Drogen Sorge um junge Koma-Säufer
Immer mehr Jugendliche betrinken sich regelmäßig ohne Hemmungen. Politiker fordern nun ein striktes Alkoholverbot für Minderjährige.
Jeder vierte Jugendliche säuft mindestens einmal pro Monat bis zum Umfallen, 19.500 Kinder und Jugendliche wurden zuletzt innerhalb eines Jahres mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Das berichtete die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2008 in Berlin.
«Fakt ist, dass das Komasaufen, das so genannte Binge-Drinking zugenommen hat», sagte Bätzing. Zwei Jahre zuvor hatte nur jeder fünfte Jugendliche einmal pro Monat einen Vollrausch. Mit zu viel Alkohol im Blut ins Krankenhaus kamen vor acht Jahren nur halb so viele Jugendliche.
Nach der höheren Besteuerung süßlicher Alkopops 2004 seien viele Jugendliche auf Bier, bier- und weinhaltige Mixgetränke und Spirituosen ausgewichen, sagte Bätzing. So tranken die 12- bis 17-Jährigen 2007 durchschnittlich 50,4 Gramm Alkohol pro Woche – also fast vier 0,3-Liter-Flaschen Bier. 2005 waren es noch 34,1 Gramm.
Als «notwendige Konsequenz» forderte die Drogenbeauftragte der Unionsfraktion, Maria Eichhorn (CSU), die Einführung eines generellen Alkoholverbotes für Minderjährige. Sowohl Eichhorn als auch Bätzing sprachen sich zudem für einen erneuten Anlauf beim zuletzt gescheiterten Plan jugendlicher Testkäufer gegen illegalen Alkoholverkauf an Minderjährige aus. In erster Linie machte Bätzing unbekümmerte Alkoholwerbung für das Problem verantwortlich. Sie forderte eine wirkungsvollere Selbstkontrolle der Alkoholwirtschaft.
Die Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren warf der Regierung «Halbheiten» vor. Ein Werbeverbot wäre angemessener, sagte Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst. Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe forderte empfindliche Geldstrafen für Diskotheken-, Kiosk- und Gaststättenbesitzer, die Minderjährigen Alkohol verkaufen.
Dagegen rauchen immer weniger Jugendliche. «Sehr erfreulich» sei, dass der Anteil jugendlicher Raucher in sechs Jahren von 28 auf 18 Prozent sank, sagte Bätzing. Mit dem Raucheranteil habe auch die Zahl junger Gelegenheitskiffer abgenommen: 13 Prozent der Jugendlichen probierten Cannabis schon einmal - nach 22 Prozent drei Jahre zuvor.
- Datum 06.05.2008 - 10:41 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa
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Ich bezweifle, dass ein Verbot eine positive Auswirkung hätte. Abgesehen davon ist es wieder einmal nur ein Rumdoktern an Symptomen, anstatt sich mal die Fragen zu stellen, die unangenehmer sind:- Warum machen die das?- Warum merken die Eltern nichts (oder ignorieren es)?Und was bitte würde man mit einem 14-jährigen nach dem x-ten Alkohol Kollaps machen? Einsperren? Geldstrafe? Eltern bestrafen?Leider frisst dich die Seuche des Aktionismus um jeden Preis (bzw. jede Stimme) immer mehr durch die deutsche Politik. Wirklichen Willen zu Lösungen oder langfristigen Plänen gibt es schlicht nicht mehr. Traurig. Stattdessen wird nur noch verboten, überwacht und "verschärft" (was für ein Unwort). Als ob das irgendwas bringen würde.
Wieso schafft es die Politik eigentlich nicht, aus ihren Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Drogenverbote werden den Konsum der verbotenen Substanzen niemals verhindern (s. Alkoholprohibition USA 1920er Jahre oder BtMG), gleichwohl werden sie aber dazu beitragen, dass Drogenprobleme sich um ein vielfaches verschärfen, wenn nicht sogar erst durch das Verbot produziert werden: Konsumenten werden kriminalisiert, die verbotenen Substanzen werden symbolisch aufgeladen und dadurch erst für die Jugend interessant gemacht! Liebe politischen Akteure (von der CDU/CSU): Bitte nicht immer nur öffentlichkeitswirksame Symbolpolitik auf Bild-Zeitung Niveau betreiben!Vielen Dank!
Zum Ersten:Rückläufige politische Gestaltungsmöglichkeiten der Parteien führen zwangsläufig zu immer neuen 'gesetzlichen Verboten'. Wenn man schon - auf Grund zahlreicher Verflechtungen und Verkrustungen - nicht in der Lage und auch nicht Willens ist, dafür zu sorgen, dass es innerhalb eines Staates und eine Gesellschaft ein auskömmliches Miteinander gibt (man fordert ja immer gerne das berühmte 'Mehr an Wettbewerb' auch innerhalb der Gesellschaft), dann glaubt man, man könne irgendwelchen Auswüchsen nur noch mit dem Dampfhammer gesetzlicher Verbote entgegentreten. Das schafft politisches Profil, da wird man in TV-Talkshows eingeladen, da kann man sich dann als 'echter Macher' präsentieren. Gemacht wird danach natürlich nichts, fürchtet man doch die wütenden Telefonanrufe in den Abgeordnetenbüros, den Ministerien und den Staatskanzleien oder dem Kanzleramt, die in einem solchen Fall aus den Vorstandsetagen - vorzugsweise aus Richtung der Vertriebsvorstände kommen. Da könnte bares Geld verloren gehen - was doch die Parteien so dringend brauchen. Aber ein wenig Prüderie - man steht ja schliewßlich für die 'ganz alten Werte' macht sich natürlich immer Gut.Zum Zweiten:Kinder und Jugendliche sind der Traum eines jeden Vertriebsvorstandes: leicht zu manipulieren und auf Grund ihres Alters auch noch sehr naiv - lebende Gelddruckmaschinen sozusagen. Marketingheinis, Scouts und Psychologen hämmern denen dann schon ein, was hip ist, wer 'In' und wer 'Out' ist. Und da wird man sich schon nicht ins Handwerk - ich meine natürlich in die Kasse - pfuschen lassen. Wenn dann negative Entwicklungen offensichtlich und nicht mehr unter den Teppich zu kehren sind, werden die daraus entstehenden Kosten sozialisiert und man verweist gerne auf den Begriff der 'Eigenverantwortung' oder übt sich in Schuldzuweisungen, wahlweise an die Eltern, die Lehrer, die Alt-68er, Rot-Grün oder an die Kinder und Jugendlichen selbst. Sie hätten ja wissen müssen, heisst es oft und gern, wenn sich irgendwer im piekfeinen Nadelstreifenanzug aus der Businesslounge heraus echauffiert und nach dem ganz starken Law-and-Order-Minister ruft, der da mal ganz gewaltig und hart durchgreift.Dass sich letztere trotz der von ihnen öffentlich andauernd zur Schau gestellten 'ehernen, uralten Werte' (Ehrenwort!) des öfteren gerne selbst als Straftäter oder Kokser(letzteren Fall hatten wir ja auch schon) herausstellen, lasse ich jetzt einmal dahin gestellt.
Der § 9 des JuSchG verbietet schon heute Personen unter 16 Jahren den Genuss von Alkohol in Lokalitäten. Bis 18 Jahren dürfen keine "harten Drogen" ausgeschenkt werde.
Wer schon wegen ein paar jugendlichen Suffköpfen gleich mal wieder nach "der Härte" ruft, kann ja erst mal die bereits betehenden Gesetze versuchen durchzusetzen!
Im übrigen wie war das doch mit den Schildern "An angetrunkene Personen wird kein Alkohol ausgeschenkt!"?
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