Internet Versilberung im Netz

Es gibt SchülerVZ, StudiVZ, Xing - doch was ist mit den Älteren im Internet? Sie ziehen gewaltig nach: Die sogenannten Silversurfer gelten als neue Goldgrube im Netz.

Ursula ist jeden Tag online. "Ich stehe auf, mache mich fertig und schaue, was es Neues gibt", sagt sie. Ursula, pensionierte Ärztin und 67 Jahre alt, ist seit sieben Jahren Mitglied bei seniorentreff.de . Früher, sagt sie, sei das Internet "eine kalte, anonyme Geschichte" für sie gewesen. Heute freut sie sich, wenn sie einen Bekannten im Forum trifft. "Das gehört inzwischen zu meinem Leben."

Etwa 15 Prozent der Deutschen bewegen sich in Beziehungs- oder Kontaktnetzwerken im Internet, sogenannten Communities oder Social Networks. Zunächst denkt man dabei vor allem an Treffpunkte für junge Leute wie SchülerVZ, StudiVZ, Lokalisten oder Facebook. Doch allein in den vergangenen Monaten gingen zahlreiche Portale für "Best-Ager" online: Sie nennen sich Platinnetz , iquarius.de oder fiftiesnet.de und richten sich an die Zielgruppe der über 50-jährigen Internetnutzer, die sogenannten Silversurfer.

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Seniorentreff.de war neben feierabend.de eines der ersten Portale dieser Art in Deutschland. 1998 wurde die Seite gegründet, seit 2000 betreibt sie der Freiburger Biologieprofessor Karl-Friedrich Fischbach. "Anfangs wurden wir etwas belächelt", erinnert sich der 60-Jährige. Senioren und Internet – das waren Ende der Neunziger noch zwei Welten, die unvereinbar schienen.

Dass sich das massiv geändert hat, beweisen die jüngsten Studien. 2007 bewegten sich laut ARD/ZDF-Online-Studie erstmals mehr Über-60-Jährige als Unter-20-Jährige im Netz. Die größten Zuwachsraten verzeichneten Frauen und Über-50-Jährige. Haben die "Alten" den Anschluss geschafft?

"Auf jeden Fall", sagt Marc Drüner, Medien-Professor an der Berliner Steinbeis Universität und Geschäftsführer einer auf Medien spezialisierten Unternehmensberatung. "Wir haben fast fünf Millionen Deutsche im Netz, die wir als 'Silversurfer' bezeichnen." Eine repräsentative Studie von Drüners Instituts fand heraus, dass sich das Verhalten der Über-60-jährigen User von dem der jüngeren Netzbesucher kaum unterscheidet: "Im Durchschnitt gehen 19,6 Prozent der Deutschen einmal täglich ins Internet, bei den 'Silversurfern' sind es 18,4 Prozent." Die "Alten" werden außerdem immer aktiver: Mehr als sieben Prozent der "Silversurfer" (im Vergleich: elf Prozent des Bundesdurchschnitts) stellen eigene Inhalte wie Fotos, Videos oder Textbeiträge ins Netz.

"Anfangs haben uns alle gesagt, selbst produzierte Inhalte der Nutzer (User generated content) würden bei dieser Zielgruppe nie funktionieren", erzählt Heike Helfenstein vom Portal Platinnetz , an dem der Holtzbrinck-Verlag beteiligt ist. Ältere Menschen, so hieß es, seien passive Mediennutzer, die gewohnt seien, sich vom Fernseher berieseln zu lassen. Die Realität sah ganz anders aus: "Unsere User waren extrem aktiv, wir haben etwa 40.000 Foreneinträge pro Woche", berichtet Helfenstein. Inzwischen ist Platinnetz.de ein klassisches Web-2.0-Portal, das sich äußerlich kaum von anderen Communities unterscheidet.

Leser-Kommentare
  1. Dass die Zielgruppe 60plus zunehmend online ist, finde ich erfreulich. "Wir" haben immer mehr Plattformen, auf denen es Spaß macht online aktiv zu sein. Nun hat auch XinXii hat eine zusätzliche / neue Kategorie für Senioren bereit gestellt, in der man selbst verfasste Informationen für Leute 60plus herunterladen oder bereitstellen kann. Damit möchte ich die Aussage von Heike Helfenstein unterstreichen, dass entgegen vieler Meinungen "unsere" Zielgruppe sehr wohl selbst Inhalte produziert bzw. nachfragt.

  2. Die BestAgergruppe, zu der ich nun auch gehöre wird wirklich sehr viel aktiver, jetzt hat man eben auch die Zeit, um zu surfen und das Interent richtig auszunutzen. Aber warum eigentlich 60 plus?oder 50 plus? Ich finde, alle zwischen 40 und ... gehören zur BestAgergruppe und man sollte nicht schon wieder Schubladen benutzen. Wenn ich 58 Jahre bin, habe ich nichts bei den 60ern verlohren?Da sollte mehr auf Generationenannäherung hingearbeitet werden. Ein schönes Beispiel ist da www.herbstzeit.de, bei denen ich Mitglied bin( hat mir übrigens in der Aufzählung des Artikels gefehlt) noch relativ jung am Markt, aber man merkt, das eine Menge Interesse und Idealismus dahintersteckt, wirklich Mehrwert für Senioren anzubieten und im  Internet eine Generationsübergreifende Plattform zu bieten. Jedenfalls sind die keine maskierte Verkaufsplattform, wie es bei einigen anderen doch ziemlich offensichtlich ist.Jedenfalls gibt das Interent noch einiges für uns "Ältere" her und es bleibt zu hoffen, das es noch mehr Anbieter geben wird, die etwas anbieten, ohne diese sogenannte "Golddrube" im Hinterkopf zu haben.Clemens

  3. Da ist ja nun doch nicht alles Gold was glänzt. Es gibt einige Plattformen deren Macher es nicht in den Griff bekommen. Rechtsverstöße und gegenseitige Beleidigungen sind gang und gebe, ohne dass dagegen vorgegangen wird. Stark ausgeprägt ist dieses bei fiftiesnet. Einige User scheinen dort Narrenfreiheit zu genießen und können ungehindert beleidigen, während diejenigen die sich dagegen wehren ausgeschlossen werden. Ein Bekannter berichtete mir dass sogar eine recht offene Volksverhetzung ungeahndet blieb.
    Man fragt sich tatsächlich ob dort Leute in gesetztem Alter unterwegs sind.

  4. [Bitte verzichten Sie auf das Posten von Werbung. Die Redaktion /ft]

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  • Quelle ZEIT online, 24.04.2008
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