Frankreich Der Mai des Nicolas SarkozySeite 2/2
Der passende Kommentar hierzu findet sich ebenfalls bei Vainsson-Ponté: "Ohne Enthusiasmus baut man nichts Neues. Das wahre Ziel der Politik ist es nicht, das Gemeinwesen auf möglichst wenig schlechte Weise zu verwalten. Auf höchster Ebene ist es das wahre Ziel, ein Volk zu leiten, ihm Horizonte zu öffnen, seinen Elan zu wecken, selbst wenn es dabei zu der einen oder anderen Rempelei kommt oder zu unbedachten Reaktionen".
Klingt sehr aktuell, viel gegenwärtiger als die vielen Reminiszenzen und Souvenirs, mit denen auch in Frankreich sich in diesen Tagen die sogenannten Altachtundsechziger an ihre Goldene Zeit erinnern. Für Sarkozy als engagierten Kritiker des Mais 1968 lohnt die neuerliche Lektüre von Viannsson-Pontés Artikel schon deswegen.
Wer die Franzosen unterfordert, droht sie zu unterschätzen. Der Aufruhr ist dann der Spross der Langeweile. Der Monde -Leitartikler wollte sein geliebtes Frankreich einfach nicht an Langeweile sterben sehen: Und die Rebellen an der Sorbonne oder bei Renault auch nicht. "In einem kleinen Frankreich, das praktisch auf sein geographisches Hexagon geschrumpft ist, das nicht wirklich unglücklich und nicht wirklich wohlhabend ist, in Frieden mit der Welt lebt, ohne großen Einfluss auf die Ereignisse in der Welt, sind Feuer und Fantasie genauso nötig wie Wohlbefinden und Wachstum."
Genau so einen Satz und Vorsatz wünschen sich viele ernüchterte oder gar angeödete Franzosen für das Regierungsprogramm im zweiten Jahr unter Nicolas Sarkozy.
Der Pariser Mai 1968 endete übrigens im Juni mit Neuwahlen, und wenige Wochen danach feierten Aufständische wie Staatsmacht brav den 14. Juli - und fuhren in die Ferien. Langeweile legte sich wieder übers Land. Und die nötigen Reformen wurden erst einmal aufgeschoben. Bis zur nächsten Revolte.
Joachim Fritz-Vannahme, langjähriger ZEIT-Redakteur, leitet heute die Europa-Projekte der Bertelsmann Stiftung.
- Datum 07.05.2008 - 03:08 Uhr
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Frankreich hat die größten Pro-Kopf Ausgaben im Sozialsystem unter allen europäischen Ländern. Ebenso einen Mindestlohn von über 1.100 Euro / Monat, die 35 Stunden Woche, die größte Anzahl an Feiertagen und Brückentagen. Und trotzdem sind Franzosen Streikweltmeister und alltägliche Motzer, denn sie halten sich nicht nur für die größte Nation (La Grande Nation) und die kulturelle Sonderposition (l'exception culturelle), sondern sie sind überzeugt, daß sie genial sind und das Paradies auf Erden verdient haben.Die Realität zeigt, daß Frankreich die so erfolgreichen Reformen Englands, Deutschlands und Spaniens verschlafen hat. Und die Franzosen leisten heute auf keinem Sektor, was ein europäischer Führungsstaat leisten müßte : positive Handelsbilanz, Staatshaushalt unter Kontrolle (unter die Brüsseler 3%), Innovationen und eine positive Entwicklung auf dem Arbeitssektor.Frankreich ruht sich auf (unverdienten) Lorbeeren aus. Sarkozy hat das erkannt und strengt unpopuläre, aber notwendige Reformen an. Das wird ihm zum Verhängnis werden, denn die globalen Bedingungen (China, Ölpreis, Nahrungsmittelkrise, Börsen & Bankenkrise) machen Reformen zu diesem Zeitpunkt für Franzosen unerträglich schmerzhaft.Deutschland, nein die Deutschen, haben mit der Wiedervereinigung sehr viel größere Strapazen erlebt - und gemeistert ![...] - sage ich, der seit 10 Jahren in Frankreich arbeitet und mit einer Französin (glücklich) verheiratet ist.[Gekürzt. Bitte vermeiden Sie Pauschalisierungen./ Die Redaktion; ew]
Noch waren es die Achtundsechziger. Revolutionäre vergießen Blut - und wenn es ihr eigenes ist. Alle anderen sind bloße Schwätzer... Nur gut, dass sich alle langweilen. Herzliche Grüße aus Akodo Beach, Lagos!
[...]Die nächsten 5 Jahre werden einen rapiden Absturz Frankreichs und einen weiteren Aufstieg Deutschlands innerhalb Europas und der Global Player zeigen.Und daran sind nicht die durch Sarkozy richtigerweise angestrengten Reformen schuld. Im Gegenteil : nicht einmal die Hälfte dieser Reformen wird umgesetzt werden können, denn Frankreich ging es zu lange unverdient gut ohne Eigenleistung.Es wird (zu) lange dauern bis die Mehrheit der französischen Bürger endlich merkt, daß es Zeit wird in die Hände zu spucken...[Gekürzt - bitte unterlassen Sie pauschalisierte Beleidigungen. /Die Redaktion pt.]
4. globalworx » "das sie
globalworx »
"das sie genial sind und das Paradies auf Erden verdient haben."
Das ist Ihre Meinung und geht in ordnung.
Meine Meinung ist , das die Deutschen nicht weniger grosskotzig sind.
Bestes Bzeispiel, AIRBUS: Durch den Misst den die deutschen Ingenieure gebaut haben, ist das Problem nach 2 Jahren immer noch nicht vom Tisch. Obwohl 2500 Deutsche Techniker nach Toulouse geordnet worden sind um den Kabelsalat den Ihr verbogt habt,seid Ihr immer noch nicht in der Lage das Problem in den Griff zu bekommen.
Eure Schnellzuge sind nach Eschwege immer noch nicht ausgereift und eures beste Stück den Transrapid eine einmalige bankrott Erklärrung. Das Galileo Projekt wäre durch eure rafgier beinahe gescheitert. Hätte Frankreich in den 70er Jahren nicht die Fedeerfürrung mit 60% Anteil in das Ariane projekt gesteckt könnten wir heute von dem Galileo projekt nicht einmal träumen.
Und wenn heute Airbus 50% Anteil am Weltmarkt hat ist es dem Franzosen zu verdanken, denn die Deutschen haben die Anfangschwirigkeiten mit den Worten eines deutschen Ausenminister quitiert " der Vogel verkauft sich nicht weil es nach französichen Stahl riecht.
Fazit , ich kenne Ihr Alter nicht , Sie sollten aber ein bisschen in die richtigen Geschischtsbücher stöbern bevor Sie sich über andere Nationnen ergötzen.
Pit46
Der ICE und der Transrapid sind nicht "meine", nur weil ich Deutscher bin ;ebensowenig war ich einer der Kabelsucher in Toulouse.Raffgierig bin ich ebensowenig usw. usf.Auge um Auge-Zahn um Zahn war Altes Testament; "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" ist das "Update", mal so am Rande ;-) .@globalworx; 1. hab ich ma irgendwo gelesen, daß in Frankreich der Ausdruck "Grande Nation" unbekannt ist (und m.E. als Übersetzung nicht der Superlativ ist). 2. Bitte erklär mal; warum die weder ihre Lorbeeren noch ihren Status verdient haben. Am Ende leben die immernoch von den Reparationszahlungen ausm Versailler Vertrag, oder wie soll man das verstehen????@Artikel; der Sarcozy wird halt kapiert haben, daß es keine Punkte bringt, im Alltagsgeschäft nur große Töne zu spucken; das was der in Bezug auf die Zukunft für notwendig hält, wird sich nicht von heut auf morgen umsetzen lassen.Das war/wäre ähnlich arrogant wie nach 40 Jahren deutscher Trennung davon auszugehen, daß "wir Ossis" nach dem Beitritt auch gleich noch die "Wessidenke" annehmen!
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