InternetbetrugTeure Post vom Nachbarn

Die Tricks von Computerbetrügern werden immer raffinierter. Jetzt zockt der Anbieter der Internetseite „Nachbarschaftspost“ ahnungslose Bürger auf seiner Homepage ab.

Die Computerstimme am Telefon klang scheppernd. „Für Sie liegt eine wichtige Nachricht Ihres Nachbarn bereit. Um die Nachricht abzurufen, gehen Sie bitte auf unser Internetportal und geben Sie Ihren persönlichen Code ein.“ Als Oliver Götz diesen Anruf bekam, wurde er sofort stutzig. „Meine Nachbarn würden mich persönlich benachrichtigen“, sagt der Oberfranke, „natürlich habe ich mich nicht auf der Seite registriert.“

Sehr weise. Denn wer den Code auf der Seite www.nachbarschaftspost.com eingibt, schließt einen zweijährigen Vertrag ab, der monatlich neun Euro kostet. Das allerdings ist kaum zu erkennen. Die Kosten sind geschickt in einem unscheinbaren Fließtext auf der Homepage versteckt, eine junge, lächelnde Frau und ein blinkender Briefumschlag lenken den Besucher von den Informationen ab. Wer sich registriert, stellt fest, dass – kaum überraschend – keine Nachricht vorliegt. Stattdessen muss er, nach einer kostenlosen zweiwöchigen Testphase, mit Mahnbescheiden über maximal 216 Euro rechnen.

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Götz war verärgert und holte zum Gegenschlag aus. Er sicherte sich die Internetseite nachbarschaftspost.net , die sich nur durch das Domain-Kürzel von dem unseriösen Angebot unterscheidet, und informiert jetzt Betroffene. „Ich will die Leute über diese Falle aufklären“, sagt er, „diese Internetbetrügerei hängt mir inzwischen zum Halse raus.“ Seine Hilfe ist gefragt. Im April hatte seine Seite mehr als 60.000 Zugriffe.

Die teure Post vom Nachbarn ist nur ein Internetangebot von vielen, mit denen sich Verbraucherschützer herumschlagen müssen. „Internetabzocke gehört inzwischen zu unserem Alltagsgeschäft“, sagt Karin Goldbeck, Juristin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Bei dem Angebot Nachbarschaftspost ahne man nicht, dass man mit dem Anruf in ein kostenpflichtiges Abo gelockt werden soll.

Ein Problem ist, dass die Anbieter in der Regel kaum auszumachen sind. Im Fall Nachbarschaftspost.com sitzt der Betreiber in der Karibik, auf den British Virgin Islands. Die Faxnummer des „Service Center Europe“ ist nicht zu erreichen. „Die Firmen registrieren sich dort, weil sie genau wissen, dass sie so unerreichbar sind“, sagt Goldbeck.

Wer sich schon registriert habe, solle keine Zahlungen leisten und den "Vertrag" schnellstmöglich vorsorglich widerrufen. Es sei allerdings fraglich, ob überhaupt ein Vertrag zustande gekommen sei. Bislang ist Goldbeck noch kein Fall bekannt, in dem der Betreiber Mahnbescheide verschickt hat. Mittlerweile haben mehrere Betroffene Strafanzeige erstattet. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt läuft eine Sammelverfahren (Az.:75 80 Js 22 55 43/07) .

Leserkommentare
    • KFlash
    • 05.05.2008 um 17:12 Uhr

    Da werden die bösen Call Center aber ganz doll Angst bekommen, wenn in einem gaaanz doll wichtigen Gesetz steht, dass das Unterdrücken der Rufnummer verboten ist.Mal ehrlich, wie soll man sich denn bitte dagegen wehren? Soll ich Anzeige bei der Polizei gegen "unbekannt" stellen? Die erklären mich doch für bescheuert!Die einzige Methode diese Form des Spams zu unterbinden ist, alle Call Center die im Outbound-Geschäft tätig sind zu überwachen. Wenn mehr als 20% der ausgehenden Anrufe mit Rufnummer-Unterdrückung geführt werden muss das Call Center pro Anruf 15€ Strafe ins Staatssäckl zahlen. Das wär ne feine Sache.Dann könnte man gleich noch die Angerufenen kontaktieren und fragen, ob diese bereit wären eine eidesstattliche Erklärung abzugeben, dass die Firma für die geworben wurde nicht vorher mit ihnen in Kontakt stand. Dann hätte man einen Cold Call und das ist auch verboten. Könnte man die Firmen welche die Call Center beauftragen auch gleich noch am Haken. Wenn für die Angerufenen am Ende was rausspringt (pro Anruf so ca. 10Euro), dann würde der Glaube an den Rechtsstaat Deutschland ganz schnell gestärkt.Im Moment kenne ich viele Menschen die Angesichts der schamlosen Betrügerein im Direktgeschäft (Telefon, Fax, Internet, Postwurf) und den lieblosen versuchen der Politik etwas dagegen zu unternehmen, nicht mehr an den Rechtsstaat glauben können.

  1. 2. @1

    kurze überlegung:
    anrufe ohne angezeigte nummer können nicht zu gültigen verträgen führen -> beweislast, dass die nummer angeziegt wurde, liegt beim anrufer.
    damit ist ruhe.
    im übrigen gibt es genug nervige anrufer, die eben noch im rahmen des gesetzes resp seinen grauen randzonen agieren -- und für die ist das dann noch ein weiterer stein auf ihrem buckel. ignorieren können sie's nämlich nicht ...

    aber im ganzen sollten sie vielleicht mal schüffle-schäuble zum verbraucherschutzminister machen -- dann könnte der seinen verfolgungs- und kontrollwahn in verfassungs- und gemeinwohlverträgliche aktivitäten und gesetze giessen ...

  2. steht der erste absatz eigentlich bei allen postings doppelt drin?
    angesichts der bei jedem relaunch von zeit.de immer wieder neu gemachten fehler (bei den bildergalerien zb ist mal wieder der text rechts abgeschnitten) ist das zumindest mal ein origineller ....

    • Anonym
    • 14.07.2008 um 11:44 Uhr

    die moderne Form des Marketings. Schöner ist jedoch, wenn Sie Reklamationen oder Fragen zu Verträgen in der IT-Branche haben. Da werden Sie geholfen, mitunter bis zu 2,99Euro/min.Kann dagegen jemand etwas haben? Die Call-Center zeigen die Rufnummer und verlangen bei einem Rückruf ... siehe zuvor ... sind Sie dann zufrieden?debrasseur

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