fünf Jahre dauern, ehe die Kinder so etwas wie Normalität erfahren könnten.

Die Ärzte wollen die Familie nicht wieder „zersplitten“, wie der behandelnde Primarius Berthold Kepplinger es nennt. Er spricht von der Familie „untertag“ und jener „übertag“. Kepplinger sagt, die Kinder hätten sich sofort verstanden.

(Mit freundlicher Genehmigung der Wiener Stadtzeitung Falter)



 
Leser-Kommentare
  1. "Derzeit lauten die ihm angelasteten Delikte: Blutschande,
    Freiheitsentzug, schwere Nötigung, Körperverletzung und Vergewaltigung
    mit Schwangerschaft. Höchststrafe: 15 Jahre."15 Jahre Höchststrafe? Ich hoffe, dass das ein Scherz sein soll!

  2. Es gehört zu den Erfahrungen des Lebens in offenen demokratischen Gesellschaften, dass es erstens meistens viel schlimmer kommt, als man es sich vorzustellen vermag und dass zweitens alles letztlich ans Tageslicht kommt. Spätestens seit dem Holocaust ist das Unvorstellbare Realität geworden.ohauaha

  3. ich denke 15 jahre reichen um einen 73 jährigen einzubuddeln.
    15+73=88

  4. Sie schreiben:
     
    "Spätestens seit dem Holocaust ist das Unvorstellbare Realität geworden."
     
    Mein Kommentar:
     
    Wieso spätestens seit dem Holocaust? Die Christianisierung Südamerikas soll in einem Jahrhunder einige Millionen Opfer unter den Indios gebracht haben, bei den kommunistischen Regimen sieht es nicht besser aus, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und wieviele sog. integere Persönlichkeiten haben sich schon in sexuelle Verirrungen verstrickt. Lesen Sie mal den göttlichen Marquis!
     
    Ich erweitere Einsteins Aussage über den Menschen Er soll sinngemäß gesagt haben:  Ich weiss nicht, ob das Universum unendlich ist, aber ich bin sicher, die menschliche Dummheit ist es. Ich füge hinzu: AUCH DIE MENSCHLICHE AUS GIER UND HASS ENTSTHENHENDE BOSHEIT IST UNENDLICH. UND KEINER SOLLTE SICH SEINER SICHER SEIN. SELBSTGERECHTIGKEIT FÜHRT IN DEN ABGRUND, WIE DIE GESCHICHTE ZEIGT
     

    • halka
    • 30.04.2008 um 9:30 Uhr

    Ich glaube Sie meinen die Kolonisierung Südamerikas und nicht die Christianierung.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gehört doch zusammen oder nicht?

    gehört doch zusammen oder nicht?

  5. 6. ...

    gehört doch zusammen oder nicht?

    Antwort auf "@Flieger51"

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