Rentendebatte Rente, was ist das?

Die künftige Altersarmut lässt sich nicht mit einer Mindestrente à la Rüttgers beheben. Denn immer weniger Berufstätige können überhaupt noch genügend Beiträge zahlen. Eine Kolumne

Gestern noch hieß es, die Alten beuten die Jungen aus. Den Alten gehe es besser denn je, ihr gemütliches Leben zwischen Sessellift und Limousine ließen sie sich von überarbeiteten jungen Leuten bezahlen. Die demographische Entwicklung sei eine der wichtigsten Gründe für Jugendarmut und -arbeitslosigkeit, für den schon oft prognostizierten Zusammenbruch des Rentensystems, für nur moderates wirtschaftliches Wachstum, womöglich noch für die Inflation; wofür eigentlich nicht...?

Man hatte mal wieder einen Bösewicht gefunden: "die" Alten, als sei dies auch nur ansatzweise eine homogene, vor allem eine einkommenshomogene gesellschaftliche Gruppierung. Kaum ein Tag ohne öffentliche Verteuflung der "Altenrepublik" . Kein Wunder, dass angesichts der medialen Resonanz auf die Daten zur demographischen Entwicklung manche ältere Mitbürger auf einmal sagen: "Entschuldigen Sie, dass ich noch da bin."

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Abgesehen vom insgesamt sehr ruppigen Umgang mit "den" Alten, von denen ein großer Teil nicht zwischen Liechtenstein und Monte Carlo, sondern zwischen Arztpraxis und Rehaklinik unterwegs ist, wurde bisher zu wenig bedacht, wer denn die – armen - Alten von morgen sein werden.

Denn das viel beschriebene Prekariat besteht in Zukunft nicht in erster Linie aus perspektivlosen jungen Menschen, sondern – aus Gründen der biologischen Zwangläufigkeit – aus armen Alten, deren Perspektive ein Sechsbettzimmer in einem Wohnheim ist. Unbefristet.

Die jüngste Forderung von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers , wegen der drohenden Altersarmut die Rente zu erhöhen, ist daher zwar verständlich, zielt aber am Kernproblem vorbei. Denn von der geforderten Erhöhung der Rente würde nur eine bestimmte soziale Schicht profitieren, nämlich die, die jahrzehntelang ihre Beiträge geleistet hat.

Rüttgers hilft also denen, die in Berufen arbeiten konnten, in denen ein jahrzehntelanges Abführen von Beiträgen überhaupt möglich war. Er ignoriert jedoch diejenigen, die nicht eine "normale" Erwerbsbiografie aufweisen können.

Und diese "normale" Erwerbsbiografie, auf der sein Vorschlag basiert, gehört schon heute der Vergangenheit an. Denn unsere Arbeitswelt verändert sich rasant und wird immer stärker von „gebrochenen“ Lebensläufen geprägt. Seit Anfang der achtziger Jahre hat die Langzeit- und Mehrfacharbeitslosigkeit rasant zugenommen: 2006 wurde mit 1,9 Millionen Langzeitarbeitslosen und einem Anteil von 42 Prozent an allen Arbeitslosen ein Höchststand erreicht.

Leser-Kommentare
  1. Die Chancen geistiger und körperlicher Gaben sind bei den Menschen verschieden. Von Natur aus möchte jeder Mensch etwas erwirtschaften doch die gegebenen Möglichkeiten in unserer Gesellschaft sind erfahrungsgemäß verschieden.
    Ich plädiere für eine menschenwürdige Grundrente die vorausschauend von der Gemeinschaft geplant wird. Wir haben eine Mehrwertsteur, ein paar Punkte sind dann für die Grundsicherung. Ach ja, ich vergaß Rücklagen der Rentenkassen wurden ja schon ein mal von der Kohlregierung geplündert. Auch, daß heute nur wenige Paare Kinder haben wollen. Was macht dann ein Bauer ohne Saatgut? Er verhungert.  --------
     

  2. Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erschien ein Roman "The Tripods" von John Christopher, der auch ins Deutsche übersetzt wurde "Die dreibeinigen Herrscher". Darin wird ein düsteres Zukunftsszenario entworfen, in dem Außerirdische die Macht auf der Erde übernommen und die Menschheit versklavt haben. Diese bekommen von Geburt an ein Hirnimplantat ("cap") eingepflanzt, welches die Kontrolle durch die Herrscher sicherstellt und dienen in speziell gebauten Städten, wo die (bei weitem höhere) Gravitationkraft des Herkunftsplaneten der Außerirdischen herrscht, als Sklaven der dreibeinigen Monster. Aufgrund der schweren Arbeit altern die Menschen in den Städten viel schneller, und wer schließlich keine Lebenskraft mehr hat, der kann freiwillig eine der speziell installierten Kabinen betreten, die ihm einen schnellen Tod bereitet. An diese Geschichte muss ich gerade in Anbetracht der Rentendiskussion, aber auch der Diskussion um die Gesundheitsreform in letzter Zeit öfters denken. Es erscheint mir in Anbetracht der sich momentan abzeichnenden Entwicklung (chronischer Geldmangel im Sozialsystem, immer weniger Beiträge aus Erwerbsarbeit, steigende Lebenserwartung, Multimorbidität im Alter) fast logisch, dass wir von solchen "Selbstmordkabinen" (nicht wörtlich, sondern eher bildlich zu verstehen) gar nicht mehr so weit weg sind. Eine wahrhaftig gruselige, aber nicht völlig abwegige Vorstellung, wie ich meine.

  3. Wäre das vielleicht ein Ausweg? Angesichts der hier geschilderten Probleme muss man revolutionäre Lösungen ins Auge fassen. Ihre "Selbstmordkabinen" sind natürlich ein ausgezeichneter Vorschlag - jedoch würde diese Lösung die Reichen wiederum zu sehr begünstigen. Ich bin daher für die radikale Begrenzung der Lebenszeit für jedermann!
    Beispielsweise sollten Männer mit 65 Jahren und Frauen mit 67 Jahren abtreten müssen. Das Einschläfern könnten die Veterinäre gegen ein bestimmtes Honorar übernehmen.
    Nichtsdestotrot herzlichen Dank für Ihren wirklich phänomenalen Problembewältigungsvorschlag. Herzliche Grüße aus Akodo Beach, Lagos!

  4. Danke für Ihren zynischen Kommentar, doch Sie haben mich offenbar missverstanden: das war kein Vorschlag, sondern tiefster Pessimismus. Ich bin jetzt 36 und habe als Freiberufler noch keinen Cent für's Alter vorgesorgt. Nicht weil ich einen besonders luxuriösen Lebensstil pflege, sondern schlicht und einfach weil ich mich seit Jahren am Existenzminimum bewege. Da macht man sich eben Gedanken, was das Alter noch groß bringen soll, außer eben das sprichwörtliche "Schuften bis zum Umfallen.

  5. Beides wird ja mittlerweile mit Steuergeldern finanziert. Der Unterschied ist die Rentner zahlten Beiträge von 20 % ihres Einkommens, die Beamten zahlten nichts und bekommen eine bessere Altersversorgung!Das sieht dann wie in einem Beitrag eines öffentlichen Fernsehmagazin gezeigt in etwa so aus: In Rente gegangene Arbeiter überwintern mit ihrer Rente in Süditalien in ihren einfachenen Wohnmobilen mit Meeresblick, sie feiern ein bischen in ihrer Gemeinschaft und wirtschaften entsprechend ihrer Rente, einfache Verhältnisse. Der deutsche EU- Beamte im Ruhestand trifft mit seinem 300.000 € teuren Luxusmobil auf den selben Campingplatz ein, und zeigt in seiner Größe auch den Rentern den Luxus in seinem Zuhause. Der der nie Abgaben an die öffentliche Altersversorgung bezahlt hat fährt einen aberwitzig teuren Luxuswohnwagen, die anderen die Pflichtzahler sind, leben gerade noch Standart. Mit einem Satz die arbeitende Bevölkerung sind die Dummen, reich im Alter wird man nur durch Begünstigungen, als Staatsdiener, oder als Mafiosi, der eine ist legal der andere illegal was auch der einzige Unterschied ist. Wieso zahlen Beamte nicht den selben Anteil an ihrer Versorgung 20% ihres Bruttoeinkommens wie alle anderen auch? Diese Leistung die Pension für Beamte  ist ein Witz, zumal diese ja von Steuergeldern bezahlt werden. Die sollen sich selbst ihre Luxuskarossen finanzieren, aber jeder weiss solche Gefährte kann man nur auf Kosten Anderer finanzieren. Eine gerechte Beteiligung an den Kosten der Pension ist doch wohl das mindeste was diese Gesellschaft erwartet, oder sollen wir weiter in parallel Gesellschaften leben, hier die Bürger dort der Staat und seine Bediensteten. Das System ist ein Wahnsinn für jeden der es betrachtet und es kann so nicht mehr weiter bestehen.

  6. Was soll das Gejammer? Es ist doch genug Geld für die Auszahlung der Renten da, wenn man endlich aufhört, es an 1000 anderen Stellen in großen Batzen zum Fenster rauszuwerfen..Ein kleiner Anfang wäre, die Sozialhilfe für Kinderlose unter 30 generell abzuschaffen. Da kommt schon genug zusammen. Und die 65jährige Omi, die ihr Leben lang geackert hat, hat das eben eher verdient als der durchschnittliche Twen.

    • Neon
    • 24.04.2008 um 17:43 Uhr

    Es ist an der Zeit die Suche nach den Verantwortlichen zu beginnen.
    Ernsthaft reparieren will das System ja keiner. Also koennen wir doch ein wenig Karnickeljagd spielen.Den ersten kennen wir schon lange: Konrad Adenauer. Der hat diesen Unsinn ja angerichtet, nachdem folgerichtig die kapitalisierte Rentenkasse der Weimaer Republik nach der Waehrungsreform 1948 pleite war. Ich wundere mich, dass die ueberhaupt den Krieg ueberlebt hatte. Na ja - deutsche Gruendlichkeit. Wie auch immer. Kasse leer - da muss nun eine Methode angeschafft werden, mit der die damalige Rentnergeneration versorgt werden konnte. Die Rentenkasse war ja kriegsmaessig verjubelt worden und ansparen fuer eine neue kapitalisierte Rentenkasse etwas zu spaet. Die Bevoelkerungspyramide erodiert - leider etwas ungleichmaessig.Da war lange Zeit (ahnungslose) Ruhe bis das Komikerpaerchen Kohl/Bluehm die Buehne betrat und die Leute etwas unruhig wurden, weil einige Sachverstaendige doch mal aufgesprochen hatten. "Die Rennndte iss sischer" - das hat doch schon vor 20 Jahren keiner mehr geglaubt. Nur waren die Leute mit irgend etwas anderem Beschaeftigt. Keine Ahnung mit was - aber jeder Kritiker wurde pauschal als Dummkopf diffamiert. Damit war das Problem dann behoben.Das der Bluehm ueberhaupt noch frei rumlaufen darf.Zitat Roger Willemsen: "Da haben ein paar Genrationen das Land in Schutt und Asche gelegt und sich anschliessend eine huebsche Rente genehmigt. Das wurde dann Generationenvertrag genannt".Die erste Generation, die ihr Arbeits- und Berufsleben komplett in der Bundesrepublik Deutschland verbracht hat und brav an die BFA gezahlt hat, ist dann auch prompt die erste Rentnergeneration die sofort angeschmiert wurde.1997 widmet die "Neue Zuercher Zeitung" eine komplette Titelseite dem deutschen Rentenwahnsinn und zieht ueber die Dummheit der Bundesbuerger her. Die Cousins im Norden koennen aber alle nicht lesen.Aber wie wir ja alle wissen ist Leugnen keine Loesung. Wann begreifen die Leute endlich, dass indische und chinesische Arbeiter keine Beitraege an die BFA entrichten. Wuerde ja auch garnicht funktionieren. Selbst der Mindestbeitrag liegt deutlich ueber deren Nettoeinkommen.Aber chinesische Plastikschuhe sind ja so schoen billig . . . . . 

  7. Wo ist eigentlich das Bild von Tanja Dückers ?

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