Gesundheit Der Anti-Diät-TagSeite 3/3

Borse: Die Zahl der an Essstörungen erkrankten Mädchen ist erschreckend hoch. Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt, dass über die Hälfte der 13- bis 14-Jährigen gern dünner sein würden. Jedes fünfte Kind in Deutschland zwischen 11 und 17 Jahren zeigt Symptome eines gestörten Essverhaltens, wie eine weitere Studie des Robert-Koch-Instituts ermittelte. Dabei handelt es sich nicht nur um Magersucht. Bei einigen Kindern schlägt es genau ins Gegenteil um, sie sind esssüchtig.

Wir sehen in unserer Projektarbeit, dass Mädchen sehr unsicher in Bezug auf ihren Körper sind. Es gibt bereits siebenjährige mit profunder Diäterfahrung. Das Denken vieler Frauen ist durch Kalorienzählen bestimmt. Was die Waage am Morgen anzeigt, ist gleichzeitig Stimmungsbarometer für den Tag. Das geht sogar so weit, dass sie nachts aufwachen, weil sie geträumt haben, sie hätten den Kühlschrank geplündert. Ziel muss es sein, diesen Frauen Wege zu einem besseren Selbstbewusstsein zu vermitteln, das nicht allein durch das Aussehen bestimmt ist.

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ZEIT online: Zeigen Männer grundsätzlich einen selbstbewussteren Umgang mit ihren Rundungen?

Borse: Männer gehen anders mit ihrem Körper um. Aber auch sie sind von Essstörungen betroffen – mit zunehmender Tendenz. Männer werden durch die Werbung immer stärker angesprochen, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Gutes Aussehen und Styling zusammen ergibt das ideale Männerbild, das auch mit beruflichem Erfolg in Verbindung gebracht wird.

ZEIT online: Aber ist es nicht so, dass sich Männer – und Frauen auch – bewusst auf die gängigen Schönheitsideale einlassen?

Borse: Das ist tatsächlich paradox. Die Heilsversprechen von Schönheit und Schlankheit sprechen die Menschen tatsächlich an. Ohne dieses Bedürfnis, gäbe es auch keinen Markt, der Schönheitsideale verkaufen kann. Es ist eine wechselseitige Beziehung. Ich denke, es bleibt primär eine Frage von Selbstbewusstsein, welchen Raum diese Themen im Leben einnehmen.

Das Gespräch führte Stefanie Golla.

 
Leser-Kommentare
  1. Ja, sagt der Schlankheits- und Schönheitstyrannei endlich den Kampf an!!! Es ist höchste Zeit!!! Es ist erschreckend, welche Rolle das äußere Erscheinungsbild für viele Menschen spielt - und das längst nicht nur für junge Frauen. Dazu muß man nicht einmal, wie Sigrid Borse, in einem Zentrum für Ess-Störungen arbeiten. Wie oft hört man Frauen aller Altersgruppen und Bildungsschichten über ihr Aussehen klagen. Dabei geht es um mehr als das übliche fishing for compliments. Der überkritische Blick auf die eigene Körperlichkeit ist ein Ausdruck tiefer Selbst-Verunsicherung. Und diese epidemisch auftretende Selbst-Verunsicherung hat immer auch etwas mit verinnerlichten Machtverhältnissen und Kontrollmechanismen zu tun. Nicht jeder hat die Kraft, sich der ständigen Bilderflut zu entziehen. Also wider der Tyrannei! Vom Cinco de Mayo, mit dem die Mexikaner den Sieg General Zaragozas über Maximilian von Österreich und Napoleon III feiern, zum Seis de Mayo, an dem ein neues Körperbewußtsein (hoffentlich genüsslich!) gefeiert wird! Ganz ähnlich wie der Earth Day kann auch der No Diet Day keine Wunder bewirken, aber es setzt ein Signal in die richtige Richtung. Gabrijela Mecky Zaragoza

    • Manu84
    • 15.06.2009 um 21:47 Uhr

    Vielleicht sollte man auch einfach mal akzeptieren, dass die meisten Menschen körperlich einfach nciht besonders gut aussehen. Und wenn man sich dann schon von Werbebildern verunsichern lässt, die ja meist auch nachbearbeitet sind, muss man sich doch schon fragen, woher diese Unsicherheit kommt und ob die Ursachen nicht weit tieferliegen als nur bei der Fashionindustrie.

    • Manu84
    • 15.06.2009 um 21:51 Uhr

    Und andererseits kann man auch einfach sagen, dass offensichtlich der Großteil der Gesellschaft das Fettsein für nicht besonders erstrebenswert erachtet, sonst hätte es sich auf Dauer wohl als eigenes Schönheitsideal durchgesetzt. Zumal derartige Feiertage wie der Anti-diät-Tag ja hauptsächlich von wirklich fetten (Frauen?) "begangen" werden.

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen und geschmacklose Witze. Danke, die Redaktion/fk.

  2. Natürlich ist der Schlankheitswahn heutzutage völlig übertrieben und reine Modesache - andrerseits sollte aber nicht vergessen werden, dass es auch eine Gesundheitsfrage ist, nicht allzu dick bzw. fett zu werden - und auch eine Frage der Selbstkontrolle, also auch der Anspruch an sich selbst, sich nicht (allzu sehr) gehen zu lassen! Mein Tipp für alle, die idiotische Diäten satt haben: "normale" Portionen essen, aber niemals nachgreifen. Das ist, finde ich, ein ziemlich guter Kompromiss und funktioniert meiner Meinung nach sehr gut. Dazu natürlich viel Bewegung (das ist fast noch wichtiger!), ausgeglichene Nahrung mit viel Obst, Gemüse und Fisch. Und natürlich nur ab und an mal zwischendurch Naschen!

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