Internet Bertelsmann druckt Wikipedia
Die Verlagsgruppe bringt Teile der Online-Enzyklopädie als Buch heraus. Im Herbst soll es im Handel zu kaufen sein
Anders als ein klassisches Lexikon listet das Wikipedia-Buch nicht das Wissen von A bis Z auf. Es seien Stichworte enthalten, die man in einem normalen Lexikon nicht finden werde, sagt Beate Varnhorn, die Leiterin des Bertelsmann Lexikon Instituts. 50.000 Stichwörter und erklärende Begriffe sowie 1000 Bilder im Vierfarb-Druck solle das Werk beinhalten. Gedruckt würden die Begriffe, die in der Online-Enzyklopädie am häufigsten gesucht würden. Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti soll in dem 19,95 Euro teuren Tausendseiter ebenso zu finden sein wie die Hamburger Reeperbahn, die Playstation 3 oder die Bewohner Entenhausens. Solch eine Enzyklopädie dokumentiere den Zeitgeist, sagt Varnhorn.
"Die Druckausgabe wird keine vollständigen Artikel wiedergeben, sondern mit knappen Definitionen einen schnellen Zugriff auf ein Basis-Wissen ermöglichen", sagt der Wikipedia-Sprecher Arne Klempert in Frankfurt am Main. Eine Redaktion habe die Wikipedia-Artikel überprüft und Schwächen beseitigt.
Man wende sich mit dem Lexikon besonders an Haushalte, die keinen Internet-Anschluss haben oder nicht ständig online sind. "Ein Buch ist immer verfügbar", sagt Beate Varnhorn. Das Interesse an einbändigen Lexika sei sehr stark. "Wir haben sehr optimistische Auflagenerwartungen."
Arne Klempert beschreibt das Buch als "ein Angebot an die Allgemeinheit". "Wir freuen uns, dass ein so großer Verlag vom Angebot zur Weiterverbreitung der Wikipedia-Inhalte Gebrauch macht." Das zeige, dass freie Lizenzen den Verlagen die Chance biete, diese kommerziell weiterzuentwickeln. Wer der Wikipedia beitrete, habe einer kommerziellen Nutzung grundsätzlich zugestimmt.
Die von den Wikipedia-Autoren aufgestellten Spielregeln seien jedoch auch für Bertelsmann verpflichtend. Alle Inhalte des Lexikons seien frei zugänglich. Die Urheberrechte könnten nicht "remonopolisiert" werden. "Bertelsmann ist an Wikipedia herangetreten", sagt Klempert. "Die Idee stammt aber von einem Wikipedia-Autor."
Im Gegensatz dazu hatte im Februar der Brockhaus-Verlag angekündigt, seine Enzyklopädie nicht mehr gedruckt, sondern nur noch online zu veröffentlichen. Derzeit wird nach Angaben des Bibliographischen Instituts & F.A. Brockhaus AG jedoch überlegt, noch eine 22. Auflage des renommierten Werkes herauszugeben. "Wir haben jetzt gemerkt, wie viele Fans die Brockhaus-Enzyklopädie hat", sagte Klaus Holoch, der Sprecher des Brockhaus-Verlages. Eine Entscheidung über eine weitere Auflage des berühmtesten deutschen Nachschlagewerkes werde aber erst in ein oder zwei Jahren fallen. Der zunächst für Mitte April geplante Start eines kostenlosen Lexikon-Portals, das die Inhalte der 30-bändigen Reihe online zur Verfügung stellt, verschiebe sich um mehrere Wochen.
- Datum 24.04.2008 - 06:38 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Die bearbeitbare Onlineausgabe fördert den kritischen Umgang mit Wissen. Eben Aufklärung im besten Sinne. Und übrigens: Als Wikipedia-Autor stimmt man zwar einer kommerziellen Verwertung zu, aber jeder arbeitet ehrenamtlich und selbst eine reduzierte Recherche kostet. Da ist etwa die Kamera für Bilder noch gar nicht dabei.Wenn also keine kritische Auseinandersetzung mehr möglich ist, wie geplant, erhält man nichts anderes als eine Gerüchtesammlung. Diese Idee ist genauso brillant, wie überschüssiges Fleisch nach Afrika zu exportieren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren