Birma Wut auf Junta wächst
Deutlich mehr als 23.000 Tote durch den Wirbelsturm befürchtet die UN. Internationale Hilfstruppen stehen bereit, werden jedoch von der birmanischen Junta behindert
Überall fehlt es an Wasser, Zelten, Medikamenten und Nahrungsmitteln. Deutlich mehr als 23.000 Tote durch den Wirbelsturm nannte bereits die UN. Ein US-Diplomat in Birma befürchtete am Mittwoch weit schlimmeres: Man habe Informationen, dass die Zahl der Toten im Delta möglicherweise bei rund 100.000 liegen könne. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind eine Million Menschen obdachlos. Die Regierung in Birma gibt die Opferzahlen mit 22.000 Toten und 41.000 Vermissten an.
Erstmals sind Informationen aus dem vom Wirbelsturm besonders stark betroffenen Deltagebiet in Birma an die Außenwelt gedrungen. In der Stadt Labutta am Delta des Irrawaddy, wo der Zyklon mit voller Wucht auf das Land getroffen war, trafen nach demnach Zehntausende Flüchtlinge aus dem umliegenden Deltagebiet ein. Die Stadt stand völlig unter Wasser, aufgequollene Leichname trieben in den Fluten. "Die Menschen haben völlig ausdruckslose Gesichter, sie haben so etwas noch nie erlebt", berichtete ein Zeuge. Die umliegenden Dörfer wurden von den Wassermassen völlig vernichtet.
Labutta selbst, das der Hauptort einer Region mit 90.000 Einwohnern ist, ist ebenfalls weitgehend zerstört. Es gibt kaum Lebensmittel und kein frisches Wasser, Einwohner und Flüchtlinge teilen sich die wenigen Vorräte an Wildreis, die nach der Katastrophe übrigblieben. Bis zu sechs Meter hohe Wellen hätten den Ort weggespült, berichten die Einwohner.
Eine schnelle flächendeckende Hilfe ist also dringend geboten. Und die stünde auch durchaus bereit: Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen hat in der schwer beschädigten Hafenmetropole Rangun die ersten Essensrationen verteilt. Das Kinderhilfswerk UNICEF ist mit gut 100 Mitarbeitern in der Küstenregion unterwegs und verteilt Erste-Hilfe-Pakete. Aus Deutschland ist ein Team des Bündnisses von Hilfsorganisationen "Aktion Deutschland Hilft" auf dem Weg. Die Gruppe sollte am Abend in Birma eintreffen.
Allerdings kommen die Helfer nicht so zum Einsatz, wie sie das gern möchten. Von vielen Seiten wird Kritik an der mangelnden Kooperation der Regierung mit ausländischen Hilfsorganisationen und an mangelnder Hilfeleistung aus eigenen Mitteln laut.
Zahlreiche Helfer sitzen im Nachbarland Thailand fest und warten auf Visa. Vor der Küste liegen Kriegsschiffe der US-Marine, deren Besatzungen bei anderen Naturkatastrophen schon oft geholfen haben. Eine Einreisegenehmigung gibt es nicht.
Auch der Malteser Hilfsdienst hat die massiven Behinderungen der Hilfsorganisationen kritisiert. "Wir dürfen nicht in die hauptsächlich betroffenen Gebiete in der Region Irrawaddy-Flussdelta hinein", sagte der Asien-Leiter Roland Hansen. "Wir können nur hoffen, dass sich dort etwas ändert." Jeder Ausländer werde außerhalb der Hauptstadt überwacht, sagte Hansen. Einige bereits erteilte Genehmigungen seien unerwartet wieder entzogen worden. Die Vereinten Nationen haben bereits dringend an die Militärregierung appelliert, die Visa-Bestimmungen zu lockern.
"Wir haben noch keine konkrete Vereinbarung mit der Regierung", sagte UNICEF-Sprecher Patrick McCormick. "Wir haben die Bitte um Hilfe einfach als grünes Licht interpretiert, dass wir in die betroffenen Gebiete vordringen können." Die Militärregierung habe auch eigene Ressourcen, die mobilisiert werden müssten. "Wir brauchen zum Beispiel dringend Hubschrauber", sagte McCormick.
Die Versorgung der Menschen ist "ein Wettlauf mit der Zeit", wie UNICEF-Direktorin Ann Veneman sagte. "Kinder sind besonders gefährdet durch Krankheiten und Hunger." Ohne frisches Wasser und Toiletten sind Durchfallerkrankungen und Cholera programmiert. In den überschwemmten Gebiete finden Moskitos zudem ideale Brutbedingungen.
Auch im Inland wächst die Kritik an dem abgeschotteten Regime. "Die Menschen verzweifeln, das Militär hat erst ganz langsam und dann nur mit wenigen Mitteln reagiert", sagt Aung So. Er ist Sprecher der Oppositionspartei "Nationalliga für Demokratie" von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im Exil – und spricht tagtäglich mit Kontaktpersonen im Land. Nach seinen Angaben packten Regierungssoldaten am Flughafen in Rangun Hilfslieferungen aus Thailand und China vor der Auslieferung um, um den Anschein zu erwecken, dass die Rationen von der Regierung selbst kamen. "Die Menschen sind wütend, und der Ärger wächst", sagte er.
"Ich frage mich, wo die Truppen sind, die im vergangenen September draufgeknüppelt haben", sagte eine Hausfrau in Rangun dem Internet-Magazin Irrawaddy in Thailand. Sie bezog sich auf die brutale Niederschlagung des Mönchsaufstands, bei dem Dutzende ermordet wurden. "Im September waren sie schnell hier, aber jetzt schaffen sie es nicht, den Opfern zu helfen."
"Die Junta kennt eben nur ein Mittel, um Probleme zu lösen - und das ist Gewalt", sagt Bo Kyi, der nach sieben Jahren und drei Monaten als politischer Gefangener in den Foltergefängnissen des Regimes nach Mae Sot flüchtete.
Auch Staatsangestellte und Soldaten bekamen das unschöne Gesicht des Regimes zu spüren. Tausende waren vor zwei Jahren zum Umzug aus Rangun in die 300 Kilometer ins Landesinnere verlegte neue Hauptstadt Naypyidaw gezwungen worden, oft ohne Familien. Obwohl sie jetzt um das Leben ihrer Angehörigen fürchten, gilt Urlaubssperre, wegen des umstrittenen Verfassungsreferendums, das die Junta ungeachtet der nationalen Katastrophe an diesem Samstag in weiten Landeszeilen durchziehen will. Nur in den besonders betroffenen Gebieten soll in zwei Wochen nachgewählt werden.
Viele Ministeriumsmitarbeiter seien einfach trotzdem gefahren, berichtet Irrawaddy . "Wir mussten unsere Kinder in Rangun lassen, wir sollten jetzt bei ihnen sein", sagte einer dem Magazin. Auch Soldaten verließen ihre Posten, um ihren Familien im Krisengebiet zu Hilfe zu eilen.
Aung So aus dem Oppositionsbüro ist überzeugt, dass sich der Frust schon bei der Stimmabgabe an diesem Samstag zeigt. Die Junta will mit der Verfassung ihren Machtanspruch zementieren. "Wer kann und nicht eingeschüchtert wird, stimmt mit Nein", sagt er voraus. "Aber sie haben das Ergebnis natürlich längst festgelegt und werden einen großen Erfolg verkünden", sagt er. Die aufgestaute Wut über den Betrug werde sich früher oder später entladen, hofft er.
Hinzu kommt schließlich, dass die Birmanen höchst abergläubisch sind. Wenn das Land von einem schlechten König regiert wird, brechen Naturkatastrophen herein, hieß es früher - also ein Zeichen, dass der Tyrann bei Seite geschafft werden muss.
- Datum 07.05.2008 - 09:39 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa, Reuters, tagesspiegel
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Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient. So traurig es für den Einzelnen ist, solange die freie Welt immer "Brotkorb" bei Fuss da steht, um zu helfen, solange werden Menschen in Lethargie bleiben und sich darauf verlassen, dass es entweder der (Hier Lieblingsgottheit eintragen) schon richten wird oder einige Nationen zur Selbstprofilierung mal wieder ein wenig Hilfe leisten wollen.
Und mal ganz ehrlich, so übervölkert wie es unser Planet mittlerweile ist, führt jede kleine Naturkatastrophe auch zu einer "Menschen"Katastrophe. Und wenn man genauer hinschaut, sind viele Katastrophen erst durch die Dummheit vieler Menschen ermöglicht worden.
Wer glaubt denn, dass sich durch solche Hilfsaktiponen wiklrich was am Leben der betroffenen ändert? Die Toten bleiben und die Lebenden werden bald wieder vergessen sein.
Traurig.
Ihr Kommentar ist eine einzige zynischen Phrasendrescherei.Stellen Sie sich vor, es sind auch Kinder beteiligt, die gewiß nicht die Bohne mit der Regierungsform zu tun haben in die sie hineingeboren sind.Und das nachgeschwätzte Geseiere - vermutlich Ihres Großvaters -: "Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient." -, ebenso die Bemerkung über den "Brotkorb bei Fuß", zeugen von einer primitiven Menschenverachtung!Betrachten Sie es getrost als Glück und Gnade, daß es Ihnen gut geht, Sie und die Ihren nicht betroffen sind von einem Schicksalsschlag, aber schämen Sie sich für diesen Zynismus!
Ihr Kommentar ist eine einzige zynischen Phrasendrescherei.Stellen Sie sich vor, es sind auch Kinder beteiligt, die gewiß nicht die Bohne mit der Regierungsform zu tun haben in die sie hineingeboren sind.Und das nachgeschwätzte Geseiere - vermutlich Ihres Großvaters -: "Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient." -, ebenso die Bemerkung über den "Brotkorb bei Fuß", zeugen von einer primitiven Menschenverachtung!Betrachten Sie es getrost als Glück und Gnade, daß es Ihnen gut geht, Sie und die Ihren nicht betroffen sind von einem Schicksalsschlag, aber schämen Sie sich für diesen Zynismus!
...aber man sollte nicht vergessen dass da Leute im kalten Dreck sitzen und hunger haben. Zu sagen, das muss so sein, dass sich was ändert, mag vielleicht stimmen, trotzdem ist mir das ein bisschen zu rational.Das kann außerdem genausogut zu Wut und Extremismus führen, wenn die Junta es gut hindreht. Siehe Nordkorea.Und fruchtbare Küstenregionen (Stichwort "Reiskammer Birmas") waren schon immer zum Anschlag bevölkert, mit Überbevölkerung hat das mMn nicht so viel zu tun.
..ist ein gutes Beispiel dafuer wie Fehlschluesse durch fragmentarische Auseinandersetzung gezogen werden. Abgesehen davon fuer unglaubliche Arroganz. Allerdings, jgmischke, wuerde Ihre Familie oder gar Sippe ausgeloescht und die Menschen die Helfen sollten wuerden Ihre Meinung annehmen, und Sie wuerden mit der selben Ruhe und "Objektivitaet" beim Tod der Familie zusehen - dann, und das mein ich wirklich von Herzen, verdienen Sie sehr grossen Respekt! (Ich glaube sehr wohl, der ein oder andre hat diese Moeglichkeit sich von Emotionen wie Liebe zu befreien, aber das sind (leider?) nicht wirklich viele).lG,CC
Es ist vielleicht wenig bekannt, dass Birma einen Schauplatz des geopolitischen Kampfes ist. Damit ist eine Politisierung der Hilfsaktion nur schädlich für die Bedürftigen. Das wissen aber Frau Bush und Co. Dennoch startet sie eine Kampagnen, in der Hoffnung, die Regierung in Rangung zu stützen. Dass dabei die Hilfsaktion verlangsamt wird, weil die Burmanesen zu mehr Kontrolle der Helfer genötigt sehen, ist einfach einkalküliert.
Wer ehrlich helfen will, soll die Aktion von der Politik trennen. Eine Politisierung kann die Situation nur verschlimmert. Aber manche wollen ja ohnehin eine größere Katastrophe, damit ein Machtwechsel stattfinden würde. Humanitär kann man das nicht nennen.
Man hat nicht den Mut, angesichts der offensichtlichen Unfähigkeit einer Regierung ein Machtwort zu sprechen, sie mit UN-Mandat zu stürzen und die Verantwortlichen ggf. vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu stellen. Im Falle von schwersten Naturkatastrophen müsste diese Vorgehensweise in der UN-Charta als besonderes Nothilferecht aufgenommen werden.
Sehr gewagter Vorschlag. Aber Sie werden bestimmt nicht eine einzige Stimme in UN finden, die dafür wäre.
Warum eigentlich nicht? Irak ging doch auch? Und Birma ist politisch wie militaerisch ein bei weitem kleinerer Fisch.Andererseits gibt es in Birma aber auch nichts zu holen ...
Es handelt sich bei der Situation in Birma mit vermutlich mehr als 100.000 Toten und einer weitgehenden Zerstörung ganzer Regionen um einen Notstand, der zweifellos von keiner Volkswirtschaft der Welt - auch von der reichsten - nicht bewältigt werden kann. Die burmesischen Militärs sind nicht nur nicht in der Lage sie zu schultern, nein, schlimmer noch: sie sind nicht willens, einem sehr großen Teil ihrer eigenen Bevölkerung dringend benötigte Hilfe zukommen zu lassen, ja ich möchte sogar die Behauptung aufstellen, sie würden das eigene Volk im Dreck verrecken lassen, nur um ihre eigenen Pfründe zu retten. Damit erweisen sie sich m.E. nach als unfähig, einen Staat zu führen.Wer so etwas macht, betreibt aus meiner Sicht eine Form von Völkermord - nämlich durch Unterlassung; es handelt sich aus meiner Sicht um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. M.E. nach sollten solche, von schwersten Naturkatastrophen betroffenen Gebiete sofort unter UN-Mandat gestellt werden, damit internationale Hilfen sofort und zügig anlaufen können. Die Einsetzung eines UN-Koordinators vor Ort sorgt zudem, dass Hilfen nicht in irgendwelchen dunklen Kanälen versickern und der Wiederaufbau zügig in die Wege geleitet werden kann.Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass selbst die USA nach den Zerstörungen durch den Hurrican Katrina internationale Hilfe in Anspruch genommen haben.Ich meine: in Zeiten des Klimawandels, in denen Katastrophen solchen Ausmaßes häufiger zu erwarten sind, ist eine Änderung der UN-Charta in diese Richtung unumgänglich.
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