Schwarz-Grün Grün ist die Hoffnung – der CDU
Die Hamburger Koalition mit den Grünen ist für die Union ein wichtiger Schritt ihrer Modernisierung. Um später umso stärker neoliberal regieren zu können. Ein Gastkommentar
Geschafft!
Nachdem die Basis der Hamburger Grün-Alternative Liste (GAL) dem Koalitionsvertrag mit der CDU zugestimmt hat
, dürfte ein Aufatmen durch das Konrad-Adenauer-Haus gegangen sein. Denn eines darf Angela Merkel und ihrer Union im gegenwärtigen Umbruch der Volksparteien keineswegs passieren: ein ähnliches Desaster wie der SPD nach Schröder, also Abspaltung (Die Linke), Verlust einer Integrationsfigur (Lafontaine), machtpolitische Marginalisierung. Schwarz-Grün ist ein zentraler Baustein für die CDU, wenn sie in ihrem Modernisierungsprozess ihre Machtchancen behalten will.
Nichts wäre für die CDU gefährlicher gewesen, als wenn sie 2005 mit der FDP tatsächlich die Mehrheit gewonnen und durchregiert hätte, mit Kirchhoff'scher Steuerpolitik, marktliberalem Credo, Law and Order und dem Anspruch einer neuen militärischen Mittelmacht im globalen Poker um die Markt- und Rohstoffzugänge. Nicht nur ein Heiner Geißler wäre gegangen und vielleicht nicht nur zu Attac, der christliche Arbeitnehmerflügel hätte wie wild um sich geschlagen, der außenpolitische Glanz, der einer Kanzlerschaft eigen ist, hätte sich in den finalen Jahren des Niedergangs des US-Neokonservativismus wohl rasch eingetrübt.
Doch es ist ja anders gekommen. Schwarz-Grün, so stellte der grüne Umweltsenator Reinhard Loske aus Bremen fest, ist ein „Medienhype“ geworden. Während in Berlin die Mehrheits- und Machtfrage großkoalitionär stillgestellt ist, geben sich die Konservativen einen modernen grünen Anstrich. Die Ingredienzien dieses Farbanstrichs, ja die Farbe selbst sind dabei zweitrangig. Was zählt, ist die Wirkung. Denn nichts braucht Angela Merkel für ihre Union dringender als den Eindruck der Modernität, als eine große Erzählung von moralischer Verantwortung und Sinn.
Während die Mittelschicht, Träger einer krisenhaft gewordenen parlamentarischen Demokratie, zerbröckelt und die soziale Auseinanderdrift zunimmt, spricht der Berliner CDU-Chef Friedbert Pflüger daher auch unentwegt vom sonnigen „Jamaika“, von der „Wiedervereinigung des Bürgertums“, von der „Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“. Gerne wird von ihm und der Union den Grünen alles Ökologische und Soziale in der Hamburger Koalition zugerechnet, völlig unabhängig davon, ob die GAL es durchgesetzt hat oder ob es ihnen von Ole von Beust hinterhergetragen wurde; ob es einen echten Fortschritt darstellt oder ob es nur so wirken soll.
Die bösen Sachen (Elbvertiefung, Studiengebühren, Abschiebungen) sind alle schwarz, und die guten Sachen (Sozialticket, Straßenbahn, längeres gemeinsames Lernen) sind alle grün. Sogar aus der CDU-Perspektive stellt sich das so dar, soll sich das so darstellen: Das Gute an von Beust ist nicht das Schwarze, sondern das Grüne.
Und was nicht passt, das wird halt passend gemacht. Im Hamburger Koalitionsvertrag finden sich dann auch geradezu groteske Sätze wieder: „Ausländische Straftäter, gewaltbereite Islamistinnen und Islamisten und terrorverdächtige Gefährderinnen und Gefährder werden auch weiterhin konsequent abgeschoben“ – der "Krieg gegen den Terror" geschlechtergerecht „gegendert“. „Ergänzungskoalition“ lautet die offizielle grüne Sprachregelung hierfür.
- Datum 28.04.2008 - 13:29 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Ein kluger Kommentar, insbesondere wegen des Perspektivwechsels, der Schwarz-Grün aus CDU-Sicht versucht zu beurteilen. Grün übernimmt sich mit der Hamburger Entscheidung erheblich, weil nämlich die fehlende Motivation der Basis missachtet wurde. Die findet vielleicht den Koalitionsvertrag akzeptabel, ob sie sich dafür aber ein Bein ausreißen wird, ist zu bezweifeln. Und so wird aus dem CDU-Wolf der Förster vom Sachsenwald. Mit grünem Mäntelchen.
ohauaha
Daraus kann nur politisches Chaos resultieren. Aber vielleicht brauchen wir ein solches! Wie sagte Duerrenmatt so treffend wie wahr: Eine Geschichte ist erst dann richtig zu Ende gedacht, wenn sie ihren schlimmst moeglichen Ausgang genommen hat. Gewitter - insbesondere politische - reinigen die Luft, auch die Berliner Luft...
Die Naivitaet der Gruenen in Hamburg ist wirklich so bewunderns- wie verachtenswert. Der ausgehandelte Koalitionsvertrag ist ein trauriger Witz. Was sollte dem Waehler da eigentlich verkauft werden?
Petra Kelly mag sich im Grabe herumgedreht haben. Nichtsdestotrotz gibt es wohl noch ein paar Gruene, die wie Robert Zion die Realitaet nicht ganz aus den Augen verlieren. Wer gruen waehlt und sich am Ende schwarz aergern muss, wird ansonsten eben in Zukunft gleich die ehrliche Alternative waehlen. Da mach ich mir keine Sorgen...
aber es ist nun mal so: Grün war die hoffnung. und jetzt setzt die CDU, mal wieder hellwach, auf verwelktes. diese hoffnung wird zur enttäuschung werden, weil Grün sich mindestens halbieren wird, und dann bleibt den Schwarzen doch wieder nur der Gelbe anstecker. schade um die Grüne hoffnung.
... so kommt stets ein ins Braune changierendes (Nato)-Oliv heraus!
Globaler Raubtierkapitalismus, schon klar. Vielleicht sollte Herr Zion mit solchen polemischen Kampfbegriffen lieber einen Beitritt zur Linkspartei erwägen, denn bei den Grünen ist nach meiner Erfahrung eher konstruktives Denken gefragt. Wer glaubt, dass man gesellschaftliche ohne wirtschaftliche Freiheit haben kann, der hat ganz wesentliche Dinge nicht verstanden und sollte sich lieber Lafontaines Simplizistenpartei zuwenden, die sich die Welt so denkt, wie sie sie gerne hätte. Die braunen Töne, die dort gelegentlich anklingen, sind jedoch alles andere als Zufall, was jedem aufmerksamen Grünen eigentlich zur Warnung gereichen sollte. Aber, hey, sind nicht auch die NPDler gegen das böse (jüdische) Kapital und die (zionistische) Hochfinanz mit ihrer Raubtiermentalität? Das wär doch auch eine interessante Option, besonders für jemanden mit dem Nachnahmen Zion.
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