DrogenLSD-Entdecker Albert Hofmann gestorben

Er wollte ein Kreislaufmittel herstellen - und war der erste Mensch, der die halluzinogene Wirkung von LSD am eigenen Leib erprobte. Nun ist der Chemiker Albert Hofmann im Alter von 102 Jahren in der Schweiz gestorben.

Der Entdecker der chemischen Droge Lysergsäurediethylamid (LSD), Albert Hofmann, ist tot. Eine Sprecherin der schweizer Gemeinde Burg im Leimental bei Basel bestätigte, dass Hofmann 102 Jahre alt wurde. Hofmann hatte nach seinem Chemiestudium beim Pharmakonzern Sandoz gearbeitet. 1943 stieß er zufällig auf die halluzinogene Wirkung von LSD, das er bereits fünf Jahre zuvor entdeckt hatte, als er auf der Suche nach einem Kreislaufmittel war. Der Jahrestag der Entdeckung wird von LSD-Anhängern als "Fahrradtag" gefeiert, da Hofmann zu Beginn seines ersten Rauscherlebnisses mit dem Fahrrad unterwegs war.

Hofmann hatte an diesem Tag, dem 19. April, gezielt einen Selbstversuch mit dem von ihm hergestellten Stoff unternommen. Er tat dies, weil am Tag zuvor wohl aus Versehen kleine Mengen LSD beim Experimentieren in seinen Körper gelangt waren. Zu Hause hatte er merkwürdige Wahnvorstellungen, denen er nun auf den Grund gehen wollte. Später stellte sich heraus, dass Hofmann am 19. April ein Mehrfaches der heute als wirksam geltenden Minimaldosis an LSD eingenommen hatte.

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Die Erlebnisse seines gezielten Rausches protokollierte Hofmann detailliert in einem Bericht. Schon kurz nachdem Hofmann das LSD im Labor genommen hatte, war seine Bewusstseinsveränderung so stark, dass er seine Laborantin bat, ihn zur Sicherheit auf dem Fahrrad nach Hause zu begleiten. Während sie später von einer rasanten Heimfahrt sprach, beschrieb Hofmann in seinem Bericht, er habe das Gefühl gehabt, mit dem Rad nicht von der Stelle zu kommen. Außerdem habe sein Fahrrad "bedrohliche Formen angenommen". Zu Hause wurde der Forscher von Schwindel und Ohnmachtsgefühlen übermannt. Erst als der Rausch ausklang, begann er das "unerhörte Farben- und Formenspiel" zu genießen, das er erlebte.

Das in den sechziger Jahren verbotene LSD ist heute wieder interessant für Ärzte und Psychotherapeuten: Die Schweizer Regierung hatte vor zwei Jahren eine Pilotstudie bewilligt, die die Auswirkungen der Substanz bei schwer kranken Patientinnen und Patienten unter die Lupe nimmt. Ziel ist, herauszufinden, ob LSD einen positiven Effekt für die Psychotherapie haben kann. Auch soll erforscht werden, welche Risiken mit der LSD-Einnahme verbunden sind.

Vor dem weltweiten LSD-Verbot waren viele Studien durchgeführt worden, die erste in der Schweiz 1947. Auch hatten Forscher aus aller Welt zum 100. Geburtstag Hofmanns einen Appell lanciert für einen unvoreingenommenen Umgang mit LSD und verwandten Stoffen.

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Leserkommentare
  1. Vielen Dank Albert, für die netten Stunden, die Du so vielen Menschen beschert hast ! PS: Konnten sie Dir jemals nachvollziehbar erklären, warum LSD verboten und Alkohol erlaubt ist ?

    • hagego
    • 30. April 2008 17:12 Uhr

    Wahnsinn! Ist das der Lauf der Welt? Da möchte jemand ein Kreislaufmittel auf den Markt bringen und hat in Wirklichkeit ein neues Flüchtlingslager - das LSD - gebaut.     Viele, damals jungen Leute, werden 's ihm danken. Viele können 's ihm nicht mehr danken.     102 Jahre alt ist Albert Hofmann geworden. Ist er nun dank LSD so alt oder wegen LSD nur so alt geworden?     "Lucy in the Sky with Diamonds" ...

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