Korruption im Fussball Verkaufter SportSeite 2/2

Leo Beenhakker hat nun reichlich damit zu tun, das Thema „Korruption“ aus der EM-Vorbereitung rauszuhalten. In dieser Woche wird er den Kader für die EM bekannt geben. Aus den betroffenen Klubs ist nur der dritte Torwart dabei. Die erste Elf besteht fast ausschließlich aus Spielern, die im Ausland ihr Geld verdienen.

Seit Beenhakkers Amtsantritt nerven ihn die Zustände im polnischen Fußball, der eine einzige Vetternwirtschaft darstellt. Als erste Amtshandlung verbot er, dass Verbands-Funktionäre sowie Journalisten mit in den Spielerhotels übernachten. Noch während der WM 2006 fühlten sich einzelne Spieler von den Funktionären gestört, die im WM-Quartier kräftig feierten. Und nach Bekanntwerden des Falls Wdowczyk zeigte Beenhakker sich besorgt: „Ich hoffe und ich bete dafür, dass die verantwortlichen Leute in Polen dazu in der Lage sein werden, die Situation zu bereinigen. Und wenn wir bei der Euro nicht die Erwartungen erfüllen, werde ich garantieren, dass wir zumindest unsere Spiele auf dem Spielfeld verlieren, und nicht außerhalb.“ Genau da liegt auch die Befürchtung der Fans. „Wir kommen alle ins Stadion, aber wissen gar nicht, ob das Spiel nicht vorher schon entschieden wurde. Da können wir uns auch gleich eine ausländische Liga im Fernsehen angucken“, sagt ein Fan von Groclin Grodzisk, während einer Begegnung mit Widzew Lodz.

Dieser Traditionsklub wurde neben Kielce und Vorjahresmeister Zaglebie Lubin zum Zwangsabstieg verdonnert. Auch Lodz war über gekaufte Spiele wieder in der ersten Liga gelandet, wo es aktuell auf einem Abstiegsplatz steht. Ein Zwangsabstieg bedeutet in diesem Fall also die Dritte Liga. Vor zwei Wochen hat Lodz noch schnell einen neuen Trainer verpflichtet, der das Kreuz hat, sich vor die Mannschaft zu stellen. Denn Janusz Wójcik war auch mal Nationaltrainer, und zuletzt Parlamentsabgeordneter der populistischen Bauernpartei Samoobrona. Seine Immunität wurde zeitweilig aufgehoben: wegen Trunkenheit am Steuer.

Der Ex-Politiker war auch mal Trainer eines Viertligisten – der zu jener Zeit ein Spiel verkauft haben soll. An Widzew Lodz. Um den Ligabetrieb nicht gänzlich einstellen zu müssen, forderte Ligachef Andrzej Rusko übrigens vor ein paar Tagen eine Amnestie für sämtliche in dem Skandal um verschobene Spiele verwickelte Klubs.

 
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