Amstetten "Inzesttäter führen immer zwei Leben"Seite 3/3

Eher: In den meisten Fällen haben die Täter nicht ausreichend gelernt, für die Befriedigung ihrer eigenen emotionalen und sexuellen Bedürfnisse auf reife Art und Weise zu sorgen. Wenn ich mich draußen in der Gesellschaft nicht zurechtfinde, ziehe ich mich eben in mein Inneres zurück. Und je weiter ich mich zurückziehe, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich mit meinen emotionalen und sexuellen Bedürfnissen seltsamer umgehe als andere Menschen. Etwa indem ich am Computer Kinderpornografie ansehe oder eben dort zugreife, wo es für einen Erwachsenen am einfachsten ist, weil die Manipulationsfähigkeit voll greift. Und das sind eben leider Kinder.

ZEIT online: Gibt es Möglichkeiten, einem Missbrauch vorzubeugen?

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Eher : Sexuelle Gedanken mit Kindern sind nicht von vornherein Ausdruck einer pädosexuellen Störung. Man weiß aus Experimenten, dass heterosexuelle Männer, wenn keine erwachsene Frau vorhanden ist, beim Alter ihres Sexualpartners sehr weit hinuntergehen. Und zwar eher, als auf einen männlichen Partner auszuweichen. Aber spätestens da sollten, bei jedem die Alarmglocken läuten, und er sollte sich professionelle Hilfe suchen.

Das Gespräch führte Nina Horaczek .
(Mit freundlicher Genehmigung der Wiener Stadtzeitung Falter)

 
Leser-Kommentare
  1. Erst echauffiert sich die ZEIT über den "Hyänenjournalismus" der Boulevardpresse, und jetzt sorgt man sich selbst im Blatt um die Opfer. Das ist natürlich "viel" seriöser und "überhaupt nicht" an Web-Zugriffen und Verkaufszahlen interessiert - durch eine zugegeben andere Leserklientel als bei BILD, Spiegel oder österreichischen Medien.
    Dass Österreich - sichtbar seit dem Fall Kampbusch - ein ernstes gesellschaftliches Problem hat, das nicht nur diesen Despoten hervor gebracht hat (und den die Mitbürger ganz "normal" fanden...), damit beschäftigt sich die ZEIT lieber nicht. Dabei haben die Österreicher sehr wohl erkannt, dass es einen Imageschaden gibt. Kaum zu erwarten ist aber, dass mehr passiert in einem Land, in dem es nach der Nazi-Zeit (trotz Demokratie) keine so grundlegende gesellschaftliche Veränderung wie in Deutschland mit den 68ern gegeben hat.
    Zurück zu Ihrem Interview. Den Opfern kann man nur beste psychologische Betreuung wünschen. Aber gesellschaftliche Prävention ist erforderlich, auch wenn alles wieder nur angeblich ein "Einzelfall" ist.
    Merke: auch das "Sein" bestimmt das "Bewusstsein"! Vielleicht traut sich die ZEIT doch noch an (österreichische)Gesellschaftspolitik statt nur an Psychologie?

  2. Vor kurzem erst wurde ein sehr ähnlicher Fall in Frankreich verhandelt. Also hat auch Frankreich das österreichische Problem? Und keine "Despoten" in Deutschland? Ausgeschlossen? Und wenn, dann finden  wir Deutsche ihn auf keinen Fall normal? Aha.
    Zitat Vischer: "Auch Einer
    von denjenigen nämlich – – – kurz, man versteht mich.
    Wer es darf, hebe den ersten Stein gegen ihn auf! Ich meinesteils gedenke es nicht zu tun."
     

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