Frankreich Der Mai des Nicolas Sarkozy
Frankreichs Präsident wird nach einem Jahr im Amt mit "mangelhaft" benotet. Sein angekündigter Bruch mit den 68ern bleibt aus, die Franzosen sind ernüchtert
Wenn Frankreich sich langweilt dann gibt das zu denken. Mit der Zeile "Quand la France sennuie" überschrieb Pierre Viansson-Ponte am 15. März 1968 seinen Tageskommentar in Le Monde es wurde einer der berühmtesten, meistzitierten Artikel in der Geschichte des Pariser Blattes. Denn wenige Tage später war es mit der Langeweile vorbei. Barrikaden im Quartier Latin, Streiks bei Renault und Sud-Aviation, gefolgt vom Generalstreik, das ganze Land in Aufruhr und ihr Präsident Charles de Gaulle altersratlos.
Kurz, das gelangweilte Frankreich gab die Revolution, ein Hauch von 1789 wehte über den Platz der Bastille. Viansson-Ponté musste sich schon damals manch mitleidige oder hämische Bemerkung anhören für seine Fehlanalyse.
Aber war das sein Artikel tatsächlich? Die Lektüre lohnt, nicht allein im historischen Rückblick, sondern auch mit Blick auf das Frankreich von heute. Denn das kürte vor einem Jahr mit Nicolas Sarkozy einen Präsidenten, der als Minister, erst recht als Wahlkämpfer einen energischen, bei uns würde man wohl sagen: den brutalstmöglichen Schlussstrich unter das Erbe des Pariser Mais 1968 ziehen wollte.
Was also hatte der Monde -Leitartikler beobachtet? Einen "Zustand der Melancholie", der nur zu gut zu einem anderen Wesenszug seiner Landsleute passe: "Die Franzosen haben oft bewiesen, dass sie den Wechsel um des Wechsels willen lieben, egal, wie teuer das zu stehen kommt."
Und heute? Aus der zarten Melancholie droht eine handfeste Depression zu werden, hatte doch der Kandidat Sarkozy den Bruch, "la rupture" versprochen, ergibt sich aber bereits ein Jahr danach dem süßen Gift der Kontinuität. Die Franzosen sind ernüchtert, ihr Präsident wirkt entzaubert. Jahreszeitlich gesprochen: Wo endlich Frühling anbrechen sollte, will der Herbst nicht weichen.
Und wie sah der Monde -Leitartikler damals den Präsidenten der Franzosen? "General de Gaulle langweilt sich. Gewiss hat er sich geschworen, nicht nur Kränze niederzulegen, und zieht, ganz offiziell und als netter Kerl, von der Landwirtschaftsmesse zur Lyoner Messe. Was sonst soll er tun? Er strengt sich mitunter an, den Alltag zu dramatisieren, doch ohne großen Erfolg, und übertreibt dabei lauthals die äußeren und inneren Gefahren. Im Stillen hingegen seufzt er, entmutigt über seine kuhäugigen Landsleuten."
Und heute? Langweilt sich Sarkozy womöglich, nach all dem ziemlich wirkungsarmen Trubel, den er nach seinem Einzug in den Elysée-Palast veranstaltete, von der Mittelmeerunion bis zu seiner Union mit der Sängerin Carla Bruni, jeden Tag eine Neuigkeit, ein neuer Coup?
- Datum 07.05.2008 - 03:08 Uhr
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Frankreich hat die größten Pro-Kopf Ausgaben im Sozialsystem unter allen europäischen Ländern. Ebenso einen Mindestlohn von über 1.100 Euro / Monat, die 35 Stunden Woche, die größte Anzahl an Feiertagen und Brückentagen. Und trotzdem sind Franzosen Streikweltmeister und alltägliche Motzer, denn sie halten sich nicht nur für die größte Nation (La Grande Nation) und die kulturelle Sonderposition (l'exception culturelle), sondern sie sind überzeugt, daß sie genial sind und das Paradies auf Erden verdient haben.Die Realität zeigt, daß Frankreich die so erfolgreichen Reformen Englands, Deutschlands und Spaniens verschlafen hat. Und die Franzosen leisten heute auf keinem Sektor, was ein europäischer Führungsstaat leisten müßte : positive Handelsbilanz, Staatshaushalt unter Kontrolle (unter die Brüsseler 3%), Innovationen und eine positive Entwicklung auf dem Arbeitssektor.Frankreich ruht sich auf (unverdienten) Lorbeeren aus. Sarkozy hat das erkannt und strengt unpopuläre, aber notwendige Reformen an. Das wird ihm zum Verhängnis werden, denn die globalen Bedingungen (China, Ölpreis, Nahrungsmittelkrise, Börsen & Bankenkrise) machen Reformen zu diesem Zeitpunkt für Franzosen unerträglich schmerzhaft.Deutschland, nein die Deutschen, haben mit der Wiedervereinigung sehr viel größere Strapazen erlebt - und gemeistert ![...] - sage ich, der seit 10 Jahren in Frankreich arbeitet und mit einer Französin (glücklich) verheiratet ist.[Gekürzt. Bitte vermeiden Sie Pauschalisierungen./ Die Redaktion; ew]
Noch waren es die Achtundsechziger. Revolutionäre vergießen Blut - und wenn es ihr eigenes ist. Alle anderen sind bloße Schwätzer... Nur gut, dass sich alle langweilen. Herzliche Grüße aus Akodo Beach, Lagos!
[...]Die nächsten 5 Jahre werden einen rapiden Absturz Frankreichs und einen weiteren Aufstieg Deutschlands innerhalb Europas und der Global Player zeigen.Und daran sind nicht die durch Sarkozy richtigerweise angestrengten Reformen schuld. Im Gegenteil : nicht einmal die Hälfte dieser Reformen wird umgesetzt werden können, denn Frankreich ging es zu lange unverdient gut ohne Eigenleistung.Es wird (zu) lange dauern bis die Mehrheit der französischen Bürger endlich merkt, daß es Zeit wird in die Hände zu spucken...[Gekürzt - bitte unterlassen Sie pauschalisierte Beleidigungen. /Die Redaktion pt.]
4. globalworx » "das sie
globalworx »
"das sie genial sind und das Paradies auf Erden verdient haben."
Das ist Ihre Meinung und geht in ordnung.
Meine Meinung ist , das die Deutschen nicht weniger grosskotzig sind.
Bestes Bzeispiel, AIRBUS: Durch den Misst den die deutschen Ingenieure gebaut haben, ist das Problem nach 2 Jahren immer noch nicht vom Tisch. Obwohl 2500 Deutsche Techniker nach Toulouse geordnet worden sind um den Kabelsalat den Ihr verbogt habt,seid Ihr immer noch nicht in der Lage das Problem in den Griff zu bekommen.
Eure Schnellzuge sind nach Eschwege immer noch nicht ausgereift und eures beste Stück den Transrapid eine einmalige bankrott Erklärrung. Das Galileo Projekt wäre durch eure rafgier beinahe gescheitert. Hätte Frankreich in den 70er Jahren nicht die Fedeerfürrung mit 60% Anteil in das Ariane projekt gesteckt könnten wir heute von dem Galileo projekt nicht einmal träumen.
Und wenn heute Airbus 50% Anteil am Weltmarkt hat ist es dem Franzosen zu verdanken, denn die Deutschen haben die Anfangschwirigkeiten mit den Worten eines deutschen Ausenminister quitiert " der Vogel verkauft sich nicht weil es nach französichen Stahl riecht.
Fazit , ich kenne Ihr Alter nicht , Sie sollten aber ein bisschen in die richtigen Geschischtsbücher stöbern bevor Sie sich über andere Nationnen ergötzen.
Pit46
Der ICE und der Transrapid sind nicht "meine", nur weil ich Deutscher bin ;ebensowenig war ich einer der Kabelsucher in Toulouse.Raffgierig bin ich ebensowenig usw. usf.Auge um Auge-Zahn um Zahn war Altes Testament; "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" ist das "Update", mal so am Rande ;-) .@globalworx; 1. hab ich ma irgendwo gelesen, daß in Frankreich der Ausdruck "Grande Nation" unbekannt ist (und m.E. als Übersetzung nicht der Superlativ ist). 2. Bitte erklär mal; warum die weder ihre Lorbeeren noch ihren Status verdient haben. Am Ende leben die immernoch von den Reparationszahlungen ausm Versailler Vertrag, oder wie soll man das verstehen????@Artikel; der Sarcozy wird halt kapiert haben, daß es keine Punkte bringt, im Alltagsgeschäft nur große Töne zu spucken; das was der in Bezug auf die Zukunft für notwendig hält, wird sich nicht von heut auf morgen umsetzen lassen.Das war/wäre ähnlich arrogant wie nach 40 Jahren deutscher Trennung davon auszugehen, daß "wir Ossis" nach dem Beitritt auch gleich noch die "Wessidenke" annehmen!
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